Bundestagswahl 2013 : CDU läuft sich für Berlin warm

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Als erste Partei im Land startet die CDU im ostholsteinischen Lensahn in die Bundestagswahl 2013.

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16. September 2012, 05:43 Uhr

Kiel | Auf dem Programm der dortigen Wahlkreis-Mitgliederversammlung steht die Nominierung des ersten Direktkandidaten der Nord-CDU. Selbst falls in letzter Minute noch ein Gegenkandidat antritt, ist die Sache klar: Der 2009 siegreiche Verteidigungspolitiker Ingo Gädechens wird erneut aufgestellt.
Spannender wird es in zwei, vielleicht gar drei anderen Wahlkreisen - allen voran in Flensburg-Schleswig. Dort hofft CDU-Landeschef Jost de Jager bei der Entscheidung am 1. Oktober ebenso auf die Nachfolge des aus Altersgründen ausscheidenden Abgeordneten Wolfgang Börnsen wie die Schleswiger Anwältin Sabine Sütterlin-Waack. Zwar gilt der Landeschef als Favorit, das Rennen aber dennoch als offen. "Eine Sache zwischen Herz und Verstand" heißt es, wenn man mit Christdemokraten über das Duell redet: Das Herz spreche bei vielen Mitgliedern für die Kandidatin, die sich schon länger engagiert auf die Wahl vorbereitet hat. Der Kopf jedoch sage, dass man den später ins Rennen gegangenen Parteichef nicht durchfallen lassen und damit de facto stürzen könne.
"Ich bin gewählt, um Bundespolitik zu machen"
Unklar ist der Ausgang der Kandidatenkür auch im Wahlkreis Stein burg-Dithmarschen Süd. Dort muss sich der etablierte Abgeordnete und Gesundheitspolitiker Rolf Koschorrek Ende Oktober gleich zwei Gegenkandidaten stellen - Mark Helfrich aus Dägeling und Markus Müller aus Itzehoe. Koschorrek steht bei Teilen der Parteibasis in der Kritik, weil er sich zu wenig im Wahlkreis blicken lasse. Der räumt durchaus ein, dass sein Schwerpunkt in Berlin liegt: "Ich bin gewählt, um Bundespolitik zu machen." Das komme aber auch dem Wahlkreis zugute, sagt Koschorrek: Ohne seinen Einfluss als Vorstandsmitglied in der Bundestagsfraktion hätte es etwa letztes Jahr kaum die 300 Millionen Euro für den Ausbau der Brunsbütteler Schleusen vom Bund gegeben.

Auch die Nominierung für den Wahlkreis Plön-Neumünster am kommenden Mittwoch ist für eine Überraschung gut: Zwar ist der letztes Mal gewählte Abgeordnete Philipp Murmann bisher einziger Bewerber. Doch gilt die Plöner CDU als gespalten. Manch Christdemokrat hält es daher für möglich, dass aus dem Lager um den gerade aus dem Landtag ausgeschiedenen Sozialpolitiker Werner Kalinka in letzter Sekunde ein Gegenkandidat bei der Versammlung in Neumünster antritt - zum Beispiel Kalinka selbst. Der wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.
2009 kam kein einziger CDU-Bewerber über die Liste ins Parlament
Als völlig unangefochten gelten dagegen die übrigen fünf der aktuell neun CDU-Bundestagsabgeordneten. So dürfte Landesgruppenchef und Innenstaatssekretär Ole Schröder im Kreis Pinneberg ebenso glatt wieder nominiert werden wie Ingbert Liebing in Nordfriesland, Johann Wadephul in Rendsburg-Eckernförde, Gero Storjohann in Segeberg-Stormarn und Norbert Brackmann in Lauenburg-Stormarn Süd.

Unklar ist die Lage in den Großstädten Kiel und Lübeck. Offiziell hat noch niemand den Hut in den Ring geworfen. Gegenüber unserer Zeitung kündigt die jüngst unterlegene Lübecker CDU-Oberbürgermeister-Kandidatin und frühere Hamburger Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig allerdings ihre Bewerbung an: "Ich bin an einer Bundestagskandidatur in Lübeck interessiert." Ihre Chance auf eine Nominierung ist gut - nicht zuletzt, weil außer der Schleswigerin Sütterlin-Waack bisher landesweit keine andere CDU-Frau im Rennen ist. So will die in Kiel bei der vorigen Wahl gescheiterte Michaela Pries nicht wieder antreten: "Meine Lebensplanung sieht derzeit anders aus." Nun wird wohl ihr Parteifreund Michael Prange kandidieren.

Viel zu holen ist für die CDU-Bewerber in Lübeck und Kiel allerdings nicht: Zwar gingen letztes Mal neun von elf Wahlkreisen im Land an die Union - doch in den beiden Großstädten hat sie seit über 40 Jahren nicht mehr gewonnen. Immerhin soll Dinges-Dierig wohl auch den dritten Platz auf der Landesliste erhalten und Prange will wenigstens den siebten. Aber selbst diese Plätze helfen nicht unbedingt in den Bundestag: 2009 kam kein einziger CDU-Bewerber über die Liste ins Parlament.

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