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Kunsthaus Hänisch : Die alte Heimat neu entdecken

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

88 Fotografien schmücken noch bis Juni das Kunsthaus Hänisch. Die Aufnahmen des Heimatforschers Theodor Möller zeigen Kappeln und Umgebung vor 100 Jahren.

Es hat gerade mal zwei Minuten gedauert, dann waren die Gespräche in lebhaftem Gange. Schuld ist die aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Hänisch, die am vergangenen Sonntag vor etwa 60 Gästen eröffnet wurde. Genauer: Schuld ist Theodor Möller. Seine Fotografien schmücken derzeit die zwei Etagen des Kunsthauses, und sie erlauben einen ganz besonderen Trip in vergangene Zeiten.

Vor mittlerweile zweieinhalb Jahren waren Jürgen Ostwald und Michael Schmiedel das letzte Mal in Kappeln, damals haben die beiden – Ostwald als Kunsthistoriker der Fielmann AG und Schmiedel als Leider der Fielmann-Niederlassung in Eckernförde – Möllers Fotografien als Geschenke mitgebracht, verbunden mit der Auflage, die Schwarz-Weiß-Aufnahmen auch irgendwann im Kunsthaus zu präsentieren. Nun war Möller zu Lebzeiten in ganz Schleswig-Holstein mit seiner Kamera unterwegs, seinen Nachlass verwahrt das Landesamt für Denkmalpflege in Kiel. Und dort hat man die mehr als 7000 Aufnahmen sortiert, Handabzüge in 30 mal 40 Zentimetern angefertigt und dann im ganzen Land nach Museen gesucht, in denen die Bilder unter geografischem Aspekt gut aufgehoben sein würden. Im Kunsthaus hängen nun seit Sonntag Aufnahmen aus Kappeln, Maasholm, Arnis, Grödersby – ein kleines Spiegelbild Angelns.

Allerdings eines, das teils über 100 Jahre alt ist. Möllers Fotografien sind in den Jahren 1908 bis 1937 entstanden und auch wenn der Volksschullehrer nicht als ausgebildeter Fotograf durchs Land zog, erkannte etwa Jürgen Ostwald in ihnen mehr als den durchaus leidenschaftlichen Willen, ein authentisches Zeugnis der Zeit zu sein. „Es ging nicht primär darum, einen vergehenden Zustand zu dokumentieren“, sagte Ostwald, „sondern eine verlorene Lebenssituation und Lebenssicherheit zu zeigen“. Allerdings verberge sich dahinter keine Klage, stattdessen ein Appell, der von dauerhafter Aktualität sei. Bemerkenswert sei zudem, dass Möller die Kraft gehabt habe, sich der nach 1933 verlangten Art der Fotografie zu verschließen. Nichts Verherrlichendes, nichts künstlich Bedrohliches, stattdessen bemüht um Authentizität durch und durch.

Dass genau das am besten funktioniert, zeigten die Reaktionen der Vernissage-Besucher. Im Erdgeschoss finden sich überwiegend Fotografien aus Kappeln und Maasholm, und immer wieder waren Gesprächsfetzen im Stile von „das hätte ich nicht erkannt“ oder „wer weiß, welches Geschäft das heute ist“ zu vernehmen. Sie stammten von Menschen, die vor einem schwarz-weißen Dehnthof, Kehrwieder, dem Heringszaun, der Arnisser Schifferkirche oder dem Maasholmer Strand standen und gerade dabei waren, ihre Heimat neu zu entdecken. Im Obergeschoss hängen Möllersche Aufnahmen aus Grödersby, Quern und Rabenkirchen, aus Gelting, Niesgrau und Rabelsund. Man sieht Fischer, die ihre Netze ausbessern, Besucher im Gottesdienst, ein und dieselbe Wassermühle 1922 und zehn Jahre später – Möller zeigt Menschen im Hier und Jetzt, dokumentiert Veränderungen, die Wertung überlässt er seinem Betrachter.

Kuratorin Marion Bejschowetz-Iserhoht stellte zunächst noch einmal die Bedeutung des Gesamtprojektes heraus, das wohl „bundesweit einmalig“ sei. Vor Kappeln habe die Fielmann AG mit Hilfe des Landesamtes für Denkmalpflege bereits 18 andere Möller-Ausstellungen umgesetzt. Und mit einem Augenzwinkern kündigte Bejschowetz-Iserhoht an: „Wir haben vor, das ganze Land zu vermöllern.“ Nichts Geringeres erlaubt der Bestand Möllers, der auf seiner, so Bejschowetz-Iserhoht, „Fotosafari durch Schleswig-Holstein“ entstanden ist. Die Expertin nannte Möller einen genauen Beobachter, der anregen und aufklären wollte. Kein Wunder also, dass er seiner ersten Publikation den Titel „Das Gesicht der Heimat“ gab. Ein hoher Anspruch, zumal für einen Amateur, aber eben das scheint möglich zu sein mit Möllers Aufnahmen.

Michael Schmiedel jedenfalls, der bei der Vernissage nicht anwesend, dafür aber zwei Tage zuvor im Kunsthaus vorbei gekommen war, hat auf einer der Fotografien schon mindestens einen Ort erkannt, den er bei seiner Radtour von Arnis nach Eckernförde regelmäßig passiert. Seine Hoffnung: „Dass viele Kappelner etwas wiedererkennen.“ Und wer dabei Hilfe braucht, dem steht neben Kunsthistorikerin Dr. Christina Kohla mit Hans-Herrmann Stütz ein echter Kappeln-Kenner bei den Führungen zur Seite. Übrigens: Denjenigen, die sich ein Stück Vergangenheit mit nach Hause nehmen möchten, bietet das Landesamt für Denkmalpflege die Gelegenheit, einen Handabzug zu erwerben. Bestellungen sind im Kunsthaus möglich.

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erstellt am 13.Mai.2014 | 07:30 Uhr

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