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Gemeinschaftsschule an der Schlei : Deutsch lernen in zwei Schritten

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Zwei DaZ-Klassen werden seit Anfang des Jahres in der Gemeinschaftsschule unterrichtet.

Der Flur zu den Klassenzimmern ist bunt – an die Wände haben die Schüler die Flaggen der Länder, aus denen sie kommen, gemalt. Afghanistan, Iran, Irak, Syrien, Tschetschenien, Mazedonien, Albanien, Serbien. Im ersten Stock der Gemeinschaftsschule Kappeln lernen über 20 Schüler seit dem 1. Februar Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Unterrichtet werden sie von den DaZ-Lehrern Kristin Dreesen (30) und Lennart Schmidt (31). Kristin Dreesen hat bereits während ihres Lehramtsstudiums in Niedersachsen eigens ein DaZ-Modul belegt. Lennart Schmidt wurde von der Schulleitung gefragt, ob er sich zum DaZ-Lehrer fortbilden möchte. „Viele Referendare machen die Fortbildung inzwischen schon im Vorbereitungsdienst“, sagt er.

In der Gemeinschaftsschule sah man die Notwendigkeit und hatte den Platz für dieses Unterrichtsangebot. „Außerdem wollen wir hier gewährleisten, dass die Schüler keine langen Wege zu den Deutschkursen zurücklegen müssen“, erklärt Dreesen. Unter dem Dach der Schule werden heute in der DaZ I elf Schüler auf Anfängerniveau und in der DaZ II 16 fortgeschrittene Schüler unterrichtet. Die Schüler sind zwischen elf und 16 Jahre alt. Anfangs habe sich Dreesen gefragt, ob dies gut gehen kann. „Das ist immerhin ein großer Altersunterschied.“ Doch ihre Bedenken sollten sich nicht bestätigen. „Viele sind in ihrer Heimat schon sehr lange in die Schule gegangen. Sie kennen die Schule schon sehr gut und wissen, wie sie sich organisieren müssen“, meint Dreesen. Auf andere Schüler wiederum treffe dies nicht zu. „Ihnen blieb der Schulbesuch wegen des Krieges, fehlenden Geldes oder Vorbehalten der Eltern verwehrt.“ Ein Unterschied zu den Regelklassen sei die „vielfache Differenzierung der Schüler“, ergänzt Schmidt. Jeder bringe andere Sprachkenntnisse mit, habe einen anderen kulturellen Hintergrund. Der Unterricht der DaZ-Schüler ist daher vor allem durch individuelle Eigenarbeit geprägt. Dreesen: „In kaum einem anderen Fach sieht man so schnell die Fortschritte der Schüler.“ Frontalunterricht sei derweil weniger möglich, weil die Leistungsunterschiede teils sehr groß seien.

Alle Schüler sind einer Regelklasse zugewiesen und haben einen Stundenplan, der vorgibt, wo sie wann sein müssen. Für Dreesen und Schmidt ist dies nicht immer ganz einfach zu überblicken. „Nicht jeder kommt auch in der Regelklasse an“, sagt Dreesen. Ein eigener Stundenplan und sich selbst so organisieren, dass man zur richtigen Stunde im richtigen Unterricht sitzt – „für einige Schüler ist das viel Verantwortung“, meint Dreesen. „Damit kommen nicht immer alle zurecht.“ In ihrer Heimat waren sie meist Frontalunterricht gewöhnt. „Diese neue Freiheit bereitet gelegentlich Schwierigkeiten.“ Auch fühlten sie sich mit ihren Freunden in der DaZ-Klasse wohler. „Aber es ist gut, dass wir hier keine Insel sind“, räumt Dreesen ein. Dass die DaZ-Schüler auch in Regelklassen unterrichtet werden, führe umgekehrt dazu, dass inzwischen auch Schüler der Regelklassen zu den Räumen der DaZ-Klassen kommen und ihre Scheu verlieren.

Beim Deutschlernen stehen die DaZ-Schüler vor den typischen Hürden dieser Sprache: „Vor allem Wortzusammensetzungen bereiten ihnen Schwierigkeiten“, sagt Dreesen. „Und auch bei unseren vier Fällen haben sie Probleme.“ Aber: „Viele lernen die Grammatik dann so gut, dass sie sie besser können als ihre Mitschüler in den Regelklassen.“ Mitunter erklärten sie ihnen die dann. Eine große Herausforderung sei derweil das freie Sprechen. Viele schämten sich, vor den anderen in der fremden Sprache zu reden. „Aber sie freuen sich über den Unterricht und sind häufig sogar schon vor Unterrichtsbeginn da.“

Im Unterricht haben Dreesen und Schmidt festgestellt, dass bei vielen Schülern die Mathekenntnisse fehlten. Deshalb wurde nun auch mit der Matheförderung begonnen. So ist neben DaZ, Technik, Kunst, Sport und Musik nun auch Mathe eines der Fächer, das auf dem Stundenplan der Schüler steht. Sieben Lehrer werden insgesamt in den Klassen eingesetzt.

Die kulturelle Vielfalt ihrer Schüler bereite keine Probleme. „Das muslimische Zuckerfest oder jetzt Nikolaus und Weihnachten – wir feiern alle Feste der verschiedenen Religionen“, sagt Kristin Dreesen und ergänzt: „Wir feiern hier sehr viel.“ In diesem ersten Jahr des DaZ-Unterrichts sind Dreesen und Schmidt auch Vertrauenspersonen für die Schüler geworden. Von Anfang an haben sie auch die Eltern mit ins Boot geholt. Auf einem Elternabend haben sie sich vorgestellt, schon damals sei ihnen viel Interesse und Dankbarkeit entgegengebracht worden. „Weil wir die Eltern und sie uns vertrauen, haben wir viele Möglichkeiten in der Unterrichtsgestaltung.“ In diesem Jahr haben sie Ausflüge nach Sierksdorf in den Hansapark und ins Theater nach Kiel unternommen. Für das kommende Jahr ist schon ein Schwimmkursus in der Vorhabenwoche und die erste Klassenfahrt geplant. „Wohin es gehen wird, müssen wir noch entscheiden“, sagt Dreesen.

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erstellt am 20.Dez.2016 | 06:45 Uhr

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