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Missunde : Der Mann für die Herings-Freunde

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Wenn Matthias Nanz morgens in Missunde anlegt, warten Fischliebhaber bereits auf frische Ware vom Schleifischer.

Morgens gegen 10 Uhr wird es in einer kleinen Nebenstraße von Missunde auf einmal lebendig. Bis zu 20 Menschen mit Eimern und Plastiktüten warten dort auf Fischer Matthias Nanz und seine Heringe. Kaum ist er in Sichtweite, wird die Anlegestelle gestürmt. Jeder will der Erste sein, der den Fang begutachtet und möglichst bald das „Silber der Schlei“ in seinen Besitz bringen.

Volker Thoms aus Eckernförde beispielsweise kommt schon seit 35 Jahren und ist in diesem Jahr nicht das erste Mal Kunde bei Nanz. Von den 60 Heringen, die er mitnimmt, werden einige bereits mittags frisch gebraten. Der Rest wird geräuchert. Dann mag auch sein Hund „Jerry“ die Fische. „Der Hering ist der Speisefisch schlechthin“, meint Thoms. Er sei einfach „so vielfältig“. Und bei Fischer Nanz sei er immer frisch.

Anni Bruckmann hat einen noch längeren Anfahrtsweg. Sie kommt aus Bordesholm und kauft gleich 140 Heringe. Diese werden sofort in verschiedene Behälter aufgeteilt. Denn schon zum Mittag werden etliche gebraten. „Die nicht gegessen werden, kommen in Sauer“, verrät sie den Speiseplan der nächsten Tage. Die meisten würden aber eingefroren. Denn im Mai gebe es traditionell ein großes Heringsessen mit Freunden auf ihrer Terrasse. „Wir fahren den weiten Weg, weil Schleihering einfach besonders gut schmeckt“, sagt sie – und den Schnack mit dem Fischer gebe es gratis dazu.

Fischwirtschaftsmeister Matthias Nanz (Hökername „Ducki“) ist bereits seit fünf Uhr mit seinem Kutter auf der Schlei zwischen Ulsnis und Missunde unterwegs. Auf der Rückfahrt hat er bereits einige hundert Heringe von Kopf und Innereien befreit, die dadurch küchenfertig sind und pro Stück 30 Cent kosten. Seit mehr als 50 Jahren nutzt seine Familie die Anlegestelle in Missunde. In diesem Jahr fällt sein Kompagnon Jan Josef Fischer wegen Krankheit aus und er ist der Einzige, der in Missunde Heringe verkauft. Deshalb war er auch schon mehrmals in dieser Saison ausverkauft. „Das verstehen einige Kunden nicht“, sagt er und lacht.

Der 52-jährige Vollerwerbsfischer hat für sich persönlich nie eine berufliche Alternative gesehen. Denn seit dem 15. Jahrhundert gehört seine Familie, die ursprünglich hugenottischen Ursprungs ist, zur Innung der Schleifischer. Nach dem Ende der Heringssaison im Mai fischt er in der Ostsee mit einem größeren Schiff nach Steinbutt, Scholle und Dorsch. „Fischen ist für mich der schönste Beruf der Welt“, erklärt er. Für ihn sei jeder Tag auf dem Wasser Urlaub – außer es gibt Sturm. 

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