„Leben, wo andere Urlaub machen“ : Der Feierabend muss auch mal warten

Wo auch immer seine Hilfe benötigt wird: Patrick Gandyra ist immer gut gelaunt zur Stelle.
Wo auch immer seine Hilfe benötigt wird: Patrick Gandyra ist immer gut gelaunt zur Stelle.

Patrick Gandyra ist Hafenmeister in Gelting-Mole – und zwar mit Leib und Seele.

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31. Juli 2014, 07:30 Uhr

Immer einen flotten Spruch auf den Lippen – so kennen, so mögen die Skipper ihn: Patrick Gandyra. Seit 2008 ist der 37-jährige, gebürtige Flensburger Hafenmeister in Gelting-Mole. Die Arbeit macht ihm Spaß, er ist ein „Kümmerer“, hört und sieht alles, hilft, wo er kann. Der gelernte Großhandelskaufmann ist technisch und handwerklich sehr versiert.

In seinem Büro herrscht derzeit ein Kommen und Gehen: Da melden sich Segler für eine Nacht im Hafen an, haben sich schon längst einen Liegeplatz ausgeguckt und kommen zum Bezahlen. Und alle wollen einen Schlüssel für die sanitären Anlagen. Den vom Deutschen Tourismus-Verband mit vier Sternen ausgezeichneten Seglerhafen in Niesgrau mit seinen 450 Liegeplätzen gibt es seit Juli 1979; er gehört der „Gesellschaft Sporthafen Gelting-Mole“.
90 Prozent der Liegeplätze sind Dauerplätze, die restlichen zehn Prozent sind für Tagesgäste reserviert – und einen davon hat ein Kanadier, der in der Nähe von Vancouver lebt, für eine Nacht belegt. Als er eincheckt und erzählt, dass er in Dänemark ein Segelboot gechartert hat, wechselt Hafenmeister Gandyra mühelos in die englische Sprache. Beim Bezahlen gibt es aber ein Problem: Die Kreditkarte, die der Kanadier zückt, kann der Hafenmeister nicht akzeptieren – also Cash. Doch der Mann aus Vancouver hat keine Euros, nur dänische Kronen. Kein Problem: Patrick Gandyra greift in eine andere Kasse, gibt in Kronen das Wechselgeld zurück.


Auch außerhalb der Bürozeiten hilft Patrick Gandyra gern


Der Hafenmeister geht ganz in seinem Beruf auf – auch wenn ihm jetzt kaum Zeit bleibt, selbst an Bord seines Bootes zu gehen und eine Runde zu segeln, höchstens mal bis zum Leuchtturm Kalkgrund. Doch das macht ihm nichts aus. Mit seiner Familie wohnt er im Hafenmeistergebäude, und da bleibt es nicht aus, dass seine Dienste auch außerhalb der Bürozeiten von 8 bis 12 und 15 bis 20 Uhr in Anspruch genommen werden – da machen die Skipper sich schon bemerkbar. Dass der Feierabend oft warten muss, versteht sich für ihn von selbst: „So ist das nun mal.“

Was ihn bei seinem Hafenmeister-Dasein mit Zufriedenheit erfüllt, ist der Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen – vom Millionär bis zum einfachen Angestellten. Was sie alle verbindet, ist die Segel-Leidenschaft, und alle sind per Du. Saison ist von März bis Dezember. Die Menschen mögen den Schnack mit Gandyra, der auf alle Fragen eine Antwort hat – wo man einkaufen, wo man essen oder seine Brille reparieren lassen kann. Auch Fahrräder kann man bei ihm mieten. Er ist wie ein wandelndes Auskunftsbüro und fühlt sich in dieser Rolle wohl.

Die Ruhe zu Jahresbeginn bedeutet keineswegs, dass Gandyra die Hände in den Schoß legen kann – dann ist die Pflege der Anlage, wasser- und landseitig, angesagt. Wann er selbst Urlaub macht? „Demnächst.“ Dann fährt er mit seiner Familie mit dem Wohnwagen drei Wochen nach Skandinavien. Für diese Zeit gibt es eine Vertretung. Als Hafenmeister hat er vollstes Verständnis dafür, dass die Gäste ihre Seele baumeln lassen wollen, so wie ein Ehepaar aus dem Münsterland, das seit zehn Jahren auf der Ostsee unterwegs ist und immer wieder Gelting-Mole ansteuert. Laut Statistik ist ein Segler im Durchschnitt 58 Jahre alt, doch Gandyra hat beobachtet, dass zunehmend wieder junge Familien mit Kindern den Hafen anlaufen.

„Kannst du mir einen Zehn-Euro-Schein in Zwei-Euro-Münzen wechseln, für die Waschmaschine“, fragt eine Skipperin. Natürlich kann Gandyra das, und will wissen, wie er sonst noch helfen kann. „Mit einer Wäscheleine“, so die Frau. Da muss er passen, rät aber: „Häng’ die Wäsche doch in den Segelleinen auf.“

Festgemacht hat auch Norman Schlomka aus Flensburg mit seiner zehn Meter langen „IzJaHurtig“. Er ist auf dem Weg zur Weltmeisterschaft im Hochsee-Segeln vor Kiel. Diese Zwischenstation hat er ganz bewusst eingelegt, des „Travellifts“ wegen. Mit dem hievt der Hafenmeister das Boot aus dem Wasser, und die ganze Familie macht sich daran, die Unterseite zu reinigen. So segelt es sich gleich viel besser.


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