zur Navigation springen

Ende des Fördervereins : Countdown bis zum bitteren Ende

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Mit 7:1 Stimmen beschließt der Förderverein Schwimmhalle auf seiner Mitgliederversammlung die Auflösung.

Zum Jahresende schließt die Schwimmhalle endgültig ihre Pforten. Dann enden die Bad-Zuschüsse der AMA als Investorin der Schleiterrassen auf dem Gelände der ehemaligen Marinewaffenschule. Der Förderverein Schwimmhalle hat daraus die Konsequenzen gezogen. Am Donnerstagabend lud der Verein zu einer Mitgliederversammlung ein. Es sollte die Auflösungsversammlung des Vereins werden.

Es sind gerade mal acht von 56 Mitgliedern, die den Weg in den großen Sitzungssaal des Rathauses finden. Vorsitzender Rainer Moll wartet mit dem Sitzungsbeginn einige Minuten, aber es werden nicht mehr Mitglieder. Er begrüßt die Anwesenden und erteilt Bürgermeister Heiko Traulsen das Wort. Der hält sein Grußwort ganz in moll. „Die Stimmung hier passt zu dem traurigen Anlass“, meint Traulsen. Was bleibe, sei eine Rückschau und der Dank für Spenden und Anschaffungen, die zum Erhalt der Schwimmhalle beigetragen hätten. Traulsen: „Die Tagesordnung liest sich zunächst ganz ordentlich, doch ab Punkt zehn bekomme ich Schluckbeschwerden.“ An diesem Punkt zehn steht der Beschluss über die Auflösung des Vereins an. Und Traulsen selbst kann auch wenig zur Aufhellung der Stimmung beitragen. „Die Stadt Kappeln hat bislang keine Perspektive zur Errichtung einer neuen Schwimmhalle“, sagt er. Doch ab nächstem Jahr sei das Schulschwimmen in Süderbrarup gesichert. „Das ist wenig, aber zumindest können wir so unseren Kindern das Schwimmen beibringen“, meint der Bürgermeister.

Rainer Moll geht noch einmal das Protokoll der Jahresversammlung des Vorjahres durch und dankt seinem Vorgänger Dr. Helmut Graunke, der zuvor fünf Jahre lang den Verein geleitet hat, für seinen Einsatz. Zum Schwimmbad sagt der erste Vorsitzende: „Ohne die AMA können wir gar nichts machen.“ Und als Moll schon zum nächsten Tagesordnungspunkt wechseln will, macht ihn Schriftführer Dieter Wattenberg darauf aufmerksam, dass das Protokoll des Vorjahres erst genehmigt werden muss. Moll lässt das Protokoll genehmigen und entschuldigt sich: „Die Sache geht auch an mir nicht spurlos vorbei.“ Die Tagesordnung ist an diesem Abend wie ein Countdown bis zum endgültigen Knockout. Mit jedem weiteren Punkt kommt der Verein seinem Ende näher. Es ist ein K.O. in Raten. Bei zehn ist der Verein ausgezählt.

Im vergangen Jahr hat der Verein drei Mal Freikarten für Besucher der Kappelner Tafel verteilt, auch Tschernobyl-Kinder kamen in den Genuss eines freien Schwimmbad-Eintritts, wie Moll in seinem Bericht vorträgt. Im Vergleich zu den Vorjahren sind es nur eingeschränkte Aktivitäten, über die der Vorsitzende informieren kann. Dabei hat der Verein seit seiner Gründung 2001 rund 85.000 Euro in unterschiedlicher Form dem Schwimmbad zukommen lassen. Viele Geräte wie Wasserrutsche oder Ein-Meter-Brett hat der Förderverein angeschafft. Hinzu kommen Ausgaben für soziale Zwecke wie Freikarten von nochmals 15.000 Euro.

Jetzt weist Schatzmeister Knut Grieger in der Kasse ein Plus von knapp 1500 Euro aus. „In diesem Jahr, bei dieser Situation bin ich nicht mehr als Treppen-Terrier losgezogen. In dem Wissen was passiert, hätte ich mich geschämt, jetzt auch noch Geld einzusammeln“, sagt Grieger. Die Mitglieder entlasten den Vorstand einstimmig.

Dann kommt der besagte Tagesordnungspunkt zehn und der Beschluss über die Auflösung des Vereins. Dazu zitiert Rainer Moll einige Passagen aus der Satzung. Demnach besteht der Zweck des Vereins in dem Erhalt der Schwimmhalle als Familien- und Sportbad und in der Förderung des öffentlichen Schwimmbetriebs.

Die Schwimmhalle ist laut Moll nicht mehr zu halten, der Vertrag mit der AMA läuft aus, und damit ist der Vereinszweck nicht mehr gegeben. „Ich halte es für einen Widerspruch, wenn der Verein jetzt weiter besteht, obwohl er seinen Zweck nicht mehr erfüllen kann“, sagt Moll und fügt hinzu, dass Grieger und er andernfalls für den Vorstand auch nicht mehr zur Verfügung stünden. Ein neues Bad ist laut dem Vereinsvorsitzenden nicht in zwei Jahren zu errichten, in der Zwischenzeit würde der Verein seinen Zweck nicht erfüllen und damit die Gemeinnützigkeit verlieren. „Wir haben dann kein Schwimmbad, müssten aber Beiträge erheben – wie sollen wir das den Mitgliedern erklären?“, fragt Moll in die Runde. Nur der ehemalige Bad-Geschäftsführer Manfred Bohner kündigt Vorbehalte und seine Enthaltung an. Von den acht stimmberechtigten Mitgliedern müssen drei Viertel für die Auflösung stimmen, damit der Beschluss gültig ist. „Eine Enthaltung kommt einer Nein-Stimme gleich“, sagt Moll. Am Ende stimmen sieben Mitglieder für die Auflösung – Bohner entscheidet sich im letzten Moment für ein Nein. Damit befindet sich der Verein in der Abwicklung.

Zu den Liquidatoren, die den Verein in diesem Zustand vertreten, wählt die Versammlung einstimmig Moll und Grieger, nicht ohne beiden vorher ausdrücklich für ihre bisherige Arbeit zu danken. Das Vereinsvermögen, dazu gehören neben den Barmitteln die für die Schwimmhalle angeschafften Geräte, versuchen die Liquidatoren nun zu Geld zu machen. Dafür haben sie ein Jahr Zeit. Das Geld soll dann zu gleichen Teilen an die DLRG-Ortsgruppen Kappeln und Gelting-Golsmaas-Hasselberg gehen. Moll und Grieger werden dann auch die Löschung des Vereins in Auftrag und bekannt geben. Doch eigentlich ist der Förderverein der Schwimmhalle Kappeln seit Donnerstagabend schon Geschichte.


zur Startseite

von
erstellt am 22.Nov.2014 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert