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Schlei-Bote

18. August 2017 | 20:31 Uhr

Chanson-Theater charmant serviert

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Berliner Schnauze trifft argentinischen Tango / Duo „PianLola“ sorgt in der Kappelner Koslowski-Halle für gute Stimmung

Mit ihrem typisch Rotzgören-Charme bricht die Portiersfrau das Herz des südamerikanischen Pianisten: eine Liebesgeschichte, verbunden mit der Suche nach sich selbst und dem passenden Partner. Tatort ist Berlin, und in Szene gesetzt hat die Geschichte „PianLola“ – ein deutsch-spanisches Chanson-Theater mit Lola Bolze (Gesang) und Jorge Idelsohn (Piano), das erstmals in Schleswig-Holstein auftrat. Die Besucher hatten in der Koslowski-Halle ihre helle Freude an dem Geschehen auf der Bühne.

In ihr Spiel haben die beiden Lieder aus den 1920er- bis 1960er-Jahre eingebunden – und da durfte „Aber der Novak lässt mich nicht verkommen“ natürlich nicht fehlen. Berliner Schnauze und argentinische Tangomusik erwies sich als eine Mischung, die ankam, die gefiel. Auch deshalb, weil schnell ein Bezug zu Kappeln hergestellt war. Schließlich war der Pianist in diesem Stück auch Komponist mit dem Auftrag, ein Klavierstück für die „Philharmonie“ in der Schleistadt zu schreiben.

Wie Jorge Idelsohn am Rande des Auftritts erzählte, erblickte er vor 55 Jahren in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires das Licht der Welt. Seine Eltern sorgten dafür, dass er erst einen deutschen Kindergarten und dann eine deutsche Schule besuchte. Als ausgebildeter Klassik-Pianist mit einem Faible auch für Tango und Populärmusik lebte er 20 Jahre lang in Barcelona. Vor drei Jahren wollte er sich verändern und entschied sich der Sprache wegen für Berlin.

Da holte ihn sich ganz schnell Lola (Viola) Bolze vom Markt der Arbeit-Suchenden. Denn die 49-jährige Eventmanagerin – in Sachen Theater und Gesang eine Quereinsteigerin – war auf der Suche nach einem Pianisten mit schauspielerischen Ambitionen. Lola Bolze als gebürtige Berlinerin hat nicht nur ihr Herz auf dem rechten Fleck, sondern auch die den Einwohnern nachgesagte typische Schnauze: „Wat kiekste denn so, hat dir keener gesagt, dat Pause is?“

Mit ihrem Berliner Kabarett plus argentinischer Tanzmusik treten sie als „PianLola“ überall dort auf, „wo man uns haben will“ – in diesem Fall also in Kappeln. Seit Mai haben sie einmal im Monat ein festes Engagement – spielen und singen an Bord eines Spree-Ausflugdampfers. Das Eventmanagement liegt Lola Bolze nach wie vor im Blut: Die Vorbereitung eines Auftritts ist für sie wie Einkaufen und Kochen, die Aufführung dann das leckere Essen. Als „Portiersche“ – also Portiersfrau und natürlich in Kittelschürze – zeigt Lola Bolze ihre große Wandlungsfähigkeit, schlüpft in die Rolle eines mit Federboa ausstaffierten Stars: temperamentvoll und immer auch ein bisschen melancholisch. Tangomusik, die gefällt ihr, auch wenn sie bislang mit Männern nicht viel Glück gehabt hat und sich über Emils „unanständige Lust“ beschwert. Schnell zieht sie den Pianisten aus Argentinien in ihren Bann, wird für ihn peu à peu zur komponierenden Inspiration.

Ein kurzweiliger Abend mit Witz, Charme und viel guter Laune, von der sich als Zuhörer Jörg Krause und seine Frau Renate aus Eckernförde gerne anstecken ließen. Krause war von 1998 bis 2001 Kommandeur der Lehrgruppe B in der ehemaligen Marinewaffenschule Ellenberg. Er ist Kappeln in besonderer Weise verbunden, denn schließlich war er einmal Heringskönig und seine Frau sogar zwei Mal Heringskönigin. Tangomusik, sagt er, „ist mein Hör-Ding“.

„Hören ja, tanzen na ja“, so beschreibt Eckhard Schröder aus Moldenit sein Tango-Verhältnis. Schröder, bis 2013 fünf Jahre lang Schleswig-Flensburgs Kreispräsident, ist zusammen mit seiner Frau Ruth nach Kappeln gekommen – in der Koslowski-Halle haben sie vor einigen Jahren ihre Hochzeit gefeiert. Und nun freuten sie sich, einen schönen Abend zu genießen.

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