Bürgerentscheid zum Windpark : „Das ist ein klares Ergebnis“

Verwaltungschef Gerd Aloe (stehend rechts) beobachtete die Auszählung der Stimmzettel. Mit dabei: AWG-Vorsitzender Jürgen Siemen (li.).
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Verwaltungschef Gerd Aloe (stehend rechts) beobachtete die Auszählung der Stimmzettel. Mit dabei: AWG-Vorsitzender Jürgen Siemen (li.).

Eine große Mehrheit der Bürger in Stangheck votierte gegen die Errichtung eines Windparks. Investor Witt spricht von einem Verlust für die Gemeinde.

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13. Januar 2015, 12:30 Uhr

Gutsbesitzer Wulf-Henning von Rumohr-Rundhof hatte am Sonntag den kürzesten Weg zum Wahllokal „Weißer Hirsch“: Vom Herrenhaus beträgt sein Gang zur Wahlurne nur wenige Schritte. Stanghecks Bürgermeister Björn With freute sich, dass wenige Minuten vor dem Ende der Stimmabgabe im Rahmen des Bürgerentscheids zur Windkraft-Planung der Gutseigner sozusagen auf den letzten Drücker seinen Wahlzettel abgab, denn damit sprang die Wahlbeteiligung noch auf über 80 Prozent.

Den Vorgang der Auszählung beobachtete Verwaltungschef Gerd Aloe vom Amt Geltinger Bucht. Er stellte klar, dass das Ergebnis des Bürgerentscheids für die Stanghecker Gemeindevertretung für die nächsten zwei Jahre bindend sei. Der Ausgang dieser Wahl überraschte wegen der klaren Ablehnung des Windkraft-Projekts. Von 204 Wahlberechtigten hatten 164 ihre Stimme abgegeben, 128 votierten – wie berichtet – gegen das Vorhaben und nur 36 dafür. Damit kamen die Gegner auf 78 Prozent der abgegebenen Stimmen – und die AWG (Allgemeine Wählergemeinschaft) hatte ein Traumergebnis erreicht. Für den potenziellen Investor Hans-Hermann Witt (Magdalenenhof) ist das Ergebnis hingegen eine herbe Schlappe.

Dem AWG-Vorsitzenden Jürgen Siemen stand die Freude ins Gesicht geschrieben. „Der von uns angestrebte Bürgerentscheid sollte vor Hinterzimmer-Planungen schützen und die nötige Rechtssicherheit bringen“, sagte er. „Ohne Zutun der AWG wären unsere Gemeindevertreter mit der Entscheidung überfordert gewesen.“ Siemen ergänzte, das Stanghecker Votum werde in Kiel bei der Neuaufstellung des Landesentwicklungsplans und der Neufassung der Regionalpläne ab 2018 mit Sicherheit Gehör finden. Die AWG beharre auf der Einhaltung eines ausgewiesenen Sperrgebiets für Windkraftanlagen, das sich nördlich der B  199 von Flensburg bis Kappeln erstreckt, einschließlich der Gemeinde Stangheck.

Investor Hans-Hermann Witt trug seine Niederlage mit Fassung. Gegenüber unserer Zeitung erklärte er: „Es gibt hier zwei Verlierer: mich und die wirtschaftliche Weiterentwicklung in unserer Gemeinde.“ Die Befürchtungen der Windkraftgegner über Störungen durch die Anlage seien unberechtigt gewesen, denn zu den Wohngebäuden habe man laut Planung einen Abstand von 800 Metern eingehalten. Doch dies sei nun Makulatur. Helmut Erichsen (SPD) begrüßte das ablehnende Votum der Bürger und meinte, die Hauptschuld an der Misere mit den Windmühlen trage „die Politik“, weil sie zwar Standorte genehmige, doch nicht dafür sorge, dass das zur Stromgewinnung dazugehörige Leitungsnetz geschaffen wird. Dazu Witt: „Wo Anlagen nicht entstehen dürfen, benötigt man auch keine Stromkabel.“

Gemeindevertreterin Martina Braatz von der Kommunalen Wählergemeinschaft (KWG) kritisierte das ihrer Meinung nach zu rigorose und einseitige Vorgehen der AWG. Diese habe zweifelsohne Ängste geschürt und nicht auf Polemik gegen den Investor verzichtet. Ihr Fraktionskollege Cai-Wilko von Rumohr (Mariannenhof) sprach von einer vertanen Chance, räumte jedoch ein, dass es gut zu wissen sei, „wie die Mehrheit unserer Bürger denkt“.

Bürgermeister Björn With (KWG) sagte, nachdem er das Abstimmungsergebnis den wartenden Bürgern mitgeteilt hatte: „Das ist ein klares Ergebnis, das wir zu akzeptieren haben.“ Er äußerte die Hoffnung, dass nun wieder Ruhe in die Gemeinde einkehrt.

Als Gemeindeabstimmungsleiter tritt er noch einmal in Aktion, wenn am morgigen Mittwoch ab 17 Uhr im Amtshaus Steinbergkirche das endgültige Ergebnis festgestellt wird.

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