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Schlei-Bote

17. Oktober 2017 | 03:10 Uhr

Kappeln : Die älteste Ansicht der Stadt

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Geschrieben wurde schon über das Kappeln-Gemälde, gezeigt wurde es bislang noch nicht: Jetzt hängt es frisch restauriert im Rathaus.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2016 | 12:30 Uhr

Als das Gemälde kurz vor Ostern des vergangenen Jahres wieder aus der Versenkung auftauchte, hatten die Experten schon so eine Ahnung. Jetzt, nach monatelanger Restaurierung und weitreichender Recherche ist klar: Die Kappeln-Ansicht, die rund 60 Jahre auf dem Dachboden des Rathauses vor sich hin schlummerte, ist vermutlich noch ein bisschen älter als auf den ersten Blick angenommen. Hatte man die Entstehung des Bildes kurz nach dessen Entdeckung noch auf das ausklingende 18. Jahrhundert datiert, sagt Jürgen Ostwald, Kunstexperte der Fielmann AG, jetzt: „Wir gehen von etwa 1750 aus, vielleicht auch 1735.“ Ein anderer Gesichtspunkt allerdings scheint ungleich entscheidender. Ostwald: „Das Bild war bislang unveröffentlicht.“ Seit dieser Woche hängt es, frisch entstaubt und restauriert, im Magistratszimmer des Rathauses.

Das Gemälde, das der Kappelner Dr. Gustav Spliedt nach seinem Tod der Stadt als Geschenk vermacht hatte, wurde zwar an mehreren Stellen schriftlich erwähnt (unter anderem im Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln). Öffentlich ausgestellt wurde es indes bislang noch nicht. Und in dem Zustand, in dem man es fand, wäre das auch schlecht möglich gewesen. Sehr wellig, an einzelnen Stelle lose, vereinzelt sogar löchrig – so hat Jochen Rosehr, Gemälde-Restaurator aus Kiel, das Bild in Erinnerung, als es in seinem Atelier eintraf. Im Rückblick sagt der Experte allerdings dennoch: „Es hat die schwierigen klimatischen Bedingungen über die Jahre eigentlich gut überstanden.“ Rosehr hat das Gemälde zunächst vom Rahmen befreit, dabei 200 handgeschmiedete Nägel herausgezogen und es danach mit verschiedenen Lösungsmittel gereinigt. Die Herausforderung, vor der er stand, beschreibt er so: „Wie schafft man es, den Dreck zu entfernen, ohne die Malschicht anzugreifen?“ Reinigungsproben eröffneten dem Profi den Weg zum richtigen Lösungsmittel, wobei er auch auf die verschiedenen Farben achten musste. „Rot und Grün sind empfindlicher als ein heller Himmel“, sagt Rosehr. Auf das gereinigte Bild trug er einen klaren Schutzanstrich auf, es folgte die Retusche, bei der der Restaurator auch einzelne Fehlstellen im Bild ergänzte, und schließlich der klare Schlussfirnis erneut zum Schutz. Als noch aufwendiger entpuppte sich derweil ein anderer Arbeitsschritt. „Wir mussten einen achteckigen Keilrahmen entwerfen“, sagt Rosehr, „damit die Leinwand künftig vernünftig nachgespannt werden kann“.

Über vier Monate hat der Restaurator mit seinem Team an der Kappeln-Ansicht gearbeitet, den „höheren vierstelligen Betrag“, der dafür fällig wurde, hat die Fielmann AG übernommen – und zwar gerne, wie Michael Schmiedel, Leiter der Fielmann-Filiale in Eckernförde, betont. Dass das Gemälde, dessen Maler nach wie vor unbekannt ist, vermutlich vor 1750 entstanden ist, macht Jürgen Ostwald derweil an einigen Merkmalen fest. „Man muss Bilder lesen wie einen Text“, gibt er seinen Zuhörern als Leitfaden an die Hand. Beispiel: Die Kirche auf der Ansicht zeigt den Vorgänger-Bau der jetzigen Nikolaikirche, die ab 1789 erbaut wurde. Ostwald: „Also ist das Bild nicht nach 1789 entstanden.“ Und: Der Großteil der Häuser hat ziegelgedeckte Dächer statt einer sogenannten weichen Deckung. Ostwald: „Das war nicht vor 1730 der Fall.“ Sein Fazit: „Es bleibt die früheste Darstellung von Kappeln.“

Für Kunsthistorikerin Dr. Christina Kohla, die seit einem guten Jahr, ebenfalls finanziert von der Fielmann AG, an einem wissenschaftlichen Konzept für ein neues Stadtmuseum arbeitet, ist es noch ein bisschen mehr als das. „Ein Museum braucht Originale“, sagt Kohla. „Und dieses Bild kann das Kernstück der Sammlung werden. Es steckt so viel darin, es ist ein Schlüsselwerk für ein Stadtmuseum.“

Bis dieses Museum allerdings tatsächlich existiert, hat die Kappeln-Ansicht einen anderen Platz gefunden: Michael Schmiedel und Bürgermeister Heiko Traulsen haben es gemeinsam an eine Wand im Magistratszimmer gehängt. Aber auch Traulsen sagt: „Am Ende muss es seinen Platz im Museum einnehmen.“ Bis dahin dürfen sich die Besucher des Magistratszimmer davon inspiriert fühlen.

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