Charmante Heringstage gehen zu Ende

Etwa eine Viertelstunde lang glühte der Himmel über der Schlei am Freitagabend in spektakulären Farben. Foto: Maschmann
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Etwa eine Viertelstunde lang glühte der Himmel über der Schlei am Freitagabend in spektakulären Farben. Foto: Maschmann

Ausgebautes Kinderprogramm wurde gut angenommen / DRK und Polizei sind zufrieden mit Festverlauf / Geschätzte 40 000 Besucher

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13. Mai 2013, 10:02 Uhr

Kappeln | Die 35. Heringstage sind vorüber. Vier Tage, in denen Kappeln mehr als gut gefüllt war mit Menschen und Majestäten, mit Musik und Animation, mit Zuggeräuschen und ganz viel Heringsduft gehören nun der Vergangenheit an. Und auf einmal kommt einem die Stadt so merkwürdig still vor. Gestern war das noch vollkommen anders. Pünktlich um zehn Uhr startete der Open-Air-Gottesdienst am Südhafen mit dem - zumindest für die erste Viertelstunde im wahrsten Sinne des Wortes passenden - Motto "Ströme lebendigen Wassers": Es regnete spürbar. Trotzdem waren gut

50 Menschen erschienen, die Platz unter einem Zeltdach gefunden hatten, weitere scharten sich um den Tresen eines - noch geschlossenen - Getränkestandes. Pastor Christoph Sassenhagen sprach vom Wasser als Quelle des Lebens, von einem ersehnten Leben im Fluss, vor dem viel Mühsal stehe, vom Lebensdurst, der aus der Seele komme und vom Kräfteverschleiß, dessen Folge eine innere Dürre sei. Zwischendurch machte sich derweil immer mal wieder die Dampfeisenbahn bemerkbar, schickte akustische und optische Signale in Richtung Gottesdienstbesucher. Auf der anderen Seite karrte jemand mehrere Getränkepaletten über den Asphalt. Eine Geräuschkulisse, wie sie wenig typisch ist für einen Gottesdienst, aber umso typischer für die Heringstage. Und eben dieser Mix machte den Charme der Sache aus.

Ohnehin schienen diese Heringstage vor allem mit Blick auf die jüngeren Besucher besonders charmant auftreten zu wollen. Vor dem "Superhopser" standen Kinder mit weit aufgerissenen Augen und verkündeten laut: "Da muss ich rein." Das 38 Meter hohe und in den vergangenen Jahren häufig vermisste Riesenrad erfreute ganze Familien. Auf dem Deekelsenplatz wartete die Baptisten-Gemeinde mit einem kostenlosen Kinderprogramm auf, darunter "Bungee-Run" und eine Rodeo-Anlage. Und das Fazit von Uwe Vergin, einem der Verantwortlichen, fiel gestern eindeutig aus: "Das wurde spitzenmäßig angenommen. Wir haben viele Stimmen gehört, wonach so etwas in der Vergangenheit einfach gefehlt habe." Vor allem am Donnerstag sei es phasenweise richtig eng geworden auf dem Deekelsenplatz. Außerdem hat Vergin festgestellt, dass nicht nur Touristen, sondern auch Kappelner unter den Besuchern waren. Eine große Konkurrenz zu den kostenpflichtigen Fahrgeschäften am Hafen schien das Angebot derweil nicht zu sein. Die Kappelnerin Patricia Pridik jedenfalls betonte, beides genutzt zu haben. Nach einem schnellen Mittagessen habe ihr knapp dreijähriger Sohn John-Luka allerdings unbedingt wieder auf den Deekelsenplatz gewollt.

Dass das Kinderprogramm gepunktet hat, ist dem Hauptverantwortlichen Jürgen van Schöll nicht verborgen geblieben. "Da war permanent Betrieb", fasste der Geschäftsführer der Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH (WTK), zusammen. "So hatten wir uns das vorgestellt." Auch von Händlern und Standbeschickern habe er überwiegend positive Resonanz erhalten, Besucher hätten sich zudem lobend über Mischung und Aufbau geäußert. Van Schöll schätzt die Zahl derjenigen, die die Heringstage erlebt haben, auf 40 000, die meisten davon waren am Donnerstag in der Stadt. Gleichwohl habe es einzelne Elemente gegeben, die nicht funktioniert hätten, etwa das Angebot "Open Stage" am Sonnabend oder ein Band-Auftritt am Freitag. Van Schöll: "Das müssen wir ändern. Aber die Marschrichtung als solche ist die richtige."

Von sehr ruhigen Heringstagen berichteten derweil Polizei und DRK. Auffälligster Tag sei wie immer der Donnerstag gewesen. Rainer Detlefsen, stellvertretender Polizeirevierleiter, sprach von Alkoholmissbrauch - auch bei Minderjährigen - und Anwohnerbeschwerden, wenn die Musik aus den Bollerwagen zu laut war. "Manche haben es dann sofort leiser gedreht, andere musste man zweimal ermahnen", sagte Detlefsen gestern. Auf dem Gelände der Heringstage sei es zudem zu einer Körperverletzung gekommen, der Verursacher wurde in Gewahrsam genommen. Außerdem habe man einige Platzverweise ausgesprochen und an anderer Stelle Messer sichergestellt. An der "Problemzone Südhafen" hatte die Polizei zudem im Vorfeld einige Lichtstrahler am Silo angebracht, um den Platz ausleuchten zu können. Detlefsen: "Grundsätzlich hatten wir die Tage gut im Griff, die Zusammenarbeit mit Jugendzentrum und Sicherheitsdienst hat gut funktioniert."

Auch das DRK-Team fand im Donnerstag seine Hauptbeschäftigung. Einsatzleiter Steffen Räth zählte rund 30 Hilfeleistungen auf, in den Folgetagen sei man jeweils etwa auf die Hälfte gekommen. Täglich war das DRK in zwei Schichten mit je mindestens sechs Kräften präsent, die sich auch um alkoholisierte Minderjährige oder gestürzte Personen kümmern und vereinzelt nach Schlägereien tätig werden mussten. Räth: "Unterm Strich war das aber alles weniger als sonst." Ein Mann musste aus der Schlei geborgen und mit leichten Unterkühlungen ins Krankenhaus gebracht werden - er war alkoholisiert ins Wasser gefallen. Sind Sie bei den Heringstagen gewesen ? Klicken Sie sich durch unsere kleine Bildergalerie unter www.facebook.com/SchleiBote

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