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Schlei-Bote

22. Oktober 2017 | 07:34 Uhr

Kappeln : Containerdorf für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Stadt rechnet damit, dass der Wohnraum für Asylbewerber bald nicht mehr ausreicht – und hält eine Fläche in Loitmarkfeld bereit.

shz.de von
erstellt am 29.Apr.2015 | 07:30 Uhr

Bei der Aufnahme von Flüchtlingen stößt die Stadt – wie es scheint – zunehmend an ihre Grenzen. Bei einem weiteren Anhalten des Flüchtlingsstroms steht auch der Grundsatz einer dezentralen Unterbringung der Menschen auf der Kippe. Dies wurde am Montagabend in der Sitzung des städtischen Bauausschusses deutlich. In der Sitzung ging es um einem Grundsatzbeschluss für die Ausweisung einer Fläche zum Zweck des sozialen Wohnraums, insbesondere zur Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbegehrenden. Damit will sich die Stadt frühzeitig für den Ernstfall wappnen, um im Bedarfsfall nicht unnötig Zeit zu verlieren. „Noch gibt es genügend Wohnraum zur Unterbringung der Flüchtlinge“, versicherte die stellvertretende Bauamtsleiterin Annette Kießig. Doch sei es denkbar, dass der vorhandene Wohnraum irgendwann nicht mehr ausreiche. Bürgermeister Heiko Traulsen sagte, dass in diesem Jahr in Schleswig-Holstein insgesamt 20.000 Flüchtlinge erwartet werden. „Für Kappeln bedeutet dies, dass wir 25 bis 30 Wohnungen vorhalten müssen“, so Traulsen.

Um den vorhergesagten erheblichen Anstieg der Asylbewerber-Zuweisungen in den Griff zu bekommen, ist für die Verwaltung auch das Aufstellen von Containern in Modulbauweise denkbar. Kießig stellte mit dem ehemaligen rund 6000 Quadratmeter großen Sportgelände an der Eckernförder Straße in Loitmarkfeld und der früheren rund 3000 Quadratmeter großen Sportfläche in Mehlby zwei stadteigene Gebiete vor, die als Wohnflächen für sozialen Wohnungsraum genutzt werden könnten. Doch für beide Areale müsste ein Bauleitplanverfahren in Gang gesetzt werden. Dabei favorisierte die Verwaltung zu diesem Zweck das Areal in Loitmarkfeld. Denn das Gebiet in Mehlby käme am ehesten als Wohnbaufläche in Frage, zumal es im F-Plan auch schon so ausgewiesen ist. Und von unbebauten Wohnflächen hält die Stadt, die am Zuzug junger Familien interessiert ist, nicht viele vor.

Marta Kraft (CDU) begrüßte die Aufnahme von Flüchtlingen. „Das ist eine Chance für Kappeln, weil die Flüchtlinge häufig über gute Qualifikationen verfügen“, sagte sie. Die Vorstellung von einem Containerdorf hatte in der Runde allerdings wenig Anziehungskraft. Manche Ausschussmitglieder suchten nach anderen Möglichkeiten. Axel Langkowski (CDU) fragte, warum man nicht die Leerstände in Ellenberg für die Zwecke nutze und betonte: „Container finde ich nicht prickelnd.“ Der Bürgermeister antwortete, dass in dem einen Ellenberger Hochhaus der Leerstand unter drei Prozent betrage. Für das andere Hochhaus gebe es einen Gewerbemietvertrag, der für Kappeln große Nachteile bedeute.

Corinna Graunke (CDU) meinte: „Wir sind uns sicher alle einig, dass ein Containerdorf nicht optimal ist.“ Doch gebe es auch Grenzen für eine Kleinstadt. „Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, alle Flüchtlinge dezentral unterbringen zu können“, so die CDU-Parteivorsitzende. Als Alternative zu einem Containerdorf schlug Graunke die Nutzung der zum
31. Januar 2016 schließenden Förderschule in der Hindenburgstraße vor. Doch hier meinte der Bürgermeister: „Die muss dann erst umgebaut werden.“

Friedrich-Wilhelm Federlin (Grüne) sagte, dass die heutigen Container wohnlich und anschaulich wären, allerdings würden sie auch einiges kosten. Traulsen antwortete: „Ja, das sind keine Container wie im Hamburger Hafen.“ Vielmehr handle es sich um eine Modulbauweise. Dabei hätten manche Container auch Satteldächer. Der Bürgermeister riet aber dazu, auf Qualität zu achten und nicht die billigste Ausführung zunehmen. SPD-Fraktionsvorsitzender Rainer Moll unterstützte diese Sichtweise. „Dann finden wir auch eine Anschlussverwendung für die Containerdörfer als Schlichtwohnung“, so Moll.

Michael Arendt (LWG) bezeichnete es als richtig, sich bereits im Vorfeld mit dieser Frage zu beschäftigen. Zumal auch die Container aufgrund der großen Nachfrage in Deutschland nicht sofort lieferbar wären. „Das alles braucht einen gewissen Vorlauf“, so Arendt.

Bei der Frage, ob beide Gebiete oder nur eines für die Unterbringung der Flüchtlinge in Betracht kommen, plädierte Norbert Dick (Grüne) für Mehlby. „Dieses Gebiet liegt näher an der Innenstadt, und die Wohnbebauung dort ermöglicht eine bessere Integration“, sagte er. Dagegen sprach sich Moll wegen der „besseren Vorsorgungsmöglichkeiten“ für Loitmarkfeld aus. Am Ende entschied sich der Bauausschuss für Loitmarkfeld. Grüne und SSW bevorzugten Mehlby, unterlagen damit aber in der Abstimmung.

Die Verwaltung wird nun Angebote von drei Büros zur Überplanung des Gebietes in Loitmarkfeld einholen. Sobald ein Büro den Auftrag erhalten hat, wird ein Aufstellungsbeschluss entworfen.

 

 

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