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Jahresbilanz - Teil 2 : „Das Bad muss nicht in Kappeln stehen“

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Fraktions-Chefs möchten eine neue Schwimmhalle – aber nicht zwingend auf dem Gelände der früheren Marinewaffenschule.

shz.de von
erstellt am 02.Jan.2014 | 07:30 Uhr

Im zweiten Teil unseres Gespräches mit den Fraktionsvorsitzenden Matthias Mau (CDU), Rainer Moll (SPD), Christian Andresen (SSW), Michael-Sven Schattka (B 90/Grüne) und dem amtierenden Fraktionsvorsitzenden Peter Koch (LWG) geht es unter anderem um die Schleiterrassen und das Schwimmbad.


Schleiterrassen


Ursprünglich sollte der B-Plan für die Schleiterrassen zum Jahresende aufgestellt sein. Das hat nicht mehr geklappt.

Matthias Mau: Das, was sich die AMA uns 2011 präsentiert hat, scheint – vorsichtig ausgedrückt – schwieriger zu sein, als sie sich das damals gedacht hat. Kappeln hat kein Geld, und deshalb können wir nicht wohlwollend auf solch ein Projekt gucken, sondern müssen wirklich strikt auf Einhaltung gewisser Regeln achten, beispielsweise Erschließungsbürgschaften. Für einen Investor kann das ein Problem sein. Bei aller Kreativität geht Verantwortung für diese Stadt immer vor.

Rainer Moll: Ich kann das unterstreichen. Es hakt ein bisschen bei den städtebaulichen Verträgen, bei der Auffassung, was dort hinein gehört und wie die Stadt sich absichern kann. Ich bin aber überzeugt, dass wir mit der AMA einen Kompromiss finden.

Christian Andresen: Wir entscheiden nur für die Stadt, niemals für die AMA. Entscheidend ist, was der Stadt gut tut und wie wir Gefahren minimieren können.

Mit dem Risiko, dass dann der Investor vielleicht irgendwann die Segel streicht?

Andresen: Damit müssten wir dann auch leben. Wir haben eine viel zu große Verantwortung den Bürgern gegenüber, als dass wir mit irgendwelchen Geldern oder Zugeständnissen leichtsinnig umgehen.

Peter Koch: Da sind wir uns alle einig. Wir wollen, dass drüben gebaut wird, aber nicht auf Teufel komm raus.

Herr Schattka, für Port Olpenitz haben Sie ja schon einen Zeitplan festgelegt. Wie sieht das denn bei den Schleiterrassen aus ?

Michael-Sven Schattka: Wir haben bei den Schleiterrassen einen sehr seriösen Investor, der solche Projekte in der Größenordnung handhaben kann. Aber es ist tatsächlich wichtig, dass wir rüberbringen, was wir an Risiko zu tragen bereit sind. Was den Zeitplan betrifft, spricht die AMA ja selber schon von zehn Jahren.

Mau: Es geht jetzt darum, die Interessen der Stadt und der AMA zusammenzubringen. Wir wollen natürlich nicht grundsätzlich im Wege stehen, aber es gibt eben Grenzen.


Schwimmbad


Auf dem Areal der Schleiterrassen wäre ja auch Platz für ein neues Schwimmbad. Fast fertig ist allerdings schon das neue Bad in Damp. Haben Sie dafür schon eine Dauerkarte ?

Andresen: Erstmal nehmen wir die Jahreskarten für unser Bad in Anspruch. Und unabhängig davon gibt das Spaßbad in Damp nicht die Möglichkeit her, Schwimmen zu lernen. Der SSW befürwortet auf jeden Fall den Bau eines Lehrschwimmbeckens. Der Bau wird aber weniger Probleme bereiten als die Unterhaltung. Daher begrüßen wir die Idee des Bürgermeisters, die umliegenden Gemeinden zu einem Zweckverband zu vereinen, um die Unterhaltung zu sichern.

Genau das wird ja derzeit abgeklopft. Süderbrarup hat bereits abgewunken, Rabel steht dem Ganzen positiv gegenüber. Wie verlässlich kann dieser Ansatz sein ?

Koch: Wenn wir das machen wollen, müssen wir Verträge schließen. Die LWG möchte auch gerne ein Lehrschwimmbad bauen. Das muss gar nicht dort passieren, wo es derzeit steht, das kann auch an der Klaus-Harms-Schule sein oder an der Gorch-Fock-Schule. Es wäre aber wirklich schön, wenn die anderen Gemeinden mitziehen.

Moll: Wir haben das Bad ursprünglich für zwei Jahre übernommen, um in der Zeit einen Investor zu suchen. Das hat nicht geklappt. Die Runde mit den Bürgermeistern hat damals auch schon stattgefunden – ist aber in die Hose gegangen. Bis 2011 hat die Stadt das Bad alleine aufrechterhalten. Dann kam die AMA, die uns eine finanzielle Unterstützung für drei Jahre, also bis 2014, zugesagt hat. Danach können wir das alte Bad abschreiben.

Und die Uhr tickt.

Moll: Die Uhr tickt, ja. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die AMA nach 2014 noch weiter für das Bad zahlt. Wir müssen zusehen, dass wir zumindest im nächsten Jahr die Grundzüge für ein neues Bad hingestrickt haben, damit die Wartezeit möglichst klein wird.

Schattka: Das alte und das neue Bad haben eigentlich gar nichts miteinander zu tun. Das alte ist abgängig. Punkt. Und nun können wir Wünsche äußern, wie ein neues umgesetzt werden soll. Der Bau könnte durchaus dargestellt werden, die Unterhaltung kann die Stadt nicht leisten. Das ist keine pflichtige Aufgabe, so notwendig sie uns auch erscheint. Irgendwann werden wir uns hinsetzen müssen, um zu kalkulieren. Und wenn das mit schwarzen Zahlen aufgeht, ist es gut – wenn nicht, werden wir kein Bad haben.

Mau: Ich finde es gut, was der Bürgermeister mit den Nachbargemeinden angeschoben hat. Aber wir können die anderen auch nicht immer nur mit den Wünschen der Stadt Kappeln konfrontieren. Vielleicht ist es ja sogar egal, ob das Schwimmbad in Kappeln steht oder in Gelting. Aber wir wissen jetzt schon, dass 2014 Schluss ist und wir nicht sofort im Anschluss ein Bad haben werden. Es wird eine Phase ohne Schwimmbad geben.

Schattka: Matthias Mau hat ja recht, tatsächlich muss ein neues Bad nicht in Kappeln stehen. Wenn es in erreichbarer Entfernung liegt, ist das völlig in Ordnung.

Andresen: Es ist auch kein Bad für Kappeln, sondern für die Region.

Ein Schwimmbad wird also 2014 kaum Realität werden. Aber wie sehen Ihre machbaren Wünsche und Pläne für das nächste Jahr aus ?

Mau: Natürlich brauchen wir mehr Bevölkerung hier in Kappeln, und wir sollten alles dran setzen, damit wir die angefangenen Projekte tatsächlich weiterentwickeln. Wir müssen gewerbliche Arbeitsplätze bekommen, aber auch das geht nicht von heute auf morgen. Es sollte aber möglich sein, an 365 Tagen im Jahr in Kappeln zu arbeiten, nicht nur im Saisongeschäft. Auch um Gewerbeflächen sollten wir uns bemühen. Haushaltskonsolidierung wird uns ebenfalls weiter beschäftigen.

Schattka: Das eine greift ins andere. Wir müssen tatsächlich versuchen, Betriebe anzusiedeln, die unsere Projekte begleiten. Dafür sind diese Projekte wirklich geeignet. Es sollte eine Einrichtung geschaffen werden, die raus geht und Kappeln verkauft – nicht als Touristenstadt sondern als Wirtschaftsstandort. So etwas sollten wir 2014 zumindest auf die Schiene setzen, damit es 2015 Fahrt aufnehmen kann. Der Mittelstand ist die stabile Säule.

Koch: Deshalb ist es wichtig, dass wir beide Großprojekte aktiv begleiten, denn die bringen uns nachher diese kleinen und mittelständischen Betriebe mit den Arbeitsplätzen. So gelingt es uns auch besser, jüngere Menschen in Kappeln zu halten. Außerdem treibt uns ebenfalls die Haushaltskonsolidierung um.

Moll: Das Meiste ist gesagt. Haushaltskonsolidierung fällt uns erheblich leichter, wenn die beiden großen Projekte zügig vorangehen. Mir persönlich ist wichtig, dass wir im nächsten Jahr einen großen Schritt machen, was die Zusammenfassung der Tourismusstrukturen betrifft. Jeder Tourist muss hart umkämpft werden, da ist es besser, wenn eine große Organisation das macht. Jeder soll seine Identität behalten, aber wir können nicht zweigleisig fahren. Ich wünsche mir, dass spätestens 2015 ein gemeinsames Gastgeberverzeichnis der Ostseefjord-Schlei-GmbH und des Touristikvereins erscheint.

Andresen: Arbeitsplätze sind auch für uns das Wesentlichste, um die Stadt am Leben zu erhalten und sie nicht zur Rentnerstadt werden zu lassen.

Mau: Ein Ziel müsste es auch sein, mit den umliegenden Gemeinden nicht nur über Schwimmbäder zu sprechen. Wir sollten uns so aufstellen, dass wir als Stadt interessant sind für andere Kommunen und Verwaltungen. Ich habe häufig das Gefühl, dass die Stadt alleine steht und die Umlandgemeinden ihr eigenes Ding machen. Wir sollten in einen Dialog kommen, und die Stadt sollte sich so verhalten, dass man auf Augenhöhe mit den anderen Bürgermeistern gemeinsame Projekte umsetzen kann. Die Einheiten können größer werden, unsere Verwaltung lässt das zu. Aber das dürfen wir nicht fordernd nach außen tragen, sondern nur im Dialog erarbeiten. Damit wir als Partner auch ernst genommen werden.

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