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Kappelner Entenrennen : Der große Auftritt in Gelb

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

11.111 Mini-Enten, 140 „Big Ducks“, 5000 Besucher, 27.500 Euro für den guten Zweck – das zweite Kappelner Entenrennen war die ganz große Nummer.

Zwischendurch machten sie den Eindruck, als wollten sie sich einfach nicht trennen. Nicht von der „Nis Randers“. Nicht von ihrem lauschigen Bett aus weißer Folie. Vielleicht auch nicht vom Heringskönigspaar, das mit ihnen an Bord des Seenotrettungskreuzers war. Die kleinen gelben Gummienten zierten sich jedenfalls eine ganze Weile, ehe sie sich tatsächlich in die Schlei trauten. Aber als sie es dann endlich geschafft hatten, war ihnen üppiger Applaus ihres Publikums am Ellenberger Ufer sicher – vielleicht waren sie auch nur auf diesen großen Auftritt aus? Das zweite Kappelner Entenrennen am Sonnabendnachmittag war wohl der unbestrittene Knalleffekt der diesjährigen Heringstage. Dabei lief es dem Geschehen auf der anderen Schleiseite und dem Hering selber aber keinesfalls den Rang ab. Vielmehr war es eine glückliche Ergänzung, vielleicht auch eine Krönung einer ohnehin gelungenen Veranstaltung. Auf jeden Fall sorgte es für mehrere Tausend fröhliche Menschen, aufgeregte Kinder und fünf Stunden fabelhafte Unterhaltung.

Bratwurst im Brötchen, Wasser, Cola, Bier, Eis, Live-Musik von „Gangway“ – die beiden Service-Clubs der Rotarier und der Lions hatten etliche ihrer Mitglieder eingebunden, um ihre Gäste am Ellenberger Ufer bei Laune zu halten. Kulinarischer Gipfel: der „Dirty Duck Drink“ von Heinz Steinmeier, wahlweise in Rot oder Grün. Und vor allem die Getränke flossen schon lange vor dem Start des Rennens, bei Temperaturen von 26 Grad keine große Überraschung. Um kurz nach 12 Uhr eröffnete schließlich Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker die Veranstaltung und fasste mit einem Blick auf die von Kindern geschmückten „Big Ducks“ auch gleich die Besonderheit der Aktion zusammen: „Eine Ente als Schwein, als Prinzessin oder als Wollknäuel – das gibt’s eben nur beim Kappelner Entenrennen.“

Und das teilte sich auf in zwei Wettbewerbe: Zunächst wurde es für die kleinen Enten ernst. 11.111 Exemplare sollten ins Rennen gehen und zwar von der „Nis Randers“ aus. An Bord: Heringskönigin Nadine Vorbringer und Heringskönig Landesbischof Gerhard Ulrich. Mit der Schiffsglocke gaben sie das Startsignal, als der Rettungskreuzer vor der Brücke lag, Blickrichtung Heringszaun. Die „Nis Randers“ öffnete ihre Luke – die Enten allerdings wagten sich nur sehr zögerlich hinaus. Gerade mal drei Handvoll schafften es im ersten Anlauf – unter ihnen aber offenbar eine, die Gerhard Ulrich folgenden zufriedenen Kommentar entlockte: „So, meine ist zu Wasser.“ Der Rest der kleinen Plastiktiere entpuppte sich in seinem Drang in die Schlei als äußert zäh – bis Rettungsmann Rolf Heide einschritt: „Zäh? Nicht mehr lange.“ Sprach’s und griff zur Feuerlöschpumpe. Der kräftige Strahl reichte, um den Enten Beine zu machen. Und wer sich immer noch weigerte, wurde schließlich mit einem Besen in die Schlei hinausgefegt. Langsam aber stetig hangelten sich die 11.111 Enten an den Ölsperren, die die Feuerwehr Olpenitz gelegt hatte, und am Heringszaun entlang, und obwohl es eine knappe Stunde dauerte, ehe der Sieger feststand, verlor die Angelegenheit nichts von ihrem Spektakel.

Das Rennen der „Big Ducks“ ging derweil zügiger vonstatten. Am Ufer und auf der Brücke fieberten jede Menge Kinder mit, sie hielten Ausschau nach ihren Enten, die von einem Gebläse der Feuerwehr Mehlby zusätzlich angetrieben wurden. Sieger mit großem Abstand: die Ente der Klasse 3  a der Gorch-Fock-Schule. Der Kniff: Die Kinder hatten den Entenkopf mit einer langen Blume verziert, die hoch hinaus ragte und so den Wind optimal für sich nutzen konnte. Die Drittklässler dürfen nun mit ihrem Sponsor, dem Nahbereichsschulverband, dem Tierpark Gettorf einen Besuch abstatten. Platz zwei holte sich die Ente der Klasse 4  b der Gorch-Fock-Schule und brachte damit jedem Kind eine Kugel Eis ein. Zur schönsten „Big Duck“ übrigens hatten die Kappelner in den Tagen vor dem Rennen die Ente des Regenbogen-Kindergartens Gelting gewählt. Sie heimste einen 250-Euro-Sonderpreis von Bürgermeister Heiko Traulsen ein.

Von den zehn Preisen des eigentlichen Entenrennens konnte am Sonnabend indes nur einer in Empfang genommen werden. Lisa Köhn schnappte sich mit ihrer Losnummer den vierten Preis – eine hochwertige Kamera. „Eigentlich fotografiere ich gar nicht“, sagte die 22-jährige Kappelnerin und lachte. „Aber vielleicht fange ich ja jetzt damit an.“ Die Gewinner der übrigen Preise waren zur Verleihung nicht mehr auf der Festwiese, können sich die „Beute“, die ihre Enten für sie erschwommen haben, aber in den jeweiligen Geschäften abholen.

Insgesamt haben die Service-Clubs mit ihrem Entenrennen 2000 Euro für den Heringszaun, mindestens 15.000 Euro für Jugendprojekte der Region und mithilfe 70 Firmen, die als Sponsoren für die „Big Ducks“ der Kinder auftraten, weitere 10.500 Euro für Schulen und Kindergärten eingespielt. Ein Umstand, der Rotary-Präsident Christian Lang, wenn auch etwas sonnenverbrannt wie die meisten am Ende des Nachmittags, zu diesem Resümee veranlasste: „Gewonnen hat jeder. Und genau das macht die Sache so toll, dass wirklich die Region gut davon hat.“ Auch Lions-Präsident Andreas Schmid sprach von einem „schönen Erfolg einer Gemeinschaftsaktion von Rotary und Lions“. Vor allem der große Enthusiasmus der Kinder beim Schmücken der „Big Ducks“ habe ihn begeistert. „Das habe ich anfangs gar nicht erwartet“, sagte er. Und Chef-Organisator Thies Kölln lobte die Veranstaltungswiese am Ellenberger Ufer. „Der Platz eignet sich ideal“, sagte er. „Man hat den Heringszaun und die Stadtsilhouette im Blick. Und ich hatte den Eindruck, dass wir mit unserer Veranstaltung dem Heringszaun noch ein bisschen mehr Beachtung einbringen konnten.“ Kölln wünschte sich für die Zukunft, „dass die Möglichkeiten, die das Wasser für Aktionen bietet, mehr genutzt werden“. Und in der Gegenwart freute er sich darüber, dass es gelungen sei, die Menschen in den vergangenen Monaten mit dem „Enten-Virus zu infizieren“. Offenbar eine ansteckende Geschichte – die vielleicht nicht das letzte Mal grassierte.

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erstellt am 29.Mai.2017 | 07:00 Uhr

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