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Ellenberger Bad : Der Traum von einer neuen Schwimmhalle beginnt

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kappelns Bürgermeister plant einen Zweckverband, um das Defizit der Betriebskosten eines künftigen Bades auf mehrere Schultern zu verteilen.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2013 | 07:30 Uhr

Stühle waren gestern Vormittag im Sitzungssaal des Rathauses so gut wie keine mehr frei – wohl das anschaulichste Signal dafür, dass das Thema der gut einstündigen Versammlung eines war, das viele bewegte oder wenigstens interessierte. Im Fokus stand das Ellenberger Schwimmbad und der Wunsch des Bürgermeisters Heiko Traulsen, Bewegung in die Geschehnisse rund um das Bad zu bringen. Verständlich und auch notwendig, immerhin wankt die Zukunft des Bades nach 2014 bedenklich. Ziel der gestrigen Versammlung sollte sein, abzuklopfen, ob das Interesse an einer Schwimmhalle über das reine Verlangen der Stadt Kappeln hinausgeht, ob Sanierung oder gar Neubau realistisch erscheint und vor allem, wie ausgeprägt die Bereitschaft in der Region ist, sich an den zu erwartenden Kosten zu beteiligen.

Mehr als ein Dutzend Bürgermeister etlicher Umlandgemeinden aus Angeln wie Schwansen, dazu Tourismus-Experten, Wirtschaftsfachleuter und Vereinsvertreter waren erschienen. Ihnen erläuterte Traulsen zunächst, dass das Bad von seinem jetzigen Standort auf jeden Fall würde weichen müssen, da die neue Eigentümerin des Grundstücks, die AMA Marina Schleiterrassen GmbH, eben jene Stelle als „bevorzugte Lage“ ausgemacht habe und dort Wohneinheiten errichten möchte. Gleichzeitig offeriert die AMA der Stadt ein anderes Areal, um eben dort ein neues Bad aufzubauen. Traulsen: „Wenn sich also schon die Möglichkeit dazu bietet, lohnt es sich, darüber zu diskutieren.“

Weil die Nachbarstadt Schleswig über ein ähnlich marodes Schwimmbad verfügt wie Kappeln, hatte der Bürgermeister mit Jürgen Augustin und Uwe Rathjen zwei Vertreter der Schleswiger Stadtwerke eingeladen. Die Stadtwerke betreiben das Bad und beschäftigen sich bereits seit geraumer Zeit mit Sanierungs- beziehungsweise Neubaugedanken. Grundsätzlich will man demnach in Schleswig, ganz ähnlich wie in Kappeln, kein Spaßbad sondern ein Lehrschwimmbecken, eventuell einen Kleinkinderbereich und ein Kursbecken. Eine Sanierung des vorhandenen Schleswiger Bades veranschlagen die Experten mit rund 2,7 Millionen, einen Neubau mit mindestens neun Millionen Euro. Augustin legte zudem Wert auf eine ausgewogene Konzeption. „Kunden- und Kursverhalten zusammenzuführen, ist entscheidend für Erfolg oder Misserfolg“, sagte er.

Aus Sicht des Tourismus betonte Max Triphaus, Geschäftsführer der Ostseefjord-Schlei-GmbH, einen anderen Aspekt. „Ohne die Schwimmhalle haben wir kein Schlecht-Wetter-Angebot in Kappeln“, sagte er. „Wir sind darauf angewiesen.“

Auch Damps Bürgermeister Horst Böttcher machte sich für ein Schwimmbad in Kappeln stark – und das zu einem Zeitpunkt, da in seiner eigenen Gemeinde ein 14 Millionen Euro teures Erlebnisbad entsteht. Denn in einem Erlebnisbad lerne man nicht zu schwimmen, dies würden die Gegebenheiten gar nicht erlauben. „Ein Bad in Kappeln ist wichtig für das Schulschwimmen“, sagte Böttcher, der für das Damper Bad aus dem Zukunftsprogramm Wirtschaft mehr als 50 Prozent an Fördermitteln erhalten hat.

Ob Zuschüsse auch für ein Kappelner Lehrschwimmbecken realistisch sind, scheint derweil fraglich. Britta Gutknecht von der Entwicklungsagentur Nord stellte klar, dass in erster Linie Infrastrukturvorhaben, die überwiegend dem Tourismus dienen, mit Fördergeldern bedacht werden. Ein Umstand, den Peter-Martin Dreyer, Bürgermeister von Rabenkirchen-Faulück, „keine gute Linie“ nannte. Ihm sei unverständlich, weshalb Bäder, in denen junge Menschen im Schwimmen ausgebildet werden, ohne Zuschüsse auskommen müssen. Stephan Jung von der Wireg kündigte unterdessen an, dass es mittlerweile positive Signale vom Bund gebe, Gemeinden, die nach dem Abzug der Bundeswehr mit Konversionsflächen zurückbleiben, finanziell zu unterstützen.

Und für den Schwimmbadförderverein führte Kassenwart Knut Grieger die innerhalb von vier Wochen gesammelten 2629 Unterschriften zum Erhalt des Bades ins Feld, das zum Wohl der Allgemeinheit, zum Wohnwert und Urlaubsqualität für Touristen beitrage.

Nach einer guten Stunde ging man schließlich wieder auseinander und ließ einen Bürgermeister mit selbst auferlegten Hausaufgaben zurück: Traulsen will nun zunächst den baulichen und finanziellen Rahmen eines potenziellen Neubaus grob festlegen, Förderchancen ausloten und sich über einen Zweckverband Gedanken machen, in dem – und das scheint der mit Abstand entscheidendste, gleichzeitig schwierigste Punkt – „über die Defizitverteilung gestritten werden muss“. Diese Angelegenheit wurde gestern doch noch ausgeklammert, Widerspruch gegen eine Betriebskosten-Beteiligung gab es aber nicht.

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