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„Exkursion Düppel“ : Dem Krieg ein Gesicht gegeben

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Was Soldaten erlitten und empfunden haben auf dem Schlachtfeld an den Düppeler Schanzen, hat das Landestheater bei einem speziellen Projekt einfühlsam vermittelt.

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erstellt am 15.Apr.2014 | 07:30 Uhr

Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein Schlachtfeld, das die Kämpfe im Deutsch-Dänischen Krieg an den Düppeler Schanzen hinterließen. Für Hermann Fischer hieß das: Amputationen im Minuten-Takt. Für die Elise von Mellenthin bedeutete es: Unzählige Wunden verbinden und trösten. Hunderte von Männern waren entsetzlich zugerichtet worden. Meist einfache Soldaten – so wie Wilhelm Gater, der nicht sterben wollte und sich wünschte, bei der Taufe von Tochter Marie dabei zu sein. Der Arzt, die Pflegerin, der Soldat und auch der Kriegsberichterstatter Fontane kamen am Sonntag zu Wort. Bei der „Exkursion Düppel“ gaben Schauspieler des Landestheaters dem Krieg ein Gesicht.

„Von Karfreitag bis heute sind mir vier Offiziere gestorben; die Soldaten nicht mit gezählt“, schreibt Elise von Mellenthin an ihre Familie. Erstmals halfen Frauen auf dem Felde – freiwillig. Unter anderem Diakonissen aus den unterschiedlichsten Landesteilen und Ländern pflegten die Männer. Auf Schloss Gottorf waren die Krankenlager errichtet worden, auf denen nur selten jemand gesundete: Bettwäsche war ein Luxus für die 600 Verwundeten – um so mehr freute sich Elise (dargestellt von Ingeborg Losch) über diese Gabe. Sie hatte ihren Auftritt in der Kapelle von Schloss Gottorf. Denn Landestheater-Regisseur Nadim Hussain und sein Team ließen die damaligen Situationen nicht nur mit Original-Zitaten von Zeitzeugen aufleben. Der Regisseur war durch die Region gereist und hatte Original-Schauplätze ausgesucht (Gottorf) oder historische Stätten, die ein Gefühl für die damalige Lage vermittelten (Danewerk).

Hatten die Truppen bei eisiger Kälte den Weg von Rendsburg – wo am 1. Februar 1864 der erste Schuss des Krieges fiel – bis nach Sonderburg zurücklegen müssen, so reisten die Exkursions-Teilnehmer komfortabler. Zwei Busse starteten ab Schleswig, zwei ab Rendsburg jeweils zu unterschiedlichen Zeiten, sodass es vier Vorstellungen dieses einmaligen Projektes gab. „Bis auf einen Bus vollständig ausverkauft“, freute sich Schauspieldirektor Wolfram Apprich. Obwohl oder weil dieses „Schauspiel“ ein Theater in Bewegung war.

So war bei der zweiten Station am Danewerk in Busdorf ein kleiner Fußmarsch zurück zulegen. Vorbei an einer friedlichen Idylle von gepflegten Vorgärten mit blühenden Frühlingsblumen ging es zur blutigen Wirkungsstätte von Dr. Hermann Fischer. Das Landestheater hatte ein halboffenes Zelt aufgeschlagen und wirkungsvoll dekoriert. Dr. Fischer (René Rollin) dozierte dort über die Wichtigkeit von Amputationen – die Entfernung der Gliedmaßen war im 19. Jahrhundert meist die einzige „Behandlung“. Darüber erfuhren die Exkursions-Teilnehmer auch während der Fahrt Näheres.

Das Landestheater hatte die Busse in rollende Hörsäle verwandelt: In Zusammenarbeit mit Schülern sind Zeitungsausschnitte, Fotos und Karikaturen herausgesucht und an die Fensterscheiben geklebt worden. Leider ein wenig klein und ohne Beschriftung, sodass sich für den Geschichtsunkundigen manche Illustration nicht erschloss. Gleichzeitig hatten Schauspieler und eine Schülerin Texte eingesprochen, die während der Fahrt abgespielt wurden. Im Premieren-Bus streikte allerdings das Abspielgerät. An dieser Stelle wären ein paar schnelle, erklärende Worte der „Reiseleitung“ hilfreich gewesen, denn es dauerte einige Zeit, bis sich eine Lösung fand. Einige Teilnehmer vermissten auch Hinweise zu den Schauspiel-Plätzen, die im Vorwege nicht bekannt gegeben worden waren. Andere fragten sich, warum die Schauspieler die Texte aus „Briefen“ lasen und nicht frei sprachen.

Theodor Fontane (Stefan Hufschmidt) las aus seinem eigenen Buch über die Schlacht bei Missunde. Der Soldat Wilhelm Gater (Stefan Wunder) stand für die vielen einfachen Kämpfer, deren Briefe – egal von welcher Seite – allen denselben Tenor hatten, so Regisseur Nadim Hussain: die Sorge ums Überleben.

Auf jeden Fall wurde ein Krieg sehr plastisch vermittelt. Ein Projekt, das nach Wiederholung schreit.

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