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Schlei-Bote

20. Oktober 2017 | 16:33 Uhr

Der "Muss-Stress" oder gelebte Zeit

vom

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Kappeln | Es war kurz vor Ostern, und man hat ja so seinen Törn, was man noch alles machen will.

Die Gemüsesuppe köchelte schon auf dem Herd, und ich wollte dann meine Tagesarbeit machen, da kam der rote Wagen einer Freundin die Allee herauf gefahren. Es war 10 Uhr, und wir tranken erst mal einen Cappuccino und redeten und redeten von Gott und der Welt. Mein Mann floh schon ins Wohnzimmer. So ging es fast eine Stunde, dann sah ich meine Nachbarin die Allee heraufkommen. Sie brachte mir einen Goldhasen, da die Fastenzeit nun bald zu Ende war und ich dann wieder Schokolade essen durfte, welch eine nette liebe Idee.

Die Freundin ging um 11 Uhr, und meine Nachbarin und ich redeten und redeten über Gott und die Welt und was sich alles so zugetragen hatte. Um 12 Uhr musste sie dann nach Hause, um Mittag zu machen.

Nun fragen Sie sich bestimmt: Was soll denn dieser Bericht, so was haben wir auch mal. Aber: Nehmen wir alle das wirklich immer so locker? Oder gehen die Gedanken doch oft mal so: Oh Mann, ich muss noch Betten machen, Blumen gießen, Spinnen wegfegen, saugen, Wäsche waschen und den Fußboden wischen, ich krieg das ja alles gar nicht gemacht. Und so sitzt man mit innerlichem Zwang und gequälter Freundlichkeit und schaut verstohlen auf die Uhr, die immer weiter rückt, und man hat noch gar nichts getan. Ist es nicht manchmal so ?

Weil mich dieses Gefühl früher auch oft mal beschlichen hat, lasse ich seit langer Zeit den ganzen "Muss-Stress" los, wenn ich Besuch bekomme. Die unproduktiven Verrichtungen wie Fenster putzen, Betten machen und alle anderen schon gesagten Dinge laufen mir nicht davon, sie alle warten ganz bestimmt auf mich, darauf kann ich mich voll verlassen. Aber die zwei Stunden an diesem Tag mit meinen Bekannten, die kann mir keiner nehmen. Die haben Leben in sich und sind somit viel wichtiger als die schon aufgezählten toten Dinge.

Der "Muss-Stress" hat sich in Wohlgefühl gewandelt, und so kann ich ruhig den Besen in die Ecke stellen und alles liegenlassen, wenn Besuch kommt, um dann ohne diesen "Muss-Stress" und Uhrenzwang bei einem Cappuccino liebe, gute, tiefe und lustige Gespräche zu führen, die wichtig für Kopf, Herz und Seele der Besucher und Besuchten sind.

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