Kappeln : „Das Häuschen VHS wackelt“

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Die Volkshochschule sucht händeringend neue Vorstandsmitglieder – sonst droht das Aus.

shz.de von
29. Mai 2015, 07:30 Uhr

Bedrückt trifft es nicht hundertprozentig. Nachdenklich schon eher, vielleicht auch ernst. Auf jeden Fall ist der Volkshochschul-Verein ins Grübeln gekommen, die Stimmung ist gedämpft – vor allem seitdem die Verantwortlichen in dieser Zeitung davon gelesen haben, dass der Jazz-Club „Jazz oder nie“ ernsthaft über seine Auflösung nachdenkt. „Da ist uns klar geworden, dass wir vor einem ähnlich gravierenden Problem stehen“, sagt VHS-Vorstandsmitglied Dr. Christina Kohla. Eine sogenannte inaktive Phase, wie sie der Jazz-Club nun eingeleitet hat, schließt man aber aus. Allerdings: Im nächsten Jahr steht der komplette Vorstand der VHS zur Wahl. Und am liebsten möchten die aktuellen Amtsinhaber ihre Posten weitergeben. Das Problem: Es ist keiner da, der übernimmt.

Als der neue Vorstand Ende 2011 antrat, stand nur ein Thema im Vordergrund: „Es ging einzig darum, die VHS zu retten“, sagt Christina Kohla. Ein Grund, weshalb man schlicht nicht darauf geachtet habe, für die insgesamt sieben Vorstandsposten verschieden lange Wahlperioden anzulegen. Positiver Nebeneffekt: Das Team ist gut eingespielt, jeder bringt seine Stärken ein und weiß, was er zu tun hat. Allerdings: Jedes ehrenamtliche Vorstandsmitglied steht mitten im Berufsleben, alle sind als Selbstständige tätig. Vorsitzende Swantje Kretschmann sagt: „Wir haben gemerkt: Wenn einer ausfällt, dann wackelt unser kleines Häuschen VHS schon ein bisschen.“

Um das große Erdbeben im nächsten Jahr zu vermeiden, wünscht sich der Vorstand Menschen, die bereit sind, das VHS-Leben aktiv mitzugestalten. Dabei ist das potenzielle Aufgabenspektrum breit gestreut – von der Ausarbeitung des Programms und Plakaterstellung über Dozentenanfragen und EDV-Dienste bis zu Raumplanung und Kurseröffnung. Interessenten sollen die Gelegenheit erhalten, vorher in den VHS-Betrieb hineinzuschnuppern. Der amtierende Vorstand will nicht sofort vollkommen weichen, sondern zunächst nur einen Schritt zurück in die Riege der Beisitzer treten. Christina Kohla sagt: „Wir haben selber erlebt, wie es ist, ins kalte Wasser geschmissen zu werden. Das möchten wir niemandem zumuten.“

Gleichzeitig weiß der Vorstand um den Aufwand, den er selber in den zurückliegenden Jahren betrieben hat, als die VHS tatsächlich kurz vor ihrem Zusammenbruch stand. „Das Ehrenamt wird manchmal wirklich überstrapaziert“, sagt Kohla, fügt jedoch hinzu, dass man sich auch selber etliche Zielvorgaben gegeben und so unter Druck gesetzt habe – aber: „Wir mussten etwas verändern, sonst würde die VHS jetzt nicht mehr laufen.“ Der Lohn ist deutlich: Der Vorstand empfindet die Volkshochschule inzwischen als „klar aufgestellten Apparat“, für dessen Betrieb man kein Spezialwissen benötige, sich vielmehr alles Notwendige aneignen könne. Aber Christina Kohla stellt auch klar: „Wenn die VHS nicht untergehen soll, brauchen wir neue Leute. Das muss sich jeder bewusst machen.“

Dass die Volkshochschule in Kappeln als gemeinnütziger Verein agiert, ist derweil Fluch und Segen zugleich. Swantje Kretschmann sagt: „Wir sind dadurch freier in unseren Entscheidungen, aber müssen auch viel mehr selber dafür tun.“ Überlegungen, die Stadt als Träger mit ins Boot zu holen, habe es gegeben. Die VHS-Mitglieder hätten jedoch für eine uneingeschränkte Eigenständigkeit plädiert. Ungeachtet dessen ist das Ziel fest definiert: „Wir wollen die VHS noch weiter ausbauen“, sagt Kretschmann.

Auch das könnte eine Aufgabe des neuen Vorstandes sein, für dessen Kandidaten übrigens genau jetzt der ideale Zeitpunkt zu sein scheint, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen: Das nächste Programmheft für das folgende Semester ist gerade in Arbeit.

> Kontakt zur VHS, Mühlenstraße 13, dienstags 15 bis 17 Uhr, donnerstags 10 bis 12 Uhr, sonnabends 11 bis 13 Uhr: Tel. 0  46  42  /  8  20  03  50 oder info@kappeln-vhs.de

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