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Kappelner Stadtbücherei : „Bücherei muss dahin, wo Menschen sind“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Förderverein „Buchstützen“ startet eine Unterschriftenaktion zum Erhalt des Standortes in der Schmiedestraße.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2017 | 08:00 Uhr

Der Wert einer Immobilie bemisst sich, zumindest wenn man einen Makler fragt, an drei Faktoren: Lage, Lage und Lage. Die „Buchstützen“, der Förderverein der Kappelner Stadtbücherei, sortieren die derzeitige Lage der Bücherei in die Kategorie 1A ein. „Besser geht es nicht“, sagt Norbert Dick, Kassenwart der „Buchstützen“. Weil aber im Zuge der Überplanung des Mühlenumfeldes der Gedanke einer Bücherei im alten Schweinestall ins Spiel gebracht wurde, sieht sich der Verein zu einer Gegenreaktion gezwungen. Seit vorgestern sammeln die Mitglieder Unterschriften, um ihrem Anliegen Kraft zu verleihen: Der aktuelle Standort der Bücherei soll erhalten bleiben.

Renate Rackow kommt schnell zum Punkt: „Auf keinen Fall“, sagt die Beisitzerin der „Buchstützen“, dürfe man die Bücherei aus ihrem jetzigen Platz herausreißen und im Stall neben der Mühle unterbringen. „Allein die Vorstellung, dort immer hinlaufen zu müssen“, schiebt sie noch hinterher und schüttelt den Kopf. Unbestritten ist die Schmiedestraße die am stärksten frequentierte Straße der Innenstadt. Geschäft neben Geschäft, Kirche und Kino in unmittelbarer Verlängerung – lauter Anziehungspunkte. Und mittendrin die Bücherei. Die Schleswiger Straße, Standort der Mühle, ist zwar nicht weit weg und zieht selbstverständlich allein, weil die Touristinfo dort angesiedelt ist und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bleiben wird, ebenfalls etliche Menschen an, aber es ist eben nicht mehr die 1A-Lage. Beide Gebäude, sowohl das derzeitige als auch das potenziell neue, erfordern allerdings Baumaßnahmen.

Norbert Dick wird konkret und berichtet von Bücherei-Besuchen, die vor allem deshalb zustande kommen, weil der Besucher die Möglichkeit hat, seine Ausleihe mit einem Einkauf in der Fußgängerzone zu verbinden. „Die Bücherei ist ein Magnet und belebt die Innenstadt“, sagt er. Verschiedene Geschäftsleute hätten ihm das bestätigt und ihm gleichzeitig ihre Bedenken vermittelt, sollte der Standort Schmiedestraße aufgegeben werden. „Teile der Kaufmannschaft haben Sorge, dass ihnen Kundschaft wegbricht, wenn die Bücherei verlagert wird“, sagt Dick. Umgekehrt bedrückt ihn der Gedanke, dass der Einrichtung Laufkundschaft verloren geht, sollte sie sich künftig weiter ab von der Einkaufsstraße befinden. Für ihn bleiben unterm Strich ausschließlich Nachteile bei einer Standortveränderung. „Ich bin sicher, dass die Besucherzahlen zurückgehen werden“, sagt der „Buchstützen“-Kassierer. Und Renate Rackow wirft die Frage in den Raum: „Warum sollte man ein florierendes Umfeld ändern?“

Dass das Mühlenumfeld durchaus ein attraktives Areal ist, bestreitet weder Rackow noch Dick. Nur eben keines, das für die Bücherei geeignet sei. Dick sagt: „Als Kommunalpolitiker ist für mich natürlich relevant, was dort passiert. Aber die Bücherei darf nicht zur Manövriermasse werden.“ Als „Buchstütze“ betont er daher: „Die Bücherei muss dahin, wo die Menschen von Hause aus sowieso sind.“ Auch deshalb erinnert Renate Rackow an die Vereinbarung, die man Ende vergangenen Jahres mit der Politik getroffen habe – „und auf die wir uns verlassen haben“. Damals hatte man sich auf eine Sanierung und Erweiterung des Bestandsgebäudes gestreckt über mehrere Haushaltsjahre und beginnend im Jahr 2018 geeinigt. Die Stadtvertretung hatte dieses Vorgehen abgesegnet. Norbert Dick sagt: „Das ist ein Kompromiss, mit dem wir alle leben können.“

Ganz offenkundig nicht leben kann der Förderverein derweil mit dem Standort Schweinestall, der, unabhängig von der Lage, ohnehin zu klein sei. Renate Rackow sagt: „Der rechnerische Flächenbedarf der Bücherei bei einer Stadt wie Kappeln liegt bei 550 Quadratmetern. Jetzt haben wir 265 Quadratmeter, im Stall wären es nur 200.“ Ein Umstand, der der Politik allerdings bewusst, ein möglicher Anbau daher ebenso Teil der Diskussion ist.

Um ihrer Forderung nach Erhalt des Standortes Schmiedestraße Nachdruck zu verleihen, haben die Vereinsmitglieder in dieser Woche eine Unterschriftenaktion gestartet – der Auftakt zu einer längerfristig angelegten Aktion. Zusätzlich wollen die „Buchstützen“ Listen in Geschäften auslegen. Norbert Dick findet: „Das Thema muss mehr in die Öffentlichkeit und ins Bewusstsein.“ Nicht der schlechteste Weg, um herauszufinden, ob die eigene Richtung die ist, die die Mehrheit tragen kann. Vor allem ein offensiver Weg, weil man sich neben Befürwortung eventuell auf Widerspruch gefasst machen muss. Und alle mal dienlicher als im Verborgenen auf Gedankenspiele zu schimpfen, die im Moment genau das sind. Gedankenspiele und nicht mehr.

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