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Filmfest Schleswig-Holstein in Kappeln : „Capitol“ zündet den Testballon

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das Filmfest Schleswig-Holstein verlässt erstmals Kiel, und Kappelns Kino zeigt am Sonntag zwei Vorführungen des Festivals.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2016 | 07:15 Uhr

Eigentlich ist das Filmfest Schleswig-Holstein schon seit über drei Wochen Geschichte. Vom 17. bis zum 20. März flimmerten 44 Filme über Leinwände in der Pumpe Kiel, am letzten Tag des Festivals wurden die Preisträger gekürt. Eigentlich also hat die 20. Auflage der Veranstaltung ihr traditionelles Ende gefunden. In diesem Jahr allerdings dreht das Filmfest zum ersten Mal eine Extrarunde: „Filmfest unterwegs“ heißt das Projekt, das am Sonntag, 17. April, mit mehreren Filmen ausnahmsweise außerhalb Kiels Station macht. Und zwar in den Kappelner „Capitol-Lichtspielen“.

Carmen Schrief und Michael Wittkowski strahlen um die Wette. Die beiden Kinobetreiber freuen sich sehr über den Umstand, Kappelner Außenstelle des Filmfestes Schleswig-Holstein zu sein, das ist ihnen unschwer anzusehen. Michael Wittkowski erinnert sich: „Im vergangenen Herbst hatten wir den ersten Kontakt zum Festivalleiter Arne Sommer. Und als er anrief und uns fragte, ob wir beim Filmfest unterwegs mitmachen wollen, fragen Sie nicht warum, sondern Sie sagen einfach mal ja.“ Der Kino-Experte lächelt. Auch Carmen Schrief blickt dem kommenden Wochenende mit Freuden entgegen. „Wir empfinden das auch ein Stück weit als Auszeichnung“, sagt sie. „Schließlich hätte man auch jedes andere Kino auswählen können.“

Hat man nicht. Festivalleiter Arne Sommer entschied sich für Kappeln – und zwar aus gutem Grund. „Wir sind gut bekannt mit den beiden Kinobetreibern“, sagt Sommer, „weil diese ja auch regelmäßig den Kinopreis Schleswig-Holstein gewinnen“. Die Filmwerkstatt Kiel, deren Leiter Sommer ebenfalls ist, richtet die Preisverleihung für das Kultusministerium aus. Noch wichtiger allerdings: „Die beiden bringen die Begeisterung für Kino und den etwas anderen Film am besten rüber, und zwar über den normalen Betrieb hinaus“, sagt Sommer. „Genauso wünschen wir uns das. Da sind Carmen Schrief und Michael Wittkowski einfach die richtigen Ansprechpartner.“ Und die benötigt er für seinen, wie er es selber nennt, „Testballon“, den das Projekt „Filmfest unterwegs“ darstellt. Sommer erklärt: „Wir versuchen damit, erstmals mit dem eigentlichen Filmfest hinauszugehen und die Menschen in Schleswig-Holstein direkt daran teilhaben zu lassen.“ Immerhin sind ja auch die Filmemacher der Filmfest-Beiträge in Schleswig-Holstein beheimatet oder siedeln ihre Geschichten dort an. „Also“, sagt Sommer, „bringen wir die Geschichten zu den Menschen ins Land“.

Das „Capitol“ hat am Sonntag zwei Vorführungen in petto. Zunächst startet um 11 Uhr das Kurzfilmprogramm mit neun Beiträgen zwischen dreieinhalb und 19 Minuten. Schwarz-Weiß oder Animation, experimentell oder traditionell, mit großer oder kleiner Botschaft – das Spektrum ist groß. Als spezielles Highlight hat Carmen Schrief den fünfeinhalbminütigen Streifen „Das tote Pferd von Plön“ erkoren. Dahinter steckt ein Teaser für, so heißt es im Programmheft, „Deutschlands erste Musical-Webserie“. Schrief sagt: „Der Film ist im positiven Sinne total schräg und intelligent gemacht.“ Sind die Kurzfilme rum, ist eine kurze Pause geplant. Danach geht es weiter mit dem Langfilm „Utbüxen kann keeneen – Weglaufen kann keiner“: eine eineinhalbstündige Dokumentation auf Plattdeutsch, die sich mit altem Handwerk, dem Wandel der Trauerkultur, der norddeutschen Landschaft, den Menschen und ihrer Sprache beschäftigt. Übrigens: Mit eben jenem „Utbüxen kann keenen“ und dem Kurzfilm „Planet Willi“ kann das „Capitol“ auch zwei Preisträger auf der Leinwand präsentieren.

Der Kartenvorverkauf für „Filmfest unterwegs“ hat begonnen: Wer nur die Kurzfilme sehen möchte, zahlt 4 Euro, wer die plattdeutsche Doku vorzieht, zahlt 6 Euro. Beide Vorführungen zusammen können für 8 Euro besucht werden. Carmen Schrief sagt: „Wir freuen uns auf ein filmaffines Publikum, dem es um Filmkunst geht, das aber gleichzeitig eine große Verbundenheit zu Schleswig-Holstein verspürt.“ Für Kappeln erwarten die beiden Kinobetreiber dadurch einen zusätzlichen Werbefaktor. Immerhin könne die Stadt nun mit einer weiteren Veranstaltung nach außen hin auftreten und im weiteren Umfeld punkten. „Schließlich kommt Kiel nach Kappeln“, sagt Carmen Schrief und lächelt. „Das ist so etwas wie die Praline oben drauf.“

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