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Schlei-Bote

23. Oktober 2017 | 12:07 Uhr

Schleswig : Der große Hertie-Frust

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Verhandlungen um das Schleswiger Hertie-Gebäude stocken. Bürgermeister Arthur Christiansen sieht die Schuld beim Immobilienmakler aus Berlin.

Die Hertie-Ruine in der Fußgängerzone von Schleswig– seit Jahren ist sie ein Schandfleck . Noch im Januar war Bürgermeister Arthur Christiansen guten Mutes, dass endlich ein Investor die Kaufhaus-Immobilie im Stadtweg übernimmt und damit der Ladenstraße insgesamt neues Leben einhaucht. Zeigte doch das Hamburger Unternehmen AVW Immobilien starkes Interesse an dem Objekt. Aber diese Hoffnungen haben sich zerschlagen – wieder einmal. Für Christiansen trägt der Stillstand einen Namen: Sebastian Mogos-Lindemann. Das ist der zuständige Projektmanager bei der Firma CR Investment Management, die die leer stehenden Hertie-Häuser in Deutschland vermarktet. „Ich lasse mich nicht länger vergackeiern“, wettert Christiansen und wirft dem Immobilienmakler vor, stur an utopischen Preisvorstellungen festzuhalten.

Drei Millionen Euro verlangt Mogos-Lindemann dem Vernehmen nach für das Hertie-Gebäude. Eine Summe, die auch der Schleswiger IHK-Geschäftsstellenleiter Stefan Wesemann für alles andere als realistisch hält. Im Jahr 2012 sei der Verkehrswert des Gebäudes mit 2,3 Millionen Euro angegeben worden. Seitdem jedoch habe es dort einen Brand gegeben, sei die Immobilie immer weiter verfallen. Marktgerecht ist laut Wesemann ein Preis von weniger als zwei Millionen Euro.

Es ist das Gebaren von Mogos-Lindemann, das in der Kreisstadt sauer aufstößt. Er zeige „null Bewegung“, gehe überhaupt nicht auf die schwierigen ökonomischen Bedingungen in Schleswig ein, findet Christiansen.

Der Bürgermeister hatte die Causa Hertie schon bald nach seinem Amtsantritt im Januar 2014 zur Chefsache erklärt und war im April vergangenen Jahres zu Gesprächen mit Mogos-Lindemann nach Berlin gereist. Inzwischen sei er zu der Erkenntnis gelangt, dass der Projektmanager lediglich an einer möglichst hohen Provision interessiert ist. Ein Eindruck, den auch der neue Stadtmanager Rüdiger Knospe nach einem Gespräch mit Mogos-Lindemann teilt: „Er ist in keinster Weise bereit, ein Entgegenkommen zu signalisieren.“

Mogos-Lindemann zeigt sich von den Vorwürfen überrascht. Christiansen habe sich seit seinem Besuch gar nicht mehr richtig um das Hertie-Haus gekümmert. Selbst an einem Treffen von Bürgermeistern der Hertie-Standorten vor kurzem in Bingen habe der Schleswiger Verwaltungschef nicht teilgenommen. Und: „Bis heute liegt mir kein konkretes Kaufpreisangebot vor.“ Die Firma AVW Immobilien gehöre jedenfalls nicht zu den ernsthafteren Interessenten. Dass er drei Millionen Euro für die Immobilie verlangt, will Mogos-Lindemann nicht bestätigen. Nur so viel: Das Haus habe nun einmal einen bestimmten Wert. Den Vorwurf, mit CR Investment Management könne man nicht verhandeln, kontert er mit der Aussage: „Wir haben schon 24 Hertie-Objekte verkauft.“

Zu den verbliebenen acht Standorten der 2008 insolvent gegangenen Warenhauskette gehören Schleswig und Rendsburg. Eigentümer ist der britische Investor Dawnay Day – inzwischen selbst pleite –, der für jedes Hertie-Haus eine eigene Gesellschaft gegründet hatte – so auch die „HIDD Schleswig B.V.“ in ’s Hertogenbosch. Zu den Gläubigern zählt unter anderen die Deutsche Bank – und die sieht Christiansen in der Pflicht: „Ich erwarte, dass die sich kümmert und Gedanken macht über die Immobilie.“

Doch den Schandfleck am Entree der Ladenstraße werden Einheimische wie Besucher wohl noch lange ertragen müssen. Christiansen will daher prüfen, ob man das Hertie-Gebäude mit einer riesigen Plane verhüllen lassen kann. Darauf könnte eine riesige Silhouette abgebildet werden, schlägt er vor. „Das würde auf jeden Fall das Stadtbild verbessern.“

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