Carlshöhe wird kein Port Olpenitz

Investor Wolfram Greifenberg sieht sein Projekt 'Carlshöhe' auf einem guten Weg. Eine drohende Pleite wie im benachbarten Port Olpenitz bei Kappeln schließt er aus. Foto: Kühl
Investor Wolfram Greifenberg sieht sein Projekt "Carlshöhe" auf einem guten Weg. Eine drohende Pleite wie im benachbarten Port Olpenitz bei Kappeln schließt er aus. Foto: Kühl

Investor Wolfram Greifenberg hat sein "Alterswerk" bereits zu einem Großteil umgesetzt / Marinekaserne bereits ein florierender neuer Stadtteil

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05. November 2011, 06:58 Uhr

Eckernförde | Sieben Jahre dauerte der Dornröschenschlaf der ehemaligen Marinefernmeldeschule Carlshöhe nach der Standortschließung im Juni 2001. Im Februar 2008 hat Investor Wolfram Greifenberg den 15 Hektar großen früheren Marinestützpunkt gekauft und küsste ihn - um im Bild zu bleiben - wach. Im Oktober 2008 wurden der Flächennutzungs- und Bebauungsplan genehmigt, im November gab’s die erste Baugenehmigung. Seitdem gibt es kein Halten mehr: Carlshöhe wächst zusehends zu einem attraktiven neuen Stadtteil mit Arbeitsplätzen, Wohnungen, Freizeit- und Kultureinrichtungen heran. Das einstige Zauberwort "Konversion" - die Umwandlung militärischer in zivil genutzte Liegenschaften - war schon lange nicht mehr zu hören. Kaum einer hat darüber gesprochen, alle haben es einfach gemacht - oder neudeutsch formuliert: Greifenberg kann Konversion.

Im Fahrwasser des in Schieflage geratenen benachbarten Kappelner Groß-Konversionsprojekts Port Olpenitz ist und bleibt Carlshöhe ein Vorzeigeprojekt, wie ein Privatinvestor aus der Region ein brachliegendes Gelände, an dem sich zuvor so mancher die Finger verbrannt hat, zu einem neuen Stadtteil entwickelt - ohne einen einzigen Förder-Euro und damit ohne Belastung der Steuerzahler.

Eine drohende Pleite wie in Olpenitz werde es auf Carlshöhe jedenfalls nicht geben, versicherte Greifenberg. Er hätte sich "für die Region gewünscht, dass es klappt". Persönlich habe er jedoch immer Zweifel an der Realisierung der aufgezeigten Nachfrage nach Luxus-Ferienresorts bei Kappeln in den dargestellten Dimensionen gehabt. Die internen Streitigkeiten und die anfänglichen Probleme mit dem Naturschutz hätten Port Olpenitz zusätzlich belastet.

Greifenberg verweist auf den spürbaren Fortschritt seines Projekts in Eckernförde, auf die im Vergleich zu Olpenitz solide und gesicherte Finanzierung sowie die überschaubaren Dimensionen, obgleich auch im Norden Eckernfördes am Ende 100 Millionen Euro geflossen sein werden.

Bislang hat der Bauherr rund ein Drittel davon in den Abriss und die Sanierung von Altgebäuden, die Erschließung - die allein hat sechs Millionen Euro gekostet -, die Herrichtung der öffentlichen Straßen und Wege sowie den Wohnungsbau gesteckt. Dabei habe er immer das Gesamtprojekt, den Masterplan, im Blick, und gebaut werde nach der Grundsanierung Stück für Stück und ganz nach Bedarf. Sind genügend Büros, Praxen und Wohnungen vermietet oder verkauft, wird das nächste Objekt in Angriff genommen. Dieses Vorgehen funktioniert im Falle Carlshöhes nur, weil der Bauherr frei ist in seinen Entscheidungen und nicht wie andere Investoren unter wirtschaftlichem Druck steht.

In den vergangenen Woche hat Wolfram Greifenberg 12 000 Quadratmeter öffentliche Straßen und Wege an die Stadt übergeben. Demnächst werden dort entsprechende Verkehrsschilder aufgestellt. Carlshöhe ist mittlerweile zu Fuß und mit dem Fahrrad vom Noorwanderweg erreichbar, der Zugang zur mehrere hundert Meter langen Lindenallee ist geöffnet.

Die aufgelockerte Wohnbebauung im Bauhaus-Stil in Verbindung mit Geschäften, Freizeit- und Kultureinrichtungen, Gewerbe und Praxen in schöner Naturlandschaft mache aus Carlshöhe ein besonderes Quartier, das von den Bewohnern und Nutzer auch ganz bewusst und gezielt eben wegen jener beschriebenen Vorzüge nachgefragt werde, sagt Greifenberg. Er spricht daher auch von einer "eigenen Community" auf Carlshöhe, die des Konzepts wegen käme.

Ob Eckernförde aber das Potenzial habe, alle laufenden und zur Umsetzung anstehenden großen Investitions- und Wohnprojekte zu bespielen, bleibe abzuwarten, meint Greifenberg. "Wo sollen all die Leute herkommen ?" Carlshöhe jedoch sei ein (Konversions-)Projekt, das bisher funktioniert habe und auch weiter funktionieren werde.

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