Kappeln Nordhafen : Die Antarktis im Visier

Stellen die „Beluga II' und die Antarktis-Kampagne vor: Greenpeace-Koordinatorin Christina Klubert (r.) mit den Helferinnen Gail Chilman, Anneke Dubbeldam und Valeria Silence (v.li.).
Stellen die „Beluga II“ und die Antarktis-Kampagne vor: Greenpeace-Koordinatorin Christina Klubert (r.) mit den Helferinnen Gail Chilman, Anneke Dubbeldam und Valeria Silence (v.li.).

Greenpeace-Segler „Beluga II“ in Kappeln zu Gast : Die Umweltaktivisten stellen das Schiff und ihre aktuelle Kampagne vor.

shz.de von
13. Juni 2018, 06:55 Uhr

Kappeln | Sie versenken Hunderte tonnenschwerer Natursteine vorm Sylter Außenriff, um das dortige Naturschutzgebiet zu stärken, protestieren gegen Ölbohrungen in der Arktis und setzen sich gegen Schleppnetz-Fischerei ein. Greenpeace, die wohl bekannteste internationale Umweltorganisation, ist mit ihrem Küstensegler, Typ niederländischer Klipperaak, „Beluga II“ zu Gast im Kappelner Hafen. Auf einer Ostsee-Tour mit insgesamt zehn Stopps zeigen die Mitarbeiter das Schiff, erklären die aktuelle Kampagne zum größten Meeresschutzgebiet der Welt im antarktischen Weddell-Meer und bieten Interessierten die Möglichkeit, sich an ihrer Petition zu beteiligen.

Sie ist benannt nach dem weißen Wal und ist ein typischer Küstensegler: Auf den ersten Blick sieht man es der „Beluga II“ gar nicht an, aber sie verbirgt modernste Technik hinter ihrem eher traditionellen Aussehen. „Sie wurde speziell für Greenpeace entworfen, 2003 auf Kiel gelegt und 2004 ausgebaut“, berichtet Valeria Silence über das 33 Meter lange Schiff. Es ist so umweltfreundlich wie möglich gebaut, hat einen Plattboden und ist somit auch auf flachen Gewässern gut einsetzbar. Die beiden Masten können umgeklappt werden, so kann sie auch unter Brücken hindurch fahren.

Die 20-jährige Valeria ist eine von fünf Ehrenamtlern, die gerade mit auf der Ostsee-Tour sind. Außer ihnen sind noch drei Seeleute – Kapitän, Steuermann und Schiffsjunge – sowie Greenpeace-Koordinatorin Christina Klubert an Bord. Wie ihre Kollegen, leitet auch Valeria eine Gruppe Interessierter über und durch das Schiff, erklärt Aufbau, Material und die große Ladeluke, zeigt den Steuerstand, die Brücke und den Allzweckraum, der als Lager dient, in dem gegessen und geschlafen wird. „Er ist groß genug, um einen herkömmlichen Container unterzubringen“, erklärt sie. So könne zum Beispiel ein Labor oder eine Werkstatt an Land vorbereitet und anschließend komplett in die Ladeluke eingelassen werden.

Gerade wird der Allzweckraum aber als Kinosaal genutzt. Gezeigt wird ein Film von und mit dem spanischen Schauspieler Javier Bardem, der mit Greenpeace auf der „Arctic Sunrise“ auf Antarktis-Expedition war. In eindrucksvollen Bildern erklärt er das Wunder dieser Landschaft und des vielfältigen Lebens, das auf den ersten Blick kaum sichtbar erscheint. „Ohne Krill ist alles zu Ende. Es gibt keinen Plan B, denn es gibt keinen Planeten B“, endet er. Krill, das sind grammleichte Garnelentiere, die nicht nur die Nahrungsgrundlage für Wale, sondern auch für Fische, Delfine, Pinguine und Robben bilden. Neben dem Klimawandel bringt vor allem die industrielle Fischerei das antarktische Ökosystem durcheinander, hat Greenpeace festgestellt. Für eine Petition sammeln die Mitarbeiter auch am Kappelner Hafen Unterschriften, damit ein 1,8 Millionen Quadratmeter großer Bereich im Weddell-Meer zum Schutzgebiet erklärt wird.

Koordinatorin Christina Klubert freute sich gestern über das rege Interesse in Kappeln. Eine Gruppe nach der anderen ließ sich das Schiff zeigen und informierte sich über die Kampagne. „Sehr informativ und ein beeindruckender Film mit faszinierenden Bildern“, fand Besucher Michael Arendt. „Und eine schöne Aktion für Kappeln.“ Die „Beluga II“ liegt auch heute noch im Hafen. Die Führungen werden von 10 bis 13 Uhr und von 17 bis 19 Uhr angeboten.

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