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Der Kollege für die brenzligen Fälle

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

In Rieseby versehen Polizeihauptmeister Michael Radau und sein Sprengstoffspürhund „Sandor von der Schiffslache“ gemeinsam Dienst

Ungewöhnlichen Besuch hatte vor Kurzem der Bauhof der Gemeinde Rieseby. Dort, wo sich die Kläranlage, Müllcontainer und eine Halle befinden und Jochen Haß und seine Mitarbeiter das Sagen haben, war Polizeihauptmeister Michael Radau mit seinem Deutschen Schäferhund „Sandor von der Schiffslache“ unterwegs. Gemeinsam mit vier weiteren Kollegen und ihren Schutzhunden nahmen sie dort an einer Fortbildung der Sprengstoffspürhunde teil. Ein ideales Gelände, bestens geeignet zum Verstecken von Sprengstoff aller Art, wie Radau betonte. Sein Schutzhund „Sandor“ schlägt im Rahmen seiner Spezialausbildung auf bestimmte Stoffe an. So vermag er Schwarzpulver, jegliche Art von Munition und Waffen, die Sprengstoffe TNT (Trinitroluol) und PETN (Nitropenta) aufzuspüren. Letzteres wird in Verbindung mit Vaselinen, bestimmten Ölen und Wachs für die Herstellung von Plastiksprengstoff genutzt.

„Sandors“ Dienststelle ist die Polizeistation Rieseby. Betritt man das Büro, liegt der Rüde häufig direkt hinter dem Tresen – immer in der Nähe seines Herrchens, Polizeihauptmeister Michael Radau. Im Alter von acht Wochen hat Radau den Hund bei sich aufgenommen. Mit 15 Monaten absolvierte „Sandor“ seinen Grundlehrgang für die Zulassung als Polizeidiensthund. Dort lernte der jetzt zehneinhalb Jahre alte Rüde die Grundformen des Unterordnens und des Schutzdienstes, so genannte Beißhandlungen, wie zum Beispiel einen Flüchtigen einzuholen und ihn zu stellen. Ein Jahr später (2006) erhielt „Sandor“ die Zusatzausbildung als Sprengstoffspürhund.

Seit fast 22 Jahren ist Michael Radau Diensthundeführer – „Sandor“ ist bereits sein dritter Schutzhund. Der Polizeihauptmeister verfügt also über genug Erfahrung und Gespür und weiß, wann ein Hund sich für eine Zusatzausbildung eignet. „Die Voraussetzung ist, dass ein erhöhter Spieltrieb da sein muss und der Hund über eine gewisse Ausdauer verfügen muss“, erklärt er.

In einer zehnwöchigen Zusatzausbildung wurde der Schäferhund konditioniert, also auf einen Reiz hin ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. „Es erfolgte eine Stoffeingabe bei ihm“, erläutert der 52-Jährige. In diesen Lehrgängen der Landespolizeischule Eutin lernte der Hund, verschiedene Sprengstoffarten aufzuspüren. Das Ausbildungsprinzip ist einfach: Findet der Hund den versteckten Stoff, erhält er eine Belohnung – etwas, das er sonst nie bekommt. Bei „Sandor“ ist es ein Spielzeug, eine sogenannte Beißwurst, die sein Herrchen ihm nach erfolgreicher Suche gibt. „Er weiß, dass er danach eine Belohnung bekommt. Deswegen sucht der Hund überhaupt“, sagt der Riesebyer Polizist.

In Schleswig-Holstein versehen rund 140 Vierbeiner ihren Dienst als Schutzhund. Das Team Radau/„Sandor“ ist der Polizeidirektion Neumünster unterstellt. In der Diensthundestaffel sei die Zahl der Hunde in den vergangen Jahren von 16 auf neun reduziert worden, so Radau.

Nimmt ein Polizist einen Schutzhund bei sich auf und kümmert sich um seine Ausbildung, geschieht dies auf freiwilliger Basis. Dazu gehört auch die Bereitschaft zu wöchentlichen Ausbildungen an fremden Orten und Stätten, wie beispielsweise vormittags in der Eckernförder Discothek K 7 oder abends nach Ladenschluss in einem Baumarkt – wenn die Gebäude menschenleer sind. Denn kontinuierliches Üben ist wichtig, um auf eventuelle Einsätze vorbereitet zu sein und das Vertrauen des Hundes weiter auszubauen.

Die Einsatzmöglichkeiten für einen Sprengstoffspürhund sind zahlreich – von einer Bombendrohung über das Aufspüren von Waffen und Munition bis zu Präventionseinsätzen, etwa im Rahmen von Wahlveranstaltungen mit hochrangigen Politikern. „Sandor“ selbst ist bei derartigen Einsätzen noch nicht dabei gewesen, war aber schon in Neumünster nach einem Einbruch tätig, berichtet Radau. Der Hund ist stets mit von der Partie, wenn Michael Radau ins Auto steigt. Das Dienstgebiet ist weitläufig – es reicht von Karby in Schwansen bis nach Ahlefeld-Bistensee in den Hüttener Bergen.

Die Polizei macht sich die feine Nase des Vierbeiners nicht nur zum Aufspüren von Sprengstoffen zu Nutze. So bildet die Landespolizeischule Eutin auch Brandmittelspürhunde, Rauschgiftspürhunde (diese können auch Geldscheine aufspüren), Personensuchhunde und Leichenspürhunde aus.

Darf man einen Schutzhund streicheln? Dem Besucher in der Polizeidienststelle oder dem Bürger auf der Straße gibt Michael Radau den Rat: „Grundsätzlich sollte man keinen Schutzhund anfassen.“ Wie eigentlich bei jedem anderen Hund auch, den man ohne die Erlaubnis von Frauchen oder Herrchen auch nicht anfassen sollte.

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erstellt am 22.Okt.2014 | 19:59 Uhr

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