zur Navigation springen

Norbert Stark in Kappeln : Das Ende einer Ära

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Gastronom Norbert Stark fühlt sich von der Verwaltung in seiner Zukunftsplanung beschnitten. Die Folge: Zum 1. Oktober schließt er sein Restaurant und verlegt seinen Catering-Service nach Waabs.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2017 | 12:00 Uhr

„Am 1. Oktober gehen hier die Türen zu.“ Norbert Starks Entscheidung steht fest. Felsenfest. Zweifel wischt er mit einer Hand beiseite. Der Gastronom, der seit Jahrzehnten zu Kappeln gehört wie die Schlei und der Heringszaun, macht die Schotten dicht und verlagert sein Unternehmen nach Waabs. Warum? Auch da ist Stark deutlich: „Ich bin vollkommen sauer auf die Verwaltung und die Willkür, mit der ich behandelt werde.“ Die Konsequenz: Norbert Stark und Kappeln gehen künftig getrennte Wege.

Im Frühjahr erst war Stark mit seinem gleichnamigen Restaurantbetrieb am Hafen ein paar Hundert Meter weiter unmittelbar an den Fischereihafen gezogen. Voller Euphorie hatte er sich auf die authentische Lage gefreut, hat jede Menge Geld in die Hand genommen, um seinen Laden so herzurichten, wie er seinen Ansprüchen genügt. Jetzt, ein halbes Jahr später, ist von dieser Euphorie nicht mehr viel übrig. Stattdessen ein unverrückbarer Entschluss. „Die Gesellschaft erlischt zum 1. November, das neue Gewerbe ist in Waabs angemeldet“, sagt Norbert Stark. Dabei hatte er etwas ganz Anderes geplant. „Mein Traum war, mich hier langsam rauszuziehen und den Laden meinen Mitarbeiterin zu übergeben.“ Es ist ein geplatzter Traum, denn Stark sagt auch: „Inzwischen stehen diese Mitarbeiter mit Tränen in den Augen vor mir, weil sie sich nicht mehr trauen. Sie haben Angst. Angst vor der Willkür der Verwaltung.“

Was passiert ist, beschreibt der Gastronom so: „Seit Ostern werde ich mit Straftickets für meine Autos bombardiert.“ Norbert Stark hat zwei Lieferwagen, mit denen er regelmäßig vor seinem Geschäft hält. Es wird entladen und auch beladen – für Stark ein ganz entscheidender Faktor seines Unternehmens, denn: „Wir machen 60 Prozent unseres Umsatzes über unser Catering, 40 Prozent über das Restaurant.“ Heißt: Beide Autos sind stetig im Einsatz, müssen Ware aus dem Restaurant aufnehmen – „das schafft man nicht in drei Minuten“. Die Folge: Immer wieder heftet die Verkehrsüberwachung Strafzettel an seine Windschutzscheibe, die Stark bezahlt – aber eigentlich nicht einsieht, weshalb. Also beantragte er schriftlich zwei Sonderparkausweise, sogenannte Handwerker-Parkausweise, bei der Verwaltung. Dieses Papier erlaubt es beispielsweise, im Arbeitseinsatz die Fußgängerzone zu befahren und dort zu parken. Aber: „Diese Ausweise wurden abgelehnt“, sagt Stark. „Also zahle ich die Straftickets weiter.“ Aber eben nur noch bis zum Oktober, dann dreht er den Schlüssel um.

Seinen elf Mitarbeitern hat der Gastronom bereits gekündigt. Keiner davon, sagt er, habe unter diesen Voraussetzungen den Mut, den Betrieb weiterzuführen. „Und das kann ich verstehen“, sagt Stark. „Ich bin ein alter Hase, ich halte das aus. Aber doch nicht die jungen Leute.“ Ihnen raube man die Perspektive. Dass es sich bei der ganzen Angelegenheit seitens des Rathauses womöglich um einen Irrtum handelt, schließt der Kappelner aus. „Das ist kein Missverständnis“, sagt er. Der Parkausweis sei notwendig für seinen Betrieb, und der Umstand, dass ihm dieser verweigert werde, sei für ihn ein deutliches Signal: „Ich muss feststellen, dass man mich und mein Gewerbe ablehnt. Also ist das Thema durch.“

Bürgermeister Heiko Traulsen hatte zwar vernommen, dass Norbert Stark unzufrieden ist, wusste jedoch bis gestern nicht genau weswegen. Am vergangenen Wochenende habe er ihn zufällig getroffen und angesprochen, Stark sei aber ohne große Worte ins Auto gestiegen und weggefahren. Der Gastronom bestätigt die Begegnung und erklärt sein Verhalten so: „Es hätte sehr schnell laut werden können, also habe ich lieber gar nichts gesagt.“ Gestern nun erkundigte sich Traulsen im Rathaus nach der Sachlage und erläuterte dann: „Es ist offenbar so, dass Herr Stark mit seinen Autos Tag und Nacht dort steht, anstatt tatsächlich nur zum Be- und Entladen.“ Einen Handwerker-Parkausweis könne er jedoch nicht erhalten, da er eben kein Handwerker sei, sondern aufgrund seines Betriebes in der Straße als Anwohner gelte. Traulsen: „Rechtlich schließt das den Handwerker-Parkausweis aus.“ Gleichzeitig sagte der Bürgermeister: „Es hätte zwingend ein klärendes Gespräch stattfinden müssen, und ich bedaure sehr, dass das nicht passiert ist.“ Chancen dazu hätte es offenbar gegeben, denn Norbert Stark selber habe vor wenigen Wochen, wenn auch aus anderem Grund, bei ihm im Rathaus gesessen – „da hat er leider kein Wort über das Problem verloren“.

Der Gastronom bereitet indes seinen Abschied vor. In Waabs wird er kein neues Restaurant eröffnen, sich stattdessen auf den Catering-Service beschränken. „Das war nicht mein Plan“, sagt er. Unumstößlich sei die Sache trotzdem. „Uns ist der Fuß weggehauen worden durch die Willkür, die aus dem Rathaus heraus kommt.“ Seinen Kappelner Standort will Norbert Stark nicht verkaufen, eventuell Anfang Oktober nochmal ein Abschiedsbüfett für alle Gutschein-Inhaber anbieten. „Das Gebäude bleibt stehen“, sagt er. „Vielleicht wird es ja irgendwann zum Mahnmal.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen