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Schlei-Bote

16. Dezember 2017 | 10:30 Uhr

Kappeln : Das kleine Comeback der Kreisbahn

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Eckernförder Eisenbahnfreunde bauen als Modell die Strecke von 1951 nach, darunter Stationen von Kappeln und Ellenberg.

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2015 | 08:00 Uhr

Mehr als 50 Jahre nach ihrer Einstellung wird die Eckernförder Kreisbahn ihre Wiedereröffnung feiern. Allerdings nur in Miniaturform. Denn zehn der 18 Mitglieder des Treffs Eckernförder Eisenbahnfreunde (TEE) bauen die Kreisbahn von 1951 als Modell im Maßstab 1:87 nach. Zu den 14 Stationen der damals knapp 29 Kilometer langen Strecke gehörten auch Dörphof, Brodersby, Ellenberg und Kappeln.

Derzeit befinden sich das Ellenberger und das Kappelner Modul im Bau. „Gerade das Kappelner Segment mit Drehbrücke und Bahnhof ist sehr aufwendig“, meint der stellvertretende Vereinsvorsitzende Volker Münchow. Sein graues Sweatshirt zeigt vorne eine Abbildung des Trans-Europ-Express. Denn dieser Schnellzug, ein Vorläufer des EuroCity, wird ebenso mit „TEE“ abgekürzt wie der Treff Eckernförder Eisenbahnfreunde. Für Münchow ist das lange Kappelner Teilstück neben dem Eckernförder Staatsbahnhof der anspruchsvollste Abschnitt. „Die Drehbrücke über die Schlei ist fast fertig und wird wie damals auch drehbar sein. Auch der Heringszaun wird im Groben sichtbar sein“, sagt er. Die gesamte Strecke haben die Eisenbahnfreunde in 50 ein Meter mal 60 Zentimeter große Holzmodule unterteilt. Allein das Kappelner Segment umfasst rund fünf bis sechs dieser Module.

Dagegen ist das Ellenberger Segment mit Lokschuppen, Bach und Zäunen etwas einfacher als das Kappelner. Doch auch der Lokschuppen beispielsweise existiert nicht mehr. In solchen Fällen müssen die Modelleisenbahner nach Fotografien oder Bauplänen suchen. Für den gewöhnlichen Bausatz eines Modellhauses gibt es eine Bauanleitung, doch beim originalgetreuen Nachbau einer ganzen Landschaft ist man auf sich selbst angewiesen. Denn nicht nur Bahnhöfe, auch landschaftsprägende Gebäude wie eine Mühle oder ein Getreidespeicher, werden nachgebaut. Die Strecke dazwischen wird verkürzt dargestellt. Eine große Hilfe ist den Modellbauern auch das Buch „Die Eckernförder Kreisbahnen“ von Heinz Herbert Schöning. „Das ist unsere Bibel, da sind sämtliche Strecken genau beschrieben“, verrät Münchow.

Und er sagt auch: „Es ist immer eine enorme Recherchearbeit, bevor wir mit dem Nachbau überhaupt beginnen können.“ Für den Nachbau nehmen die Modelleisenbahner Bausätze aus dem Handel. Darin sind Fenster, Türen und Mauerplatten enthalten, die sie für ihre Zwecke in kleinteiliger Tüftelarbeit zurechtschneiden. Zum Schluss kommt dann der Farbanstrich. Dieses Projekt angefangen zu haben, hat Münchow dennoch keine Sekunde lang bereut. An diesem Modell aus dem Jahr 1951 reizt ihn die Vielfalt der Fahrzeuge. „In der Zeit fuhren noch Dampflokomotiven, Dieselfahrzeuge und alte Triebwagen“, sagt der 72-Jährige. Diese Triebwagen gibt es ebenfalls nicht fertig zu kaufen, sie wurden eigens für die Anlage nachgebaut. Hierfür sprachen die Modelleisenbahner mit ehemaligen Angestellten der Kreisbahn.

Ins Eckernförder Museum, in dem das Modell des Eckernförder Kreisbahnhofes steht, kommen manchmal auch ältere Mitbürger, die in den dargestellten Häusern früher gewohnt haben. Da kann es dann schon mal heißen: „Das stimmt aber nicht, die Tür befand sich auf der anderen Hausseite.“ Dann beheben die Eisenbahnfreunde flugs den Fehler. Um so schöner ist es für die TEE-Mitglieder, wenn ein solcher Besucher sagt: „Ja, genauso ist es gewesen.“ Ein größeres Kompliment ist für Münchow und seine Mitstreiter kaum denkbar. „Letztlich ist so eine Anlage auch ein Zeitdokument, deshalb passt es auch so gut ins Museum“, sagt der Gettorfer.

Die Stadt Kappeln fördert das aktuelle Vorhaben der Eckernförder Eisenbahnfreunde mit 1500 Euro über fünf Jahre. Dafür soll ein Teil der Miniatur-Kreisbahn auch eine Zeit lang in Kappeln ausgestellt werden. Wo und wann steht bislang noch nicht fest. Doch aufgrund der Modul-Bauweise lässt sich das Modell nicht nur gut transportieren, sondern auch sehr variabel kombinieren. Dazu Münchow: „Eigentlich brauchen wir in Kappeln nur einen großen Saal mit ein paar Steckdosen.“  

> Der Treff Eckernförder Eisenbahnfreunde sucht Zeitzeugen oder Personen mit Bildmaterial. Kontakt: Tel. 0  43  46  /  79  21 oder Info@TEE-Verein.de

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