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Schlei-Bote

18. Dezember 2017 | 21:35 Uhr

Bürger mitnehmen, Minderheiten fördern

vom

SSW-Spitzenkandidat Christian Andresen setzt auf den direkten Draht nach Kiel und fordert den offenen Zugang nach Port Olpenitz

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 12:25 Uhr

Kappeln | "Hier stehe ich öfter und versperre den Blick auf die schöne Bettermann-Skulptur. Vor vielen Jahren hat sich einer mal beschwert, aber inzwischen haben sich die Leute daran gewöhnt", sagt Christian Andresen. Zu Weihnachten oder den Heringstagen steht er auf dem Rathausplatz mit seiner "Futterkiste", jetzt mit einem SSW-Stand, denn An dresen ist Spitzenkandidat für die Partei der dänischen Minderheit und der Friesen. Der 64-Jährige würde mit dem Einzug in die Stadtvertretung Neuland betreten. "Ich weiß, dass ich sehr viel lernen muss", sagt er unverblümt. Doch hat das Lernen offenbar schon längst begonnen. "Ich habe verschiedene Sitzungen in der Stadtvertretung und in Ausschüssen besucht, und als Bürger habe ich da wenig Transparenz gespürt", sagt der SSW-Spitzenkandidat. Vielmehr seien Vorlagen aufgerufen worden und gefragt, wer dafür und wer dagegen sei. Transparenz sei ihm ganz wichtig, schon um der Politikverdrossenheit Einhalt zu gebieten, sagt er verbindlich. In der Sache bleibt er dagegen zunächst vorsichtig. "Ich kann nicht versprechen, dass die Schwimmhalle bleibt", so Andresen, Obwohl er die Einrichtung "extremst wichtig" für die Region hält. "Wo sollen unsere Kinder schwimmen lernen, wo die DLRG und ihre Mitglieder trainieren ?", fragt er und verweist zudem auf die Bedeutung gut ausgebildeter Rettungsschwimmer für den Tourismus.

In Sachen Tourismus hat sich die Stadt nach Ansicht Andresens leicht verzettelt. Er habe nie verstanden, wie städtische Aufsichtsräte der Ostseefjord-Schlei-GmbH (OFS) dem Rauswurf des Touristikvereins als OFS-Gesellschafter zustimmen konnten. "Der Touristikverein hat in Kappeln 40 Jahre lang den Tourismus aufgebaut und gestaltet, und dann wird er mit einem Handstrich weggemacht." Er hofft, dass OFS und Touristikverein nun zu einem Miteinander finden, denn gemeinsam erreichten sie mehr als allein. Bei den Wahlen hofft der gelernte Koch und Restaurantfachmann auf Stimmenzugewinne. "Beim letzten Mal hatten wir zwei Sitze, unser Ziel müssen drei sein. Ich wünsche mir vier, aber das erscheint mir unmöglich." Außerdem hofft Andresen, dass die CDU viele Stimmen verliert, die dann den kleinen Parteien zugute kommen. Das sagt der SSW-Kandidat, weil es seiner Ansicht nach zu mehr Demokratie führe. Dabei verhehlt er aber auch nicht seine Bewunderung für die unternehmerische Leistung des CDU-Spitzenkandidaten Matthias Mau. Doch die Schnittstellen überwiegen mit anderen Parteien, wie mit der LWG und besonders mit SPD und Grünen. Und auch wenn Andresen in manchen Bereichen noch die Erfahrung fehlt, so kann er, wie er glaubt, mit anderen Punkten auftrumpfen, zum Beispiel der Nähe zu den großen Funktionsträgern, der Vorteil einer kleineren Partei. "Ob Ministerin Anke Spoorendonk, oder Fraktionsvorsitzender Lars Harms, wir haben den direkten Draht nach Kiel, da muss ich nicht erst einen Termin mit einer Vorzimmerdame vereinbaren." Und auch den Parteivorsitzenden Flemming Meyer kenne er gut. Die Meinungsbildung der Fraktion soll nicht resolut sein. "Ich tendiere dazu, jedes Thema mehrheitlich zu sehen. Wir sind kompromissbereit."

Das solle allerdings nicht bedeuten, dass der SSW keinen Standpunkt hätte. Besonders der Minderheitenpolitik fühlt sich der SSW verpflichtet, das spiegelt sich auch im Wahlkampf-Flyer wieder, der in vier Sprachen - neben Deutsch und Dänisch auch Russisch und Polnisch - verfasst ist. "Wir müssen die Integration fördern und die Menschen mitnehmen." Doch solle die Integration immer freiwillig erfolgen. Er selbst versuche, auf die Menschen zuzugehen. "Ich mache da sehr viel aus dem Bauch und dem Gefühl heraus." Zudem will Andresen bei den Städtepartnerschaften seine alten Kontakte nutzen, um die Partnerschaft zu Faaborg wieder aufleben zu lassen. "Ich hoffe, dass das wieder in Gang kommt, das wäre auch touristisch ein Plus für uns."

Beim Thema Haushalt sieht er Sparpotenzial bei den Mitgliedschaften der Stadt. Die Art der Bebauung der Schlei-Terrassen stößt nicht auf Andresens ungeteilte Zustimmung. Besonders stört ihn, dass das Schwimmbad bei jedem Bewerber zunächst im Vordergrund stand, doch nun dessen Erhalt sehr fraglich sei. Port Olpenitz wird seiner Meinung nach nicht so gebaut, wie es einst geplant gewesen sei. Doch stört ihn vor allem, dass das Gelände zu sehr abgesperrt sei. "Jeder, der sich Port Olpenitz anschauen will, wird von Wachleuten davon abgehalten. Das hat nichts mit Offenheit zu tun." Und Offenheit und Transparenz sind Andresen nun einmal wichtig.

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