Kappelner Kommunalpolitik : „Das Geld reicht bei Weitem nicht“

„Kindergärten und Spielplätze bleiben zwei Hauptpunkte“, sagt der Sozialausschussvorsitzende Peter Koch (LWG). Den Spielplatz am Rathaus hält auch er für verbesserungswürdig.
„Kindergärten und Spielplätze bleiben zwei Hauptpunkte“, sagt der Sozialausschussvorsitzende Peter Koch (LWG). Den Spielplatz am Rathaus hält auch er für verbesserungswürdig.

Der neue Sozialausschussvorsitzende Peter Koch fordert mehr finanziellen Spielraum und möchte Ehrenamtler entlasten.

shz.de von
10. August 2018, 07:00 Uhr

Mit der Kommunalwahl haben die vier politischen Ausschüsse neue Vorsitzende erhalten. Für uns ist das Anlass, dieses Quartett zum Start zu einem Interview zu bitten. Mit dem neuen Vorsitzenden des Sozialausschusses, Peter Koch (LWG), sprach unsere Redakteurin Rebecca Nordmann.

Herr Koch, Sie haben mit der Kommunalwahl den Vorsitz im Sozialausschuss übernommen. Warum sind Sie der Richtige dafür?

Weil mich die Inhalte des Sozialausschusses, also Jugend-, Seniorenarbeit, Kultur, Schulen, Unterstützung für Bedürftige, immer interessiert haben. Durch den Vorsitz kann man Einfluss auf die Abläufe nehmen.

Es ist auch das erste Mal, dass die LWG einem Ausschuss vorsitzt, obwohl sie schon früher die Gelegenheit dazu gehabt hätte. Warum haben Sie dieses Mal zugegriffen?
Ich glaube, das hängt mit meiner Person zusammen. Ich habe den Vorsitz wirklich gerne übernommen und mit dem langjährigen Vorsitzenden, als meinen Stellvertreter, einen guten Ratgeber an meiner Seite. Wir sprechen viel miteinander, und ich profitiere von seinem Wissen.

Sie selbst haben bereits eine Wahlperiode hinter sich. Wie fällt Ihre Bilanz der vergangenen fünf Jahre aus?
Traurig. Der Zwist stand lange im Vordergrund und hat zu einem Stillstand in der Stadt geführt. Ich glaube aber, dass wir inzwischen auf einem guten Weg sind. Die beiden großen Fraktionen sind offen für Kommunikation. Auch inhaltlich haben wir nicht das erreicht, was wir uns vorgenommen hatten.

Was halten Sie für die wichtigsten Beschlüsse des Sozialausschusses in der Vergangenheit?
Die Beschlüsse, die gefasst wurden, um die Spielplätze kindgerechter zu gestalten. Dabei hat uns auch die Umfrage bei den Kindern in der Gorch-Fock-Schule geholfen. Leider reicht das Geld, was der Hauptausschuss zur Verfügung stellt, bei Weitem nicht aus, um optimal zu arbeiten. Da muss unbedingt nachgebessert werden.

Mit Änderung der Zuständigkeitsordnung hat sich die Befugnis des Sozialausschusses erweitert. Künftig spielen die Themen Bücherei, Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit oder Schulen eine festgeschriebene Rolle. Entspricht das Ihrer Definition der Arbeit des Sozialausschusses?
Ja, absolut. Das ist dort alles richtig angesiedelt. Das bedeutet allerdings, dass der Ausschuss künftig häufiger tagen wird als in der vergangenen Legislaturperiode.

Kulturelle Veranstaltungen fallen ebenfalls in die Zuständigkeit Ihres Gremiums. Gibt es etwas, das Sie sich als weitere, regelmäßige Veranstaltung vorstellen können?
Die Vorstellung ist da, ja. Wichtig ist es, ein festes Budget in den Haushalt einzustellen, um kulturelle Veranstaltungen, die durch engagierte Bürger geplant werden, finanziell unterstützen zu können.


Können Sie sich vorstellen, sich auch mit den Heringstagen politisch zu befassen?
Die Heringstage sehe ich eher als Angelegenheit der Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH, die Stadt hat sich da bislang eher rausgehalten. Die diesjährigen Heringstage sind nicht so zufriedenstellend gelaufen, deshalb bin ich gespannt, ob der Ansatz funktioniert, die Bürger mit einzubinden. Ich hoffe sehr, dass die Kappelner davon Gebrauch machen und umsetzbare Vorschläge anbieten.

Was sind die wichtigsten Inhalte, mit denen sich der Sozialausschuss in den nächsten fünf Jahren beschäftigt?
Kindergärten und Spielplätze bleiben zwei Hauptpunkte. Wir werden den engen Kontakt mit der neu gegründeten Interessengemeinschaft „Schwimmbad“ suchen, die aus unserer Initiative des Bürgergesprächs entstanden ist. Dass wir etwas schaffen müssen, damit unsere Kinder das Schwimmen erlernen, muss uns ein wichtiges Anliegen sein.
Stichwort Kindergarten. Sehen Sie den Sozialausschuss in der Pflicht mit Blick auf das, was in der Ellenberger Kita derzeit passiert?
Eigentlich nur insofern, als dass wir uns darum kümmern, im Bunten Haus die Bedingungen zu schaffen, um dort diese Kita-Kinder für eine Übergangszeit von zwei Jahren unterzubringen. Mehr kann der Sozialausschuss nicht tun. Die Kita, so, wie sie jetzt dort steht, muss abgerissen werden, daran gibt es keinen Zweifel. Ich hoffe nur, dass wir nicht die Zuschüsse von vor sieben Jahren zurückzahlen müssen. Wir werden Gespräche mit allen Beteiligten führen, damit berechtigte Forderungen der Stadt berücksichtigt werden.

Welche persönlichen Schwerpunkte möchten Sie als Vorsitzender setzen?
Es ist mein Herzenswunsch, einen Jugendbeirat zu etablieren. Ich weiß, dass Versuche dazu schon oft gescheitert sind, das soll uns aber nicht abschrecken. Ich finde es wichtig, dass Jugendliche uns Politikern sagen, was sie sich wünschen, damit sie sich hier wohlfühlen. Mein Plan ist, in die Schulen zu gehen und für den Jugendbeirat zu werben, denn am Ende muss der Anstoß schon von den jungen Leuten selbst kommen.

Bitte ergänzen Sie die folgenden Sätze: Die Klaus-Harms-Schule wird am Ende der nächsten fünf Jahre…
…vielleicht in die Trägerschaft des Nahbereichschulverbands gewechselt haben. Auf jeden Fall bleibt das das Ziel, um die Stadt finanziell zu entlasten.

Die Ehrenamtler dürfen vom Sozialausschuss erwarten, dass…
…sie finanziell entlastet werden – etwa indem wir ihnen Parkgebühren erlassen, wenn sie ehrenamtlich tätig sind.

Der Standort der Stadtbücherei in der Schmiedestraße wird in fünf Jahren…
…immer noch derselbe sein, weil er ideal ist.

Kappeln wird in fünf Jahren seinen Kindern und Jugendlichen anbieten können:
Skatepark, Schwimmmöglichkeit, schöne Spielplätze, ausreichend Kindergartenplätze.

Die 45. Heringstage werden…
…in veränderter Form stattfinden. Und hoffentlich schon im nächsten Jahr mit neuem Heringszaun.
 

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