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Schlei-Bote

18. Dezember 2017 | 12:33 Uhr

Kopperby : Das Ende des Schleihafens

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Segler sind über den Abriss der Steganlage in Kopperby empört. Der Eigentümer verweist auf Bohrmuschelbefall.

von
erstellt am 04.Jan.2016 | 18:38 Uhr

100 Seglern bot der Kopperbyer Schleihafen Jahr für Jahr einen Liegeplatz im Sommer. Das ist nun vorbei. Seit zwei Jahren betreiben Marcus und Claudia Jünemann die Steganlage, doch am 15. August des vergangenen Jahres kündigte das Ehepaar überraschend alle Liegeplatzverträge zum 31. Oktober desselben Jahres. Der angeführte Grund: umfangreiche Baumaßnahmen. Diese veranlassten die Großhansdorfer laut Kündigungsschreiben zur Einstellung des Hafenbetriebs und zum Rückbau der Steganlage.

Anlieger Ralf Schilling sagt nun: „Wir sind alle maßlos enttäuscht.“ Der Ferienwohnungsbetreiber hat kein Verständnis für die Kündigung. „Das kam Knall auf Fall. Wir standen wie der Ochs vorm Berg“, sagt er. In den vergangenen Jahren, erklärt Schilling, seien Menschen aus allen Teilen Deutschlands wegen des Hafens nach Kopperby gezogen. „Hätten sie das vorher gewusst, hätten sie auch in Arnis bauen können“, zeigt sich der Hannoveraner empört. Burkhard und Delia Ebert sind ebenfalls Neu-Kopperbyer. Auf der Suche nach einem Wohnsitz mit Bootsliegeplatz hatten sich die Hobbysegler zunächst einen Überblick, unter anderem in Gelting, Langballig und Rabenkirchen-Faulück, verschafft. „Ausschlaggebend war dann der Kopperbyer Hafen“, sagt die Altenpflegerin. Im April 2015 bezog das Ehepaar sein Haus unweit des Schleihafens – nur wenige Wochen später dann die Kündigung des Hafenbetreibers. Burkhard Ebert: „Wir waren wie vor den Kopf gestoßen. Noch gar nicht richtig angekommen im neuen Haus – und dann so etwas.“ Der 63-Jährige hegt Zweifel an der Begründung für den Rückbau der Steganlage. „Herr Jünemann hatte doch gerade erst Pfähle am Steg ausgebessert, Strom- und Wasserversorgung angelegt, und jetzt soll alles marode sein?“, fragt er. Nachfragen der Anwohner seien vom Hafeneigentümer abgeblockt worden, sagt Ebert. Nun müsse sich das Ehepaar nach einem neuen Sommer-Liegeplatz für den gerade erst erstandenen Motorsegler umsehen. Groß sei die Auswahl in der Region allerdings nicht, bemängelt der Pensionär. Einen weiteren Umzug kann sich das Ehepaar nicht leisten. Delia Ebert: „So schnell ist der Lebenstraum vom Alterswohnsitz dahin.“

Marcus Jünemann versichert auf Nachfrage dieser Zeitung, er verstehe die Aufregung. „Wir wissen, dass das sehr überraschend kam, aber die Steganlage war knapp 50 Jahre alt, und in letzter Zeit musste laufend etwas erneuert werden“, sagt er. Es sei an der Zeit gewesen zu handeln – denn: „Man wechselt Bremsen ja auch bevor etwas passiert.“ Am 17. November 2014 bewilligte der Bau- und Planungsausschuss die Sanierung des Stegs mit der Begründung, starker Bohrmuschelbefall habe die Standsicherheit der Sportbootanlage gefährdet. Der Ausschuss erteilte Marcus Jünemann die Genehmigung für einen Ersatzneubau mit 140 Liegeplätzen. Doch dann sei alles anders gekommen, erklärt der Hafenbetreiber. „Eine spätere Kalkulation des Planungsbüros lag 30 Prozent über den ursprünglich veranschlagten Kosten“, sagt Jünemann. Eine Refinanzierung sei allein mit Sommerliegeplätzen nicht möglich gewesen. „Bei 750.000 Euro für einen Ersatzbau wären 7500 Euro pro Liegeplatz angefallen. Und die Betriebskosten wären hinterher für die Sommersaison auf bis zu 1400 Euro angestiegen“, erklärt Jünemann. Für eine derartige Investition seien Synergie-Effekte mit Winterlager oder Werkstatt notwendig. Daran mangle es jedoch vor Ort. Der Großhansdorfer sagt, er habe den Anliegern im Gespräch eine Vereinslösung angeboten, aber niemand habe die Verantwortung übernehmen wollen. „Klar, man kommt ja auch dann nicht an den Gesamtkosten vorbei“, sagt er. Mit Ausgaben für Wasserpacht, Versicherung oder Hafenmeister stünden am Ende alle privaten Betreiber kleiner Hafenanlagen vor den gleichen Problemen. Jünemann: „Das ist betriebswirtschaftlich nicht mehr darstellbar. Wir werden nicht die Letzten sein, denen es so geht.“

Im November wurde die Steganlage im Kopperbyer Hafen entfernt und durch eine – mit 14.000 Euro kostengünstigere – Betonschwimmsteganlage ersetzt. Insgesamt 15 Liegeplätze stehen Jünemann nun zur privaten Nutzung zur Verfügung. „Wir dürfen nichts einnehmen, sind aber für Gespräche offen“, sagt er. Den Rückbau der alten Steganlage bedaure er aber sehr und sagt: „Wir sind mit sehr viel Engagement hier angetreten.“

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