Kappelner Kommunalpolitik : „Der Stein im Schuh sein“

Astrid Beyer ärgert sich über denSpielplatz am Rathaus: „Da passt nichts“, sagt sie und hat sich diesen Ort für ihr Foto ausgesucht.
Astrid Beyer ärgert sich über denSpielplatz am Rathaus: „Da passt nichts“, sagt sie und hat sich diesen Ort für ihr Foto ausgesucht.

Astrid Beyer (Grüne) möchte im Wirtschaftsausschuss Einheimische und Urlauber gleichermaßen im Blick haben.

shz.de von
07. August 2018, 07:00 Uhr

Mit der Kommunalwahl haben die vier politischen Ausschüsse neue Vorsitzende erhalten. Für uns ist das Anlass, dieses Quartett gleich zum Start zu einem Interview zu bitten. Zweite im Bunde ist Astrid Beyer (Grüne), Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses, im Gespräch mit unserer Redakteurin Rebecca Nordmann.

Frau Beyer, Sie haben seit der Kommunalwahl den Vorsitz im Wirtschaftsausschuss übernommen. Warum?
Beyer: Weil ich mich schon lange für die Kappelner Belange interessiere und mich, gerade mit Blick auf den Tourismus, schon lange über die Politik geärgert habe. Ich halte da vieles als zu kurzsichtig gedacht.

Sie sind ein kommunalpolitischer Neuling und gleich Ausschussvorsitzende. Was wird Ihre größte Herausforderung in dieser Position?
Das Amt überhaupt auszufüllen. Es hat mich schon überrascht, dass man mir das zutraut. Aber als ich mich zur Wahl gestellt habe, habe ich das getan mit dem Wunsch, etwas zu bewegen. Und jetzt sehe ich mich in der Pflicht, das zu tun. Ich habe jetzt fünf Jahre lang Zeit, der Stein im Schuh zu sein.

Haben Sie den Themenkomplex Wirtschaft und Tourismus in den vergangenen Jahren verfolgt?
Natürlich, ich lebe ja hier. Die Grünen haben in diesen Jahren viele Anträge gerade zu diesen Themen gestellt, die aber nicht oder nur schleppend umgesetzt werden. Ich erinnere an das Fahrradkonzept oder an den Anspruch, auf Pestizide zu verzichten. Seit der Wahl ist unsere Fraktion größer geworden. Ich hoffe daher, dass das, was wir angehen, mehr Gewicht bekommt.

Der Tourismus wird ein immer bedeutenderes Standbein in Kappeln. Kann die Abhängigkeit vom Tourismus zu groß sein?
Das kann passieren, ja. Ich glaube, dass wir unterschätzen, was da mit dem Ostseeresort Olpenitz auf uns zukommt. Es ist immer noch keine passende Infrastruktur vorhanden, der Ausweichparkplatz in Ellenberg kann ja auch jetzt schon genutzt werden, wird aber zu wenig bekannt gemacht. Man hat ohnehin das Gefühl, dass jede zweite Wohnung in Kappeln eine Ferienwohnung ist. Wenn das so weitergeht, werden wir außerhalb der Saison zur Geisterstadt.

Ist das ein Appell, die Einwohner nicht zu vergessen?
Ja, für sie muss die Stadt in erster Linie lebenswert sein.

Die Zusammenarbeit von Touristikverein und Lokaler Tourismusorganisation ist derzeit mehr durch ein stilles Nebeneinander definiert. Akzeptabel für Sie?
Die Zusammenarbeit ist stark verbesserungswürdig. Beide arbeiten zwar in guter Absicht, lassen aber außer Acht, dass man in Kooperation mehr erreichen kann. Ich wünsche mir, dass man eine gemeinsame Leitlinie verfolgt. Allerdings halte ich es ohnehin für einen Fehler, dass Kappeln die Arbeit für den Tourismus ganz aus der Hand gegeben hat. Es gibt keinen Weisungsgebenden in der Verwaltung, der das besetzt.

Eine Leitlinie kann auch Ihr Ausschuss vorgeben. Welche Schwerpunkte sehen Sie da?
Die sehe ich eindeutig beim Kinder- und Jugendprogramm und beim Schlechtwetterangebot. Als Beispiel denke ich an einen Trimm-dich-Pfad im Wassermühlenholz, den es vor Jahrzehnten schon einmal gab und den man vielleicht mit Hilfe der Kappelner Werkstätten wieder herstellen könnte. Und ich denke an ein Naturschwimmbad in der Nähe des Grillplatzes. Vielleicht könnte man die Mehrzweckhalle in der Hindenburgstraße in den Sommerferien öffnen, um ein überdachtes Programm bei Regen anzubieten. Und die Spielplätze – ich ärgere mich immer wieder über den Spielplatz am Rathaus. Da passt nichts. Die Geräte kann man nicht nutzen.

Neben dem Tourismus gehört die Wirtschaft zu Ihrer Zuständigkeit. Wie beurteilen Sie die Bedeutung des neuen Gewerbegebietes?
Ich halte das für einen sehr guten Plan. Wir schaffen dadurch positive Voraussetzungen, Stadt und Umland wirtschaftlich zu stützen. Ob es wirklich Betriebe gibt, die sich dort niederlassen möchten, kann ich nicht beurteilen, ich hoffe es.

Klimaschutz ist ein Thema, das die Stadtvertreter erst vor Kurzem auf die Agenda gehoben haben. Ein relevantes Thema auch für Sie?
Oh ja. Ich bin froh, dass wir es geschafft haben, die Idee der Blühstreifen umzusetzen. Vielleicht veranlasst das mehr Gartenbesitzer, auch so etwas anzulegen. Eventuell können wir sie dazu sogar animieren, indem wir Gratissaat zur Verfügung stellen.

Blühstreifen sind ein Ansatz, um das globale Thema Klimaschutz auf die kommunale Ebene herunterzubrechen. Haben Sie weitere Ideen?
Wenn die Verträge der Stadt zur Stromversorgung auslaufen, möchte ich gerne auf Ökostrom umsteigen. Außerdem gibt es vielen Städten ein „Stadtmobil“ oder ein „Dörpsmobil“, ein E-Car-Sharing-Projekt, das dazu beitragen kann, dass man mobil wird oder bleibt, ohne dass jeder ein eigenes Auto haben muss. Einer meiner ersten Punkte wären aber Mitfahrerbänke, vielleicht in Zusammenarbeit mit dem Verschönerungsverein. Ich habe sogar schon Bürger getroffen, die bereit wären, für ihre Bank selber zu bezahlen.

Bitte ergänzen Sie folgende Sätze: Von den Gewerbetreibenden der Stadt wünsche ich mir…
…eine noch bessere Teamarbeit, um den Tourismus zu stärken.

Die Gewerbetreibenden dürfen dafür von der Politik erwarten, dass…
…sie Parkplätze für ihre Angestellten ausweist. Ich könnte mir vorstellen, dafür einen Teil des Scheunenfeldes zu nutzen.

Die Sondernutzungserlaubnis wird in den kommenden fünf Jahren…
…noch mal auf der Tagesordnung stehen, damit wir über eine A-B-C-Regelung nachdenken können.

Die Sensibilität der Politiker mit Blick auf den Umweltschutz wird künftig…
…hoffentlich geschärft.

Unter touristischen Aspekten sollte die Region dichter zusammenrücken, weil…
…wir in Verbindung mit anderen Gemeinden bessere Möglichkeiten haben, finanzielle aufwendigere Pläne durchzusetzen, wie zum Beispiel ein Schwimmbad.

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