Der Hitparaden-Mann kommt nach Hause

Treffen der Generationen: Der 74-jährige Dieter-Thomas Heck mit dem 16 Jahre alten Trompeter Marquardt Petersen in der Roten Straße in Flensburg.   Foto: Marcus Dewanger
Treffen der Generationen: Der 74-jährige Dieter-Thomas Heck mit dem 16 Jahre alten Trompeter Marquardt Petersen in der Roten Straße in Flensburg. Foto: Marcus Dewanger

Dieter-Thomas Heck besucht für zwei Tage seine Geburtsstadt Flensburg / Vorgestern genoss der ehemalige Moderator und Schauspieler einen abendlichen Stadtbummel

shz.de von
22. September 2012, 08:03 Uhr

flensburg | Er ist der Schnellsprecher der Nation, ein Gesicht, das die deutsche Fernsehgeschichte geprägt hat wie kaum ein zweites. Und er ist - was nur wenige wissen - ein waschechter Flensburger. Am 29. Dezember 1937 wird Carl-Dieter Heckscher in der Fördestadt geboren. Vorgestern, wenige Monate vor seinem 75. Geburtstag, kehrte Dieter-Thomas Heck aus seiner Wahlheimat Spanien für zwei Tage in seine Geburtsstadt zurück. Flensburg kann also nicht nur mit Verkehrssündern und Erotik punkten, sondern auch mit einem Sohn, der zu den bekanntesten deutschen Fernseh-Gesichtern zählt.

"Ich freue mich riesig auf Flensburg", teilte Dieter-Thomas Heck schon per Handy aus dem Wagen mit, der ihn und seine Frau Ragnhild vorgestern Abend vom Hamburger Flughafen abholte. Die erste Stippvisite führte das Paar in eines der historischen Schmuckkästchen der Fördestadt. In den malerischen, Rosen und Efeu berankten Hinterhöfen der Roten Straße begann ein Stadtbummel für den Hitparaden-Mann. "Es ist ziemlich kalt hier, aber auch wunderschön - was für ein toller Dom", sagte Heck, der seit einigen Jahren in Andalusien lebt, und meinte die Nikolaikirche am Südermarkt. Auf den Kultmoderator wartete in der Roten Straße ein großer Fan, das Trompeter-Talent Marquardt Petersen. Der 16-jährige Söruper gewann den Nachwuchswettbewerb des "Musikantenstadls" und trompetet bei den Heimspielen die Hymne der SG Flensburg-Handewitt in der Campushalle. "Toll, Sie kennen zu lernen", sagte der junge Musiker zu Dieter-Thomas Heck, den der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen zurück in seine Heimatstadt geholt hatte, in der er nur kurze Zeit verbracht hatte.

Noch während des Krieges zog seine Familie nach Hamburg, dort wurde der unter anderem mit der Goldenen Kamera, der Goldenen Feder und dem Echo ausgezeichnete Moderator mit fünf Jahren bei einem Bombenangriff unter einer Kellertreppe verschüttet. Ein Trauma, das den kleinen Heck für einige Zeit stottern ließ. Kaum zu glauben mit Blick auf das Tempo, mit dem die Fernseh-Legende fast 200 Mal den Abspann der ZDF-Hitparade vorlas.

Die Kultsendung des deutschen Schlagers war in den 70er-Jahren ein Straßenfeger mit bis zu 28 Millionen Zuschauern. Mit der "Pyramide", dem "Showpalast" und großen Galas wie "Ein Herz für Kinder", "Musik liegt in der Luft", vor allem aber den "Melodien für Millionen" für die Deutsche Krebshilfe sowie zahlreichen Film- und Fernsehauftritten, unter anderem im "Tatort" oder Serien wie "Praxis Bülowbogen", "In aller Freundschaft" oder den "Heimatgeschichten" gewann Heck über fast 40 Jahre eine Fernsehpräsenz, die ihresgleichen sucht.

Seine Popularität verstand der Vater von drei erwachsenen Kindern stets auch als Motor für sein humanitäres Engagement. Vor rund 20 Jahren gründete Heck mit seiner Frau den "Grit-Jordan-Verein", der sich um elternlose, behinderte Kinder und junge Erwachsene in Tallinn kümmert, die zur Sowjetzeit in Heime ohne ärztliche Betreuung abgeschoben wurden. Immense Summen für die Operationen, Behandlungen und den Bau eines Wohnheimes für diese Waisen hat das Paar mobilisiert.

Auch für diese menschlichen Erfolge wurde Heck mit vielen Preisen, unter anderem dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik 1. Klasse ausgezeichnet.

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