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Süderbrarup : Circus Krone: Innen große Show, draußen Proteste

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Verbale Auseinandersetzungen: Bei der Premiere von Circus Krone in Süderbrarup trafen viele begeisterte Zuschauer auf wenige Tierschützer.

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Die Papageien kreisen über den Köpfen der Zuschauer, deutlich spürbar ist ihr dichter Flügelschlag. Der Boden unter dem Zelt zittert, als Elefanten, Pferde und das Zirkus-Nashorn in die Manege einlaufen und „Crazy Wilson“ landet nach einem Salto Mortale in zehn Metern Höhe plötzlich in der Loge nebenan. Man kann über die Notwendigkeit eines Zirkusses diskutieren. Doch wenn man sich auf die Darbietung von Circus Krone, der am Freitagnachmittag seine erste Vorstellung auf dem Süderbraruper Marktplatz gab, einlässt, kommt man kaum zum Verschnaufen.
17 außergewöhnliche Programmnummern werden – unterstützt von treibender Musik – in einem derartigen Tempo angeboten, dass man sich nach drei Stunden Programm fragt, wo die Zeit geblieben ist. Anders als auf dem Sofa vor dem TV ist das Erlebnis um ein Vielfaches intensiver. Das gilt auch für den typischen Zirkusgeruch, der angeblich aus den Komponenten Sägemehl, Popcorn und Elefantenurin besteht.

Auch die Reaktionen des Publikums kommen ungefiltert an. Da entsteht ein kollektives „Ah“, wenn nach den Kaskaden der Clowns die Elefanten ohne Ankündigung aus dem Dunkel auftauchen. Oder es gibt nach dem Raubtierspektakel den stärksten Applaus des Abends – nicht nur für den Dompteur, sondern auch für die Zirkusmitarbeiter, die den Käfig in Nullkommanichts verschwinden lassen. Clown Fumagalli und seine Mitwirkenden Daris und Nikolai Tovarich ernten nach der Wasserschlacht beim berühmten „Bienchen“-Sketch Zugabe-Rufe. Julia Jakob (11) aus Hamburg, die gerade ihren Urlaub in Angeln verbringt, darf bei der Seelöwen-Nummer assistieren. Drei andere Mädchen werden von Sonnensittichen umschwärmt. Und Jongleur Picaso Junior lässt sich seine Teller aus dem Publikum zurückwerfen. Interaktion zwischen Künstlern und Publikum ist angesagt.

Und ganz zuletzt bleibt das Staunen: 26 Raubtiere in einem Käfig, ein Trapezkünstler, der ins Netz und wieder ans Trapez springt oder ein mongolischer Kraftmensch, der ein Gewicht von über 350 Kilogramm mit den Zähnen anhebt, lassen die Zuschauer an ihren Augen zweifeln.

Doch derart beeindruckt von der bunten Welt unter der Zirkuskuppel , erwartet die Zuschauer nach der Vorstellung draußen etwas ganz anderes. Dort haben sich Tierrechtler mit Flyern und Plakaten, bei denen meist nur der Städtename geändert wird, positioniert. Ihre Forderung: Sie verlangen einen Zirkus ohne Tiere, denn dies bedeute Tierquälerei. Etwa 35 Protestler machten bei der Premiere in Süderbrarup ihrem Ärger Luft.

Ihr Gegenpart ist die „Gesellschaft der Circusfreunde“. „Wir sind für den Erhalt des Zirkusses mit Tieren aller Art“, erklärt Ottmar Liebicher aus Kiel, Leiter der Sektion Hamburg und Schleswig-Holstein, der im Zirkuseingang Prospekte verteilt. Die Gesellschaft sei davon überzeugt, dass die Tiere beim Unternehmen Krone gut gepflegt und behandelt würden. Nach polizeilichen Angaben gab es nur kurze verbale Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppierungen.

In Süderbrarup zeigt Circus Krone heute ab 15.30 Uhr seine letzte Show. Danach reist der Zirkus weiter. Eutin, Kiel und Neumünster sind die nächsten Spielstätten.

 





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