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Schlei-Bote

16. Dezember 2017 | 21:52 Uhr

Das Leben in einem Museum

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Sonderausstellung berichtet vom Alltag der Menschen in Unewatt / Dorfbewohner wollen in künftige Entwicklung eingebunden werden

Die Besonderheit des Landschaftsmuseums Angeln ist vielen Besuchern bei ihrem ersten Aufenthalt gar nicht bewusst: Sie sind nicht zu Gast in einem Freilichtmuseum, nur wenige Gebäude dienen musealen Zwecken und können frei betreten werden – sie sind in einem Landschaftsmuseum. In den meisten Gebäuden lebt und arbeitet die Unewatter Dorfbevölkerung. Bei Führungen wird daher oftmals die Frage gestellt, wie die Bewohner mit diesem Umstand umgehen. Damit befasst sich die diesjährige Sonderausstellung „Das Museum vor der Haustür“, die kürzlich eröffnet wurde.

Bei der Begrüßung räumte Karen Precht von der Museumsleitung ein: „Ehrlich beantworten konnten wir diese Frage nie.“ Im laufenden Museumsalltag sei darüber nicht geredet worden. Das Beratungsunternehmen, das im vergangenen Jahr im Auftrag des Kreises ein Zukunftskonzept erarbeitete, habe vorher im Ort einige Gespräche geführt. Das sei der Anstoß gewesen, die Dinge einmal von anderer Warte zu betrachten. Das Ergebnis, so Precht, sei erstaunlich und zumindest „anders als das, wovon wir im Museum immer ausgegangen waren“.

Am ausgeschilderten Rundweg liegen 22 Häuser und Höfe in regionaltypischer Architektur. Sie sind bewohnt von Menschen, die den Museumsalltag vor der Haustür erleben und die bereitwillig auf vier stets gleiche Fragen Auskunft gaben. Die Antworten auf diese Fragen sind für die Sonderausstellung, jeweils zusammen mit einem Luftbild des betroffenen Gebäudes, auf großen Tafeln wiedergegeben. Im Begleittext wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass jeweils „das gesprochene Wort und nicht die sorgsam formulierte Antwort in den Texten mitgelesen werden sollte“.

Bei der ersten Frage, wie es ist, mitten in einem Museum zu leben, zeigen sich die Unewatter sehr gelassen. Berichtet wird von wenigen Berührungspunkten bis hin zu bereichernden Kontakten am Gartenzaun. In einem Fall ist sogar die Rede von „Stolz“, der durch das Interesse der Besucher hervorgerufen werde. Hinsichtlich der Erwartungen an das Museum reicht die Spannweite von „keine“ über Weiterentwicklung bis zu mehr Aktivitäten (Duftgarten, Kunstausstellungen, Lesungen). Bei allem sollten allerdings die Bewohner einbezogen werden und der Umfang dem (kleinteiligen) Rahmen angepasst sein. Der herbstliche Landmarkt, so eine Meinung, sei schon zu groß. Mehrfache Kritik gab es an zu schnell durchfahrenden Fahrzeugen.

Die Antworten auf die beiden Fragen nach den Wünschen für die Zukunft des Ortes und die des Museums gehen ineinander über. Eine intakte Gemeinschaft im Dorf sollte ebenso erhalten bleiben wie sein bewährtes eingespieltes Verhältnis zum Museum. Mehrfach wird nachdrücklich angeregt, dass der von privater Seite zum Verkauf stehende Christesenhof vom Kreis erworben und in das Museumskonzept eingebunden werden möge. Wichtig sei auch eine Saisonausweitung über den Oktober hinaus. Allerdings dürften die ländlich geprägte Lebensqualität sowie die damit einhergehende Beschaulichkeit und die Ruhe nicht verloren gehen.

Die Skepsis der Anfangsjahre und vorhandene Befürchtungen seien verflogen, einer entspannten Gelassenheit sowie offener Gastgeberschaft gewichen, stellt Precht in ihrem Resümee der Befragung fest. Zu dieser positiven Sicht habe die Entwicklung des Dorfes mit deprimierendem Aussehen in den 1980er Jahren bis zum ansehnlichen Stand heute sicherlich beigetragen. Zur Umsetzung des neuen Konzeptes für das Museum brauche es neue Ideen. „Es ist hilfreich zu wissen, dass die Unewatter das mit unterstützen.“

In seinem Grußwort nahm Karsten Stühmer als Vorsitzender des Kulturausschusses des Kreistages Bezug auf das Gutachten. „Die Erkenntnisse daraus wollen wir Stück für Stück umsetzen.“ Die Sonderausstellung sei ein kleiner Schritt auf diesem Wege. Die Anwesenheit vieler Unewatter bei der Eröffnung wertete er als ein gutes Zeichen.

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