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Kappeln : „Der Hafen bleibt das größte Pfund“

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Verwaltung rechnet mit weniger Gastliegern als im Vorjahr, fürchtet aber dennoch mittelfristig keinen Einbruch.

Der Gastliegerhafen bleibt Aushängeschild und Einnahmequelle für die Stadt. Auch wenn die Zahlen in diesem Jahr nicht ganz so gut ausfallen werden wie im Vorjahr, ist Jörg Exner, in der Verwaltung verantwortlich für die städtischen Eigenbetriebe, zuversichtlich. „Wir stehen nicht unter Zwang, groß die Werbetrommel für den Sportboothafen zu rühren“, sagt er. „Das sind ganz natürliche Schwankungen.“

Dass diese Schwankungen eventuell auch auf die Ende 2013 beschlossene Erhöhung der Liegegebühr für Gastsegler zurückzuführen ist, glaubt Exner nicht – zumindest nicht in erster Linie. „Es ist ein kleiner Indikator“, sagt er. „Für maßgeblich halte ich die Sache aber nicht.“ Seit der Saison 2014 zahlen die Segler für Yachten bis zwölf Meter 18 Euro, für Yachten über zwölf Meter 20 Euro pro Nacht. „Damit sind wir immer noch deutlich günstiger als etwa dänische Häfen“, sagt Exner. Außerdem halte man in Kappeln etliche Serviceleistungen vor, darunter Waschmaschine und Trockner, Entsorgungsanlage und Tankstelle, Strom und Wasser, kostenloses W-Lan. „Mehr als wir kann fast keiner bieten“, lautet Exners Überzeugung.

Auf das Spitzenjahr 2013 mit erstmals über 5000 Sportbooten, genau 5015, folgte ein fast ebenso gutes Jahr 2014 mit insgesamt 4887 Gastliegern. Die Rekordmarke von vor zwei Jahren macht Jörg Exner an einem speziellen Umstand fest. „Wir hatten sehr schlechtes Segelwetter“, sagt er. Was im ersten Moment paradox klingt, macht durchaus Sinn: Schlechtes Segelwetter bedeutet, dass die Boote im Hafen liegenbleiben. Auch der Sommer dieses Jahres lässt im Großen und Ganzen eher zu wünschen übrig, weshalb viele Segler vielleicht gar nicht erst zum großen Törn aufgebrochen sind. Die Konsequenz: Das Jahr 2015 hinkt dem Vorjahr deutlich hinterher.

Die unterschiedliche Entwicklung beginnt bereits im Frühjahr. Im April stehen den 419 Gastliegern des Vorjahres 255 Segler dieses Jahres gegenüber. Im Mai holt das Jahr 2015 etwas auf und verbucht 647 Segler, 2014 kamen im gleichen Monat 553 Sportboote nach Kappeln. Im Juni dreht sich der Trend erneut um: 926 Gastlieger vor einem Jahr, 805 Segler in diesem Jahr. Und zieht man Juli heran, erscheinen die 1170 Sportboote von 2014 schon fast utopisch, da Exner bis zum 19. Juli gerade 633 Gastlieger gezählt hat. Insgesamt machten im Vorjahr bis zum Stichtag 19. Juli 2588 Segelboote im Gastliegerhafen fest, im gleichen Zeitraum liefen in diesem Jahr 2367 Boote ein. Exners Prognose: „Dieses Minus werden wir nicht mehr aufholen.“

Derzeit geht er von einer Zahl um 4700 Boote bis zum Saisonende aus, also knapp 200 weniger als vergangenes Jahr. Exner sagt aber auch: „Alles, was über 3500 ist, ist ohnehin ein Bonus.“ Für diese Zahl wurde der Gastliegerhafen ursprünglich konzipiert, und nach wie vor profitiert er von vielen Stammgästen. „Der Hafen bleibt unser größtes Pfund“, sagt Exner – vor allem deshalb, weil er direkt in der Innenstadt in einem authentischen Umfeld liege. „Darum fürchten wir auch keine Neubauten, die wie Retorten aus dem Boden gestampft werden.“ Eine eigene Erweiterung schließt Exner derweil aus, auch um keine Konkurrenz zu den gewachsenen Anlagen der Vereine zu etablieren. „Im Südhafen werden sich andere Nutzungsmöglichkeiten finden“, sagt er. „Aber nicht für Sportboote.“

Bei aller Zuversicht für das Vorzeigeobjekt Gastliegerhafen ist Jörg Exner dennoch nicht frei von Skepsis. Viel eher als Wetter und gestiegene Gebühren führt er dabei einen anderen Umstand an, den er fürchtet: den demografischen Wandel. „Das Phänomen ist allumfänglich“, sagt er. „Das werden wir auch im Gastliegerhafen irgendwann ganz stark spüren.“ Schon jetzt habe er vermehrt beobachtet, dass Eigner ihre privaten Segelyachten zum Verkauf anbieten und das Überangebot immer stärker anwachse. Außerdem: „Viele Segler satteln auf Wohnmobile um“, sagt Exner. Mehr Flexibilität, größere Wetterunabhängigkeit, geringere Kosten, weniger Aufwand bei der Handhabung – Aspekte, die zumal bei der älteren Generation eine entscheidende Rolle spielen können. Jörg Exner hat diese Tendenz im Auge. „Wenn wir 2016 nochmal 200 Boote weniger haben“, sagt er, „werden wir irgendwann ein Problem kriegen“.

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erstellt am 11.Aug.2015 | 12:30 Uhr

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