Das Dampfross im Schlepptau

Sie zogen die Lok so schnell wie kein anderes Team: die Mannschaft des Kappelner Studios „4 Fun Fitness“.
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Sie zogen die Lok so schnell wie kein anderes Team: die Mannschaft des Kappelner Studios „4 Fun Fitness“.

Das Kappelner Team „4 Fun Fitness“ entthront beim Lok-Trekken die Seriensieger aus Schwansen / 250 Zuschauer sehen das Spektakel am Südhafen

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15. Mai 2015, 17:08 Uhr

Auf einmal sind 50 Meter ganz schön lang. So lang, dass sie einfach nicht enden wollen. Solche Gedanken könnten dem ein oder anderen gestern Nachmittag durch den Kopf geschossen sein, als er in seinem Rücken eine 37 Tonnen schwere Dampflok spürte. Acht Teams kämpften auf Schienen um Ruhm und Ehre. 50 Meter sollten sie die 66 Jahre alte dänische Lok ziehen – ein schweißtreibendes, äußerst anstrengendes, aber heiteres Unterfangen. Nach einer längeren Pause hatte der Wirtschaftskreis „Pro Kappeln“ (WPK) nun im zweiten Jahr in Folge im Rahmen der Heringstage zum Lok-Trekken gerufen. In einem „Foto-Finish“ siegte am Ende das Team „4 Fun Fitness“ mit elf Hundertstel Sekunden Vorsprung vor dem ersatzgeschwächten Seriensieger der Schwansener Landjugend. Doch am Ende hatten irgendwie alle gewonnen – neben den Teilnehmern auch die rund 250 Zuschauer am Südhafen.

Bei Stefan Lenz hörte sich das Unternehmen „Lok-Trekken“ derweil an wie ein Kinderspiel. „37 Tonnen ist ja nicht so viel“, sprach der WPK-Vorsitzende in sein Mikrofon. „Das ist weniger als die Heringe, die am Donnerstag gefangen wurden. 37 ist doch weniger als 78.“ Dass es sich bei der Maßeinheit der Heringe um Pfund handelte, verschwieg Lenz allerdings wohlweislich. Es hätte aber ohnehin keines der Teams davon abhalten können, sich der Herausforderung zu stellen. Manche hatten sich sogar eigens auf den großen Tag vorbereitet – so wie die „Kappler Deerns“, mit denen ein reines Damen-Team zum Lok-Trekken antrat. Drei Mal hatten die Frauen, die in schwarz-orangem Outfit auf den Schienen standen, zuvor geprobt. Mit einem Trecker. Und zwar bergauf. „Der wog nur vier Tonnen“, sagte Frauke Detlefsen. „Deshalb mussten wir den Schwierigkeitsgrad erhöhen.“ Jetzt, kurz vor ihrem entscheidenden Auftritt, legten die Damen sogar noch eins drauf – Stretching und Doping. Sabine Mau gab zu: „Wir haben gerade noch ein Stück Traubenzucker eingeworfen.“ Und schon dröhnte der Titel „Dieser Weg wird kein leichter sein“ aus den Lautsprechern – ein zusätzlicher Motivationsschub für die „Kappler Deerns“, der am Ende aber nicht gereicht hat: Die Damen landeten auf dem achten Platz.

Bei den Zuschauern kam das Spektakel durchweg gut an. Lautstark unterstützten sie jedes Team. „Ich finde es gut, dass beim Lok-Trekken so völlig unterschiedliche Gruppen an den Start gehen“, sagte Sieglinde Heere aus Nordheim. Die 58-Jährige ist schon mal zu den Heringstagen nach Kappeln gekommen, doch nie beim Lok-Trekken gewesen. Auch Susanne Maas hatte ihren Spaß. „Ich finde es beeindruckend, wenn die Teilnehmer sich so reinsteigern, dass ihr Kopf halb vor dem Platzen ist.“ Die Flensburgerin kennt Heringstage und Lok-Trekken. „Doch leider ist das ja auch schon mal wegen zu geringer Teilnehmerzahl ausgefallen“, so die 49-Jährige. Um so mehr genieße sie jetzt die Veranstaltung.

Für Jürgen van Schöll, Geschäftsführer der Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH, war das Lok-Trekken ein echter Lichtblick. „So eine Veranstaltung ist wirklich top und bereichert das Fest“, sagte er, „weil sie für Begeisterung sowohl bei den Teilnehmern als auch beim Publikum sorgt“.

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