zur Navigation springen

Kirchengemeinde Kappeln : „Das Beste am Abschied? Du bleibst hier!“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Gönna Hartmann-Petersen feiert ihren letzten Gottesdienst in St. Nikolai. Die Pastorin arbeitet künftig in Flensburg, wohnt aber weiterhin in Kappeln.

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2017 | 07:00 Uhr

Sie konnte es drehen und wenden, wie sie wollte. Dass der Predigttext des gestrigen Sonntags nun ausgerechnet die Überschrift „Die große Wandlung“ trug, war zwar lange im Voraus so festgelegt worden. Und Pastorin Gönna Hartmann-Petersen gab sich wirklich die größte Mühe, diese Wandlung so auszulegen und darzustellen, wie sie eben der Prophet Jesaja verstanden wissen wollte. Und trotzdem: Es passte schlicht und einfach zu ihrer ganz persönlichen Situation. Und auch zu der Situation, in der sich nun ihre Kirchengemeinde befindet. Beiden nämlich steht eine Wandlung bevor: Gönna Hartmann-Petersen hat bereits am 1. August ihre neue Stelle in der Krankenhausseelsorge des Flensburger St.-Franziskus-Hospitals angetreten. Die Kirchengemeinde muss sie nach mehr als zehn gemeinsamen Jahren ziehen lassen. Gestern Nachmittag stand der Abschied an, Propst Helgo Jacobs entpflichtete die Pastorin von ihren Aufgaben in Kappeln.

Tatsächlich seien die Worte Jesajas viel eher mit Blick auf eine existenzielle Veränderung zu verstehen, sagte Gönna Hartmann-Petersen, als sie zum letzten Mal auf der Kanzel der Nikolaikirche stand und auf ihre üppige Zuhörerzahl hinunter sah. Und ja, vielleicht ist Hartmann-Petersens Wandel nun kein existenzieller. Schließlich bleibt sie ihrem Berufsfeld treu und lebt gemeinsam mit ihrer Familie auch weiterhin in Kappeln. Üblicherweise fällt der Abschied, dem der geht, ja ohnehin ein bisschen leichter, weil er etwas hat, auf das er sich freut, für das er sich im besten Falle auch ganz bewusst entschieden hat. Beides trifft bei Gönna Hartmann-Petersen zu: Schon immer, das hatte sie zuvor in einem Interview mit unserer Zeitung verraten, sei es ihr Bedürfnis gewesen, Menschen im Gespräch nahe zu sein. Die Seelsorge, auch das hatte sie gesagt, sei für sie die Kernaufgabe eines Pastors. Und dennoch hatte Propst Helgo Jacobs eines erkannt: „Es war Ihnen anzumerken, dass Ihnen die Entscheidung nicht leicht gefallen ist.“ Die Pastorin selber räumte gestern, als sie ihre Gemeinde vor sich sitzen sah, ein: „Gemeinsam haben wir den einen oder anderen kleinen Wandel gestemmt.“

Dass Gönna Hartmann-Petersen aber vor allem diejenige war, die ihre Kirchengemeinde in den vergangenen zehn Jahren geprägt und vielleicht eben auch ein bisschen gewandelt hat, davon zeugten die Grußworte, die gestern einige Gäste in der Kirche hielten. Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker betonte etwa gleich zu Beginn sehr persönlich: „Wir werden dich vermissen.“ Herzlich, fröhlich, unkonventionell, kreativ, offen, unkompliziert – das war nur eine Auswahl der Attribute, die sie mit Gönna Hartmann-Petersen verband. Und Ungethüm-Ancker ahnte bereits: „Die Menschen im Krankenhaus können wirklich froh sein, dich gefunden zu haben.“ Sebastian Bublies von der Gemeinschaft in der evangelischen Kirche attestierte der Kappelner Pastorin, „geistreich, geistlich und vor allem beherzt“ unterwegs zu sein, stets lege Hartmann-Petersen viel Wert darauf, Gottes Wort im Alltag erlebbar zu machen. Für die Kirchengemeinde Ellenberg dankte Pastor Jörg Jackisch für die „tolle Zusammenarbeit über die Schleibrücke hinweg“. Und er sagte: „Für uns entsteht nun eine Lücke, bei der wir Zeit brauchen, sie zu gestalten.“ Gunther Hoeschen stellte für die Kirchengemeinde Kappeln schließlich heraus, dass Gönna Hartmann-Petersens Wirken „große Spuren“ hinterlassen habe. Er erinnerte an ihr ausgeprägtes Engagement in der Konfirmanden- und Jugendarbeit, ihren Einsatz für Flüchtlinge, ihre Gabe, Menschen das Gefühl zu vermitteln dazu zu gehören und in unübersichtlichen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. „Und das Beste an diesem Abschied?“, warf er schließlich in die Runde. „Du bleibst hier.“

Karsten Petersen, Gönna Hartmann-Petersens Ehemann, übernimmt ihre halbe Pastorenstelle bis auf Weiteres. Auch deshalb behält die Familie Kappeln als ihren Lebensmittelpunkt. Und Propst Helgo Jacobs kündigte bereits an: „Es bleibt die gleiche Zahl an Pfarrstellen, aber es sind weniger Köpfe. Das wird nicht ohne neue Verabredungen in der Region gehen.“ In Gönna Hartmann-Petersen habe die Gemeinde jemanden gehabt, der „Herz und Sinn für Struktur“ habe und ein „großes Gespür dafür, was gerade nötig ist“. Mit solchen Talenten ausgestattet, sei die Entscheidung für die neue Stelle in Flensburg eine „gute und richtige“ gewesen.

Und während also Gönna Hartmann-Petersen ihren persönlichen Wandel schon vollzogen und ihrer Kirchengemeinde in den zurückliegenden zehn Jahren ganz offensichtlich ihren Stempel aufgedrückt hat, steht eben dieser Gemeinde nun der nächste Wandel bevor. Ganz egal, wie man es dreht und wendet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen