Bronzeskulpturen in Kappeln : Die Affen von Gut Roest

Zwei Menschenaffen stehen jetzt im Park zu Gut Roest. Sie sind Teil des größeren Kunstwerkes „Erbsünde“ und standen vorher bei der NordArt in Rendsburg.
Zwei Menschenaffen stehen jetzt im Park zu Gut Roest. Sie sind Teil des größeren Kunstwerkes „Erbsünde“ und standen vorher bei der NordArt in Rendsburg.

Norbert und Marion Essing stellen Kunstwerke des chinesischen Künstlers Liu Ruowang auf ihrem Grundstück auf.

shz.de von
30. Januar 2018, 06:11 Uhr

Kappeln | Da stehen sie nun. Zwei riesige Menschenaffen mitten auf der Koppel neben dem Torhaus von Gut Roest in Mehlby. Autofahrer bremsen ab, bleiben stehen, fragen sich, was das ist. Warum stehen die dort?

Auf die Frage was das ist, werden alle, die in den letzten beiden Jahren die NordArt in Rendsburg besucht haben, wahrscheinlich eine Antwort wissen. Die Affen sind Teil des beeindruckenden Werkes „Erbsünde“ des chinesischen Künstlers Liu Ruowang. Der liefert eine sehr interessante Interpretation des Werkes, das aus etwa 90 solcher Affenfiguren besteht. „Heute beschert uns die hochentwickelte Zivilisation zwar eine fortschrittliche materielle Kultur“, beschreibt Ruowang sein Werk, „doch die Natur, in der wir leben, wird unaufhörlich beschädigt. Die verblüfften Augen und das unschuldige Gesicht des Affenmenschen offenbaren den Wunsch, all das zu korrigieren und in Richtung einer strahlenden Zukunft zu gehen“.

Jetzt haben Norbert und Marion Essing, die Besitzer des Gutes Roest, zwei dieser Bronzeskulpturen erworben und in ihrem Park aufgestellt. „Wir machen das nicht, weil es große Kunst ist, oder weil wir damit in der Zeitung stehen möchten“, sagt Essing. Es gehe ihm auch nicht darum, dass ein Kunstwerk besonders ausgefallen, großartig oder teuer ist. Für ihn gehe es bei Kunst immer nur um das eigene Bauchgefühl. Und das müsse stimmen, sagt er. Als er die Affenmenschen erstmals in Rendsburg sah, war dieses Bauchgefühl bei ihm gleich da. „Dass ich die hier stehen haben möchte, dass die hierher passen, das wusste ich irgendwie sofort.“ Eine rationale Entscheidung sei das nicht gewesen. Er und seine Frau fuhren noch mehrmals nach Rendsburg, ehe sie Kontakt zu den Kuratoren der Ausstellung aufnahmen, der schließlich, nach mehreren Emails und Telefonaten mit dem Künstler zum Erwerb der beiden Figuren führte. „Meine Söhne haben sie ausgesucht“, so Essing. „Aber dann hat es noch einige Zeit gebraucht, ehe sie nun aufgestellt werden konnten.“ Es mussten Betonfundamente in den Boden gegossen werden, aber der war lange Zeit einfach zu nass. Tieflader und Kran haben dann tiefe Radspuren im weichen Untergrund hinterlassen. Aber der Aufbau hat geklappt. Nun geht Essing jeden Morgen mit einem Lächeln an den beiden Figuren vorüber. „Sie machen gute Laune“, sagt er. Und das ist es, was ihm an Kunst wichtig ist. Sie soll Spaß machen. Es gehe ihm nicht darum, was der Künstler sich vielleicht bei dem Werk gedacht hat. Das sei ihm egal, betont er.

Die Essings wollen mit Kunst leben. Kunst soll Teil ihres täglichen Lebens sein. Norbert Essing engagiert sich deswegen unter anderem als Kurator im Freundeskreis der Hamburger Elbphilharmonie und unterstützt das Kunsthaus Hänisch in Kappeln.

Der Erwerb der Affen lief völlig unkompliziert“, betont Essing. Die Zusammenarbeit mit den Kuratoren der NordArt beschreibt er als sehr angenehm. So haben Essings noch ein weiteres Werk von Ruowang erworben, das bisher noch in einem Depot darauf wartet aufgestellt zu werden. Das „Festmahl“ zeigt zwölf überlebensgroße Schweine, die an einem Tisch sitzen und gilt in Kunstkreisen als Adaption an Da Vincis Gemälde „Abendmahl“. „Da ist viel Raum für Interpretation“, meint Essing. „Aber mir gefällt es einfach. Meine Frau mag es nicht so besonders.“ Die Skulptur wird hinter dem Gutshaus ihren Platz finden. „Da sehe ich sie dann jeden Tag, wenn ich aus dem Fenster schaue.“ Und mehr möchte er nicht. Eine weitere Affenfigur wollen Essings in ihrem Reetdachdorf in Nieby aufstellen.



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