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Der Steruper Oberritter schwingt den Löffel

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die „Allmanns“-Tradition wird in Sterup seit 1802 in Ehren gehalten / Seit Jahresende gibt es sieben Neuritter

shz.de von
erstellt am 02.Jan.2014 | 00:33 Uhr

Kurz vor Jahresende treffen sich Sterups Männer zur Allmanns-Sitzung – so ist es seit 1802 Tradition. Der Ursprung für „Allmanns“ geht auf die Nutzung der „Maien“, die Sumpf-, Schilf- und Moorgebiete in der Gemeinde, zurück. Diese wurden der Allgemeinheit gegen Entrichtung einer Pachtgebühr zur Verfügung gestellt. Dieses Geld wurde und wird bei besagter Allmanns-Sitzung „ver-gessen“ und „ver-trunken“. Und hierbei regiert der „Schleef“, ein hölzerner großer Löffel, der seit dem Jahr 2000 von Oberritter Udo Hansen geschwungen wird, um weiteres Geld für den feuchtfröhlichen Sitzungsverlauf einzukassieren.

Und dann gegen Mitternacht der Höhepunkt: Gemäß Satzung schlug Hansen die, die erstmals dabei waren, zu Rittern. Bedingung: Sie alle müssen männlichen Geschlechts, mindestens 18 Jahre alt und Steruper sein – und das schließt Zugezogene, die in der Gemeinde leben und arbeiten, mit ein. Während seiner Amtszeit hat Udo Hansen bislang rund 50 Männer zu Rittern geschlagen, ein aus dem Mittelalter bekanntes Prozedere. Diesmal gab es sieben Neuritter: Carsten Beyer, Peter Clausen, Mischa Dann, Joachim Kahnert, Sven Karsten, Christoph Koberg und Steffen Seehusen. Christian Grewing aus Paderborn wurde zum Gastritter ernannt.

Doch bevor Oberritter Udo Hansen von Bürgermeister Wolfgang Rupp das Sitzungs-Regiment übernahm, gab es noch eine Sitzung der Gemeindevertretung – die allerdings kurz ausfiel. Angesichts der großen Zuhörer-Runde ließ Rupp durchblicken, dass er sich eine solch große Resonanz auch für die übrigen Sitzungen der Gemeindevertretungen wünsche – doch da bleiben die gewählten Vertreter bei ihren Beratungen und Entscheidungen weitestgehend unter sich.

Im Mittelpunkt seiner Mitteilungen stand ganz aktuell, dass das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie für Sterup und Umgebung dem norwegischen Unternehmen „Central Anglia AS“ eine sogenannte „Aufsuchungs-Konzession“ erteilt hat. Wie unlängst berichtet, sicherte sich besagtes Unternehmen damit das exklusive Recht, in diesem Bereich nach Erdöl und Erdgas zu suchen, Stichwort: „Fracking“. Als er von dieser Explorationsgenehmigung erfahren habe, so Rupp, sei er „aus allen Wolken gefallen“. Nicht zuletzt auch deshalb, weil erst vor wenigen Wochen das Bundesumweltministerium habe wissen lassen, dass die Gemeinden in dieser Angelegenheit mitwirken und frühzeitig informiert werden sollen. Doch werde man nun quasi vor vollendete Tatsachen gestellt. Er habe mit Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck telefoniert. Fest steht, dass der Genehmigung verwaltungsrechtlich angesichts des Bergrechts nicht beizukommen sei. Und wer meine, dass sein Haus auf eigenem Grund und Boden stehe, müsse wissen, dass dies nur für eine Tiefe bis zu einem Meter gelte. Für alles, was tiefer sei, greife besagtes Bergrecht aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts. Der Bürgermeister hofft, dass das „Fracking“ politisch zu Fall gebracht wird. Er will schon sehr bald Kontakt mit den Nachbargemeinden und damit allen, die von der Genehmigung betroffen sind, aufnehmen, um sich zu beraten.

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