Hundekot in der Stadt : Das Übel mit den Unbelehrbaren

Viele knoten ihn an die Leine, aber nicht für alle Halter ist es selbstverständlich, den Hundekotbeutel immer dabei zu haben.
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Viele knoten ihn an die Leine, aber nicht für alle Halter ist es selbstverständlich, den Hundekotbeutel immer dabei zu haben.

In der Mühlenstraße, um die St.-Nikolai-Kirche und auf öffentlichen Grünflachen stolpert man vermehrt über Hundekot.

shz.de von
02. März 2017, 07:00 Uhr

Vor einigen Wochen ging es durch die Medien: In Goslar im Harz tauchte mit der Schneeschmelze an vielen Stellen liegen gebliebener Hundekot wieder auf. Jetzt gibt das dortige Bürgerbüro bunte Fähnchen aus. Sie sollen mit selbst erdachten Sprüchen versehen und in Hundehäufchen auf öffentlichen Wegen gesteckt werden. „Der Haufen muss mit“ heißt die Aktion, die auf der Homepage der Stadt Goslar beworben wird. Damit soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass lange nicht alle Hundehalter die dafür aushängenden Hundekotbeutel benutzen. Die Verwaltung hat alle Bürger und Besucher der Harzstadt dazu aufgefordert mitzumachen und lobt für den originellsten Spruch sogar einen Preis aus.

Auch in Kappeln gibt es die eine oder andere Ecke, an der die braunen Hinterlassenschaften der Vierbeiner eben nicht entsorgt werden. Knut Grieger, Anwohner und bürgerliches Mitglied im Ausschuss für Umwelt und Verkehr (SPD), stört sich an den – wie er sie nennt – Gleitminen. „Das ist mir schon lange ein Dorn im Auge“, sagt er. Im oberen Teil der Mühlenstraße müsse man sehr aufpassen, wo man hintrete. Besonders vor dem gelben Haus neben dem ehemaligen Solarium sei eine richtige Hundetoilette entstanden. „Ich kann das nicht verstehen, dass die Halter den Kot ihrer Lieblinge nicht entsorgen“, sagt Grieger. Der nächste Beutelspender hänge schließlich gleich beim Parkplatz um die Ecke. Selbst reintreten, das möchte doch auch niemand. „Wer will denn schon gern den Gestank mit in die Wohnung nehmen?“, fragt Grieger.

Aber nicht nur auf Gehwegen sind die Hundehaufen ein unnötiges Übel, auch auf öffentlichen Grünflächen haben sie äußerst unangenehme Konsequenzen. Zum Beispiel rund um die St.-Nikolai-Kirche. Hier ist die unappetitliche Ansammlung auch Pastor Karsten Petersen aufgefallen. „Immer wenn wir Sonntag Gemeindefest haben, muss jemand das am Sonnabend davor weg sammeln“, sagt er. Im Moment sehe die Umgebung der Kirche durch die Bauarbeiten an der Mauer eh etwas wild aus. Aber sobald die Gartenarbeiten abgeschlossen sind, soll auch dort ein Hundekotbeutelspender hin, so ist es sein Wunsch. Am meisten genervt sei er von der Selbstverständlichkeit, mit der die entsprechenden Hundebesitzer die Fäkalien der Tiere unbeachtet liegen lassen. „Das hat doch etwas mit Rücksichtnahme zu tun. Wenn man selbst nicht gern in einen Hundehaufen tritt, dann tun andere es doch auch nicht.“

Und nicht nur ums Reintreten geht es für einige. Die Mitarbeiter des Bauhofes müssen die städtischen Flächen mähen und pflegen. Dabei fliegt manchmal nicht nur Gras durch die Luft. Besonders das Arbeiten mit dem Freischneider sei unangenehm, berichtet Erwin Petersen, Leiter des Bauhofes der Stadt. Auch er kennt die Stellen, an denen offenbar nur selten Hundekotbeutel benutzt werden, zum Beispiel auf dem Grauhöfter Weg, dem Nestléweg oder in Ellenberg an den Gehölzen gegenüber des ehemaligen Waffenarsenals. „Es liegt vermehrt an all den Stellen, an denen die Leute sich unbeobachtet fühlen. Das ist teilweise echt heftig“, sagt er.

644 Hunde sind für das Jahr 2017 in der Stadt Kappeln registriert. 130 weitere verteilen sich auf das Amtsgebiet Kappeln-Land mit Grödersby, Oersberg und Rabenkirchen-Faulück. In Arnis sind 21 Hunde gemeldet. Rund 25 Behälter für die Hundekotbeutel sind im gesamten Kappelner Stadtgebiet zu finden. Neben den Hauptspazierwegen in der Innenstadt hängen sie in Ellenberg, Stutebüll, Lüttfeld, Rückeberg, Olpenitz und Weidefeld sowie in Arnis. Etwa 330.000 Tüten gehen jährlich raus, teilt Ordnungsamtsmitarbeiter Marcel Krüger mit. Auch im Rathaus selbst sind sie zu bekommen.

Rechtlich ist jeder Hundehalter verpflichtet, hinter seinem Vierbeiner aufzuräumen, so steht es in Paragraf 5 in der Straßenreinigungssatzung. „Andernfalls kann die Stadt die Verunreinigung auf Kosten des Verunreinigers beseitigen“, heißt es da. Und wenn ein Hund, oder besser sein Halter, auf frischer Tat ertappt wird und eben keine Tüte zückt? „Dann fällt das unter Paragraf 9, Ordungswidrigkeiten“, sagt Marcel Krüger. Wenn der Hundehalter der Auffordung der Beseitigung nicht nachkommt, können eine Anhörung und gegebenenfalls ein entsprechendes Bußgeld die Folge sein. Nur, wie kann er dingfest gemacht werden? Dass die Ertappten oft uneinsichtig reagieren, die Erfahrung hat Elke von Hoff, Verwaltungsmitarbeiterin im Bauamt mit dem Zuständigkeitsbereich Umwelt, gemacht: „Wenn man sich überhaupt traut, den Halter anzusprechen, wird man nicht selten ignoriert oder bekommt noch einen dummen Spruch zu hören. Das ist mir schon ein paar Mal passiert.“

So muss wohl vorerst weiter an das Gewissen der bisher unbelehrbaren Hundehalter appelliert werden, an ihrem Sozialverhalten und ihrer Rücksichtnahme zu arbeiten. Vielleicht wären Fähnchen in bunten Farben und mit originellen Sprüchen nach dem Beispiel der Stadt Goslar ein erster Schritt, die Häufchen-Problematik allen wieder etwas mehr ins Bewusstsein zu rücken.

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