Chance für Schüler mit Förderbedarf

Das Ausbildungskonzept für Schüler mit Förderbedarf hat viele Unterstützer, darunter Ulrich Krause vom Bildungsministerium (li.), Schulrätin Gabriele Wiese (2.v.li.), Marianne Puzich (3.v.r.) , Leiterin der Schule am Markt Süderbrarup, Hans-Hermann Henken (r.), Leiter des BBZ, und  Kreispräsident Ulrich Brüggemeier (2.v.r.).
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Das Ausbildungskonzept für Schüler mit Förderbedarf hat viele Unterstützer, darunter Ulrich Krause vom Bildungsministerium (li.), Schulrätin Gabriele Wiese (2.v.li.), Marianne Puzich (3.v.r.) , Leiterin der Schule am Markt Süderbrarup, Hans-Hermann Henken (r.), Leiter des BBZ, und Kreispräsident Ulrich Brüggemeier (2.v.r.).

Das Berufsbildungszentrum Kappeln und die Schule am Markt Süderbrarup kooperieren bei der Ausbildung

shz.de von
09. Mai 2014, 15:21 Uhr

Der Kreis Schleswig-Flensburg setzt sich mit einem neuen Konzept an die Spitze der Inklusionsbewegung bei der „beruflichen Qualifizierung für Menschen mit Förderbedarf“. Zu Beginn des kommenden Schuljahres sollen zwölf Schüler der Schule am Markt in Süderbrarup am Berufsbildungszentrum (BBZ) Kappeln unterrichtet und ausgebildet werden. Unterstützt wird die Kooperation zwischen Schule am Markt und BBZ unter anderem vom Fachdienst Integration des Kreises, vom Schulamt, der Industrie- und Handelskammer sowie den Handwerkskammern und weiterer Bildungseinrichtungen, darunter auch das Landesförderzentrum Hören und Sprache in Schleswig. Ziel ist es, Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Menschen mit Förderbedarf so zu gestalten, dass sie dauerhaft mit Menschen ohne Behinderungen „auf Augenhöhe“ und in gegenseitiger Wertschätzung zusammenarbeiten können.

In einem ersten Schritt wird zu Beginn des kommenden Schuljahres am BBZ eine eigene Klasse für die Schüler mit Förderbedarf eingerichtet. Entsprechend ihrer individuellen Leistungsfähigkeit sollen sie in reguläre Klassen in den Ausbildungsbereichen Hauswirtschaft, Pflege und Technik des BBZ integriert werden. Dabei müsse gewährleistet sein, dass die Zusammenarbeit in wertschätzender Form geschehe, sagt Hans-Hermann Henken, Leiter des BBZ. „Nur so kann das funktionieren.“

Marianne Puzich, Leiterin der Schule am Markt in Süderbrarup, betonte: „Für unsere Schüler ist es sinnvoll, die beruflichen Möglichkeiten kennenzulernen in einem inklusiven Kontext.“ Es stelle sich die Frage, was mit Förderschülern nach Ablauf der Regelschulzeit geschehe, die sie zum Teil in integrativen Maßnahmen absolviert hätten. Zurück in die Schule am Markt ohne Außenkontakte ? „Das ist eindeutig ein Rückschritt, der die Schüler separiert“, stellte Puzich fest. Die Kooperation mit dem BBZ biete die Möglichkeit, die Ausbildung mit Gleichaltrigen ohne Behinderungen fortsetzen zu können, Zugang zu Qualifizierung und möglicherweise zum allgemeinen Arbeitsmarkt zu erhalten und so individuelle Berufswege zu gestalten. Die Erfahrung habe gezeigt, dass alle Schüler, mit und ohne Förderbedarf, in Sachen Rücksicht, Toleranz, Anpassungs- und Teamfähigkeit vom gemeinsamen Unterricht profitierten.

Das Vorhaben ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Bis dahin hofft man, ausreichend Erkenntnisse gesammelt zu haben – und dann auch entscheiden zu können, ob sich die Bemühungen um Teilhabe beim Übergang von Schule in den Beruf von Jugendlichen mit Lernförderbedarf auch auf andere Regionen im Land übertragen lassen. Ulrich Krause vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft, Fachbereich Berufsbildende Schulen, dessen Anwesenheit durchaus als Beleg für die Bedeutung, die die Landesregierung dem Vorhaben beimisst, gewertet werden kann, stellte fest: „Es geht jetzt darum, eine Struktur zu schaffen.“ Er wolle das Bildungsangebot als Vorschlag bei der Bertelsmann-Stiftung einreichen, die unter anderem unter dem Stichwort „Chance Ausbildung – jeder wird gebraucht“ besondere Projekte auch zum Thema Inklusion fördert.

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