Kappeln : Den Kreislauf der Einsamkeit durchbrechen

Schön eingedeckt ist bereits, jetzt fehlen nur noch die Gäste. Petra Heide freut sich auf das erste Essen in Gemeinschaft.
Schön eingedeckt ist bereits, jetzt fehlen nur noch die Gäste. Petra Heide freut sich auf das erste Essen in Gemeinschaft.

Ambulante Pflege Angeln und Margarethen-Residenz bitten ab Juni zum „Essen in Gemeinschaft“.

shz.de von
28. Mai 2015, 07:30 Uhr

In Süderbrarup ist es fest etabliert, in Sörup heiß begehrt, aus Satrup nicht mehr wegzudenken – jetzt will sich auch Kappeln in diese Erfolg versprechende Angelegenheit einreihen. Die Rede ist vom „Essen in Gemeinschaft“, eine Offerte, die mehr und mehr an Bedeutung gewinnt je größer die Zahl der Senioren wird. Und diese Zahl macht in Kappeln mittlerweile 40 Prozent aus. Gemeinsam mit der Ambulanten Pflege Angeln (APA) nimmt nun die Margarethen-Residenz das gemeinsame Mittagessen in ihr Angebot auf und öffnet künftig einmal im Monat ihre Türen für hungrige Gäste – erstmals am Mittwoch, 10. Juni.

„So lange wie möglich sollte die Selbstständigkeit im eigenen Zuhause bewahrt bleiben“, sagt Petra Heide. „Aber hin und wieder kann es dort doch einsam werden.“ Die Leiterin der Margarethen-Residenz hat es sich auf die Fahnen geschrieben, diese Einsamkeit mancher älterer Menschen zu durchbrechen – wenigstens einmal im Monat. „Außerdem“, sagt sie, „stimmt es doch, wenn man sagt: In Gesellschaft schmeckt es besser.“

Jeden zweiten Mittwoch im Monat wird deshalb in der Begegnungshalle der Margarethen-Residenz aufgetischt – frisch zubereitet in der hauseigenen Küche von Koch Thomas Kühne. Anstehen an einer Essensausgabe gibt es nicht. Stattdessen warten schick eingedeckte Tische mit weißem Porzellan und Blumenschmuck auf die Gäste. Keine Plastiktabletts, sondern Keramik-Schüsseln. Esszimmer- statt Kantinenatmosphäre. Und Petra Heide verspricht: „Jeder nimmt sich, was er möchte.“ Das Essen in Gemeinschaft soll an das Sonntagsessen aus der Kindheit erinnern, es soll etwas Besonderes sein. Dabei ist es der Seniorenresidenz-Leiterin wichtig, dass das Angebot nicht als Konkurrenz zur heimischen Gastronomie verstanden wird, denn: „Uns geht es um das Zusammensein älterer Menschen, die Möglichkeit, ihnen beim Essen die Chance zu neuen Kontakten zu geben.“ Und zur ungezwungenen Kommunikation.

Für 7,50 Euro gibt es eine Hauptmahlzeit samt Beilagen und alkoholfreien Getränken, ein Dessert und einen Kaffee. Wichtig zudem: Die Gäste nehmen ihr Essen ohne die Bewohner der Residenz ein. „Sie sollen nicht in den Bewohneralltag hineinrutschen“, sagt Petra Heide. Wenn im Anschluss der Wunsch da ist, die Menschen der Margarethen-Residenz besser kennen zu lernen, wird auch der erfüllt. Auch wer beim Essen Unterstützung benötigt, kann diese in Anspruch nehmen. Und wer von zu Hause abgeholt werden möchte, kann darum bei der Anmeldung bitten. Ohnehin gilt: Menschen, die auf einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen sind, können die barrierefreie Begegnungshalle ohne Schwierigkeiten erreichen. Petra Heide ist dankbar, das Essen in Gemeinschaft zusammen mit der APA anbieten zu können. „Wir freuen uns, wenn Interesse besteht und das Angebot wirklich genutzt wird“, sagt sie.

Angesprochen fühlen dürfen sich alle Kappelner Senioren, unabhängig davon, ob sie alleinstehend sind oder nicht. Das Essen in Gemeinschaft versteht sich als freies Angebot für jeden. Zunächst wird einmal im Monat der Tisch in der Margarethen-Residenz gedeckt, bei wachsendem Bedarf kann das auch häufiger geschehen. Und für den Sommer kündigt Petra Heide schon an: „Vielleicht können wir dann auch mal zum Essen draußen sitzen.“

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