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Angelner Museumsbahn : Der Filmstar ist die Dampflok

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Nachwuchs-Regisseur dreht in Kappeln eine Kurzgeschichte von Siegfried Lenz. Mit dabei ist Schauspieler Heinz Hoenig.

Ein einsamer Bahnübergang an der Straße „Neuwerk“, zwischen Faulück und Kappeln. Hier ist es eher ruhig. Ganz anders am vergangenen Sonnabend. Ein elfjähriger Junge in kurzen Hosen und mit einem alten Schulranzen auf dem Rücken, wartet am Bahnübergang auf den Zug. Mit dichter Rauchwolke und stampfenden Zylindern kämpft sich die Lokomotive von Kappeln den Berg hinauf. Der Junge schaut traurig am Zug entlang, da wird ein Stück eines Krückstockes sichtbar und daran ist ein weißes Taschentuch befestigt. Die Mine des Jungen hellt sich auf, und er rennt lange winkend neben dem Zug her.

„Gut danke“, beendet eine Stimme die Szene. „Gut gemacht Maurizio“, lobt der Aufnahmeleiter den vom Laufen atemlosen Jungen. Der Junge, der neben dem Zug herlief, heißt Maurizio Magno und hat schon in „Kokowääh 2“ unter Regisseur Til Schweiger mitgewirkt. Es ist die Kurzgeschichte „Eine Nacht im Hotel“, die hier gedreht wird. Siegfried Lenz hat sie im Jahr 1949 geschrieben. Sie erzählt von einem Kind, das immer traurig ist, weil es jeden Morgen winkend am Bahnübergang steht und niemand aus dem Zug zurückwinkt. Bis der Vater in einem Hotel einen Invaliden trifft, der am nächsten Morgen mit der Eisenbahn fährt. Als der Zug den Bahnübergang erreicht, hält der Invalide die mit einem Taschentuch versehene Krücke aus dem Abteilfenster.

Der erst 24-jährige Nachwuchs-Regisseur Konstantinos Sampanis hat sich von dieser Lenz-Kurznovelle so fesseln lassen, dass er beschloss die Geschichte in Bilder umzu setzen. Drei Jahre hat der gebürtige Sauerländer mit seiner Film-Produktionsfirma „Moodboard“ an der Umsetzung und der Finanzierung gearbeitet. Der etwa zehn Minuten lange Kurzfilm soll nicht kommerziell verwertet, sondern vorwiegend auf Kurzfilmfestivals gezeigt werden. Dass Sampanis das Zeug zu einem Großen der Filmszene hat, unterstreicht kein Geringerer, als der Schauspieler Heinz Hoenig (Das Boot, Der große Bellheim). Er spielt jenen Invaliden, der im Hotel den Vater des Jungen begegnet und am nächsten Tag die Krücke zum Gruß aus dem Zugfenster hält.

Es ist nicht die Gage, die Hoenig hier zum Mitmachen bewegt hat, sondern die Bereitschaft einen sympathischen und talentierten Nachwuchs-Regisseur zu unterstützen und bekannt zu machen. „Er ist ein Draufgänger“, charakterisiert Hoenig Regisseur Konstantinos Sampanis, den er schon vorher kannte.

Freudig überrascht ist man bei der Produktionsfirma über das positive Umfeld in Kappeln. Auf den Aufruf, sich als Komparse zu melden, hatten sich über 30 Frauen und Männer beworben – ganz ohne Gage. Zu den wenigen Auserwählten gehört Ingeborg Bornefeld aus Schleswig. Sie hat die Verfilmung der Lenz-Geschichte zum Mitmachen bewogen. Als Laienschauspielerin steht sie sonst bei den Mohrkircher Theaterspielern auf der Bühne. Das ganze Drumherum am Set ist für Ingeborg ein besonderes Ereignis.

Ein Star, der seine eindrucksvolle Arbeit macht heißt „Julchen“ und ist die Dampflok der Angelner Dampfeisenbahn. In der Schlüsselszene gibt die Dampflok, gefahren von Zugführer Dieter Jordt, dem Bild mit dem Jungen am Bahnübergang einen fulminanten Rahmen. Regisseur Sampanis ist erfreut ungestört von fahrplanmäßigen Zügen auf der Strecke in Ruhe filmen zu können.

Museumsbahn-Geschäftsführer Iver-Andreas Schiller berichtet vor Ort von dem steigenden Interesse, mit der Museumsbahn und auf der Strecke Filmprojekte umzusetzen. „Wir werden uns hier in Zukunft noch professioneller aufstellen“, kündigt Schiller an, um die Bahn und die Region auch über Filmprojekte bekannt zu machen. Ein Unterstützer sitzt bereits im Reisewaggon. Heinz Hoenig bekennt, ein Dampflok-Fan zu sein. Sein Großvater war Dampflokführer und hat sogar eine „01“ gefahren. Die „01“ ist wegen ihrer Größe und ihrer Geschwindigkeit der Superstar unter den Dampfloks.

 

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erstellt am 26.Apr.2015 | 20:50 Uhr

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