Emil Kuhrt : Der "Eisenbahnkönig" des Nordens

<strong>Emil Hyronimus Kuhrt</strong> (1848-1909).  Foto: sn
Emil Hyronimus Kuhrt (1848-1909). Foto: sn

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22. April 2010, 07:31 Uhr

SCHLESWIG | Die Eisenbahn war sein Leben - und sein Schicksal: Als Emil Hyronimus Kuhrt, der sich in Schleswig-Holstein als Eisenbahnpionier einen Namen gemacht und viel Respekt verschafft hatte, 1909 während eines Sylt-Aufenthalts versuchte, im Wartesaal des Westerländer Bahnhofes einen nächtlichen Tumult zu schlichten, brach er - mit der Situation völlig überfordert - zusammen und erlitt einen tödlichen Herzinfarkt. "Mit ihm geht ein im Eisenbahnwesen außerordentlich erfolgreich tätig gewesener Mann dahin", kommentierten die Schleswiger Nachrichten den plötzlichen Tod des hochgeachteten Eisenbahn-Ingenieurs und -Betriebsdirektors. Ihm war es zu verdanken, dass dieses moderne Verkehrsmittel auch in Schleswig und Umgebung seinen Durchbruch erlebte.

Emil Hyronimus Kuhrt, 1848 in Itzehoe geboren, hatte nach dem Abitur Eisenbahnbau und Maschinentechnik an der Technischen Hochschule in Hannover studiert. Nach dem Studium wandte er sich sofort der Praxis zu und kam in den Norden, um am Bau der Nebenbahn Kiel-Flensburg mitzuwirken. Doch seine Lebensaufgabe sah er in der Entwicklung von Kleinbahnen im nördlichen Schleswig-Holstein, um damit abgeschiedene Gebiete vor allem im ländlichen Raum verkehrsmäßig zu erschließen.

Die Liste seiner Projekte ist lang. Den Auftakt bildete die Kreisbahn Flensburg-Glücksburg-Kappeln, die 1886 ihren Betrieb aufnahm. Es folgten unter anderem die Bahnprojekte Westerland-Munkmarsch, Schleswig-Angler Eisenbahn, Hadersleben-Christiansfeld, Apenrade-Gravenstein, Apenrade-Lügumkloster, Rendsburg-Hohenwestedt, Schleswig-Satrup, Flensburg-Satrup-Rundhof und Schleswig-Friedrichstadt.

Meist beließ es Kuhrt nicht bei Planung und Realisierung von Bahnverbindungen, sondern er übernahm nach Fertigstellung der Verbindungen nicht selten auch sogleich das Amt des jeweiligen Direktors. Um 1900 zum Beispiel hatte er nicht weniger als sieben derartige Positionen - zum Teil gleichzeitig - in der Hand. So fungierte er als Betriebsdirektor der Flensburger Kreisbahnen, der Sylter Inselbahn und der Schleswig-Angler Eisenbahn sowie als technischer Direktor der Kleinbahn Niebüll-Dagebüll, der Apenrader Kreisbahn und der Haderslebener Kreisbahn. Außerdem war er Eigentümer und Direktor der Bahn Westerland-Munkmarsch. Eine außergewöhnliche Aufgabe war der von ihm geleitete Umbau der Strecke Schleswig-Süderbrarup.

Beim Bau dieser Verbindung 1882 waren die Holzschwellen, auf denen die Schienen ruhten, nicht quer, sondern in Fahrtrichtung verlegt worden. Der nötig gewordene Umbau wurde etappenweise zwischen 1897 und 1900 unter schwierigen Bedingungen realisiert. Auch war Kuhrt maßgeblich an Planung und Bau der Pferdestraßenbahn in Schleswig beteiligt, die 1890 ihren Betrieb aufnehmen konnte.

Kuhrt war in jener Zeit der wahre "Eisenbahnkönig" dieser Region. Eisenbahn war seine Passion - meist in Form praktischen Wirkens, aber auch als Verfasser von zahlreichen Schriften und Broschüren, in denen er sein Fachwissen, das er durch jahrzehntelange Beschäftigung mit dem Thema erworben hatte, an ein breites Publikum weitergab.

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