"Buchstützen" in Schieflage

Mit ihrer Arbeit sorgen die 'Buchstützen' auch für die Anschaffung neuer Bücher. Foto: iversen
Mit ihrer Arbeit sorgen die "Buchstützen" auch für die Anschaffung neuer Bücher. Foto: iversen

Förderverein der Stadtbücherei muss sich nach Rücktritt des Vorsitzenden und seines Stellvertreters neu aufstellen

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24. Mai 2013, 03:59 Uhr

Kappeln | Der Förderverein der Kappelner Stadtbücherei, die "Buchstützen", erlebt derzeit die schwerste Krise seit seinem Bestehen. Noch im März hatten alle Zeichen auf grün gestanden: Die "Buchstützen" hatten nach einer schwierigen Phase mit Neumitglied Volker Schmeckthal einen neuen Vorsitzenden gefunden und somit in letzter Minute die Vereinsauflösung abgewendet. Zudem hatte sich der scheidende Vorsitzende, Thorsten Schacht, nach anfänglichem Widerstand bereit erklärt, als Stellvertreter zu fungieren. Der ganze Verein schien erleichtert und willens, mit neuen Kräften durchzustarten. Gute vier Wochen später war nichts mehr von dieser Euphorie übriggeblieben: Volker Schmeckthal hatte seinen Rücktritt erklärt, Thorsten Schacht tat es ihm unmittelbar danach gleich. Die "Buchstützen" standen vier Jahre nach ihrer Gründung vor dem Aus. Aktuell agiert der Verein mit einem dreiköpfigen Rumpfvorstand. Der allerdings gibt sich trotz der derzeitigen Schieflage durchaus zuversichtlich: Noch in diesem Sommer wollen die "Buchstützen" einen neuen Vorsitzenden präsentieren.

Renate Rackow, Ute Hörcher und Angelika Baron heißen die drei wackeren Damen, die den Verein derzeit am Leben erhalten. Von den aktuellen Ereignissen zeigen sie sich, wie der Rest der Mitglieder, völlig überrascht. Die Rücktritte der beiden Vorsitzenden haben sich demnach im Laufe einer gemeinsamen Vorstandssitzung, der ersten nach der Wahl, ergeben. Ute Hörcher erinnert sich: "Eigentlich sind wir dorthin gekommen, um nun mit der Veranstaltungsplanung loszulegen", sagt die Schriftführerin. Dass die Sitzung diesen denkwürdigen Ausgang nehmen würde, habe keiner geahnt. Kassenwartin Renate Rackow fasst die damalige Situation so zusammen: "Die beiden Vorsitzenden hatten unterschiedliche Auffassungen von der Arbeit." Die Rücktritte während der Vorstandssitzung Ende April habe man schlicht protokolliert. Daran, die beiden zum Bleiben zu bewegen, habe man nicht gedacht. Rackow: "Da war nichts zu machen." Und auf einmal stand wieder die Gefahr einer Vereinsauflösung im Raum - ein Umstand, von dem man noch im März geglaubt hatte, ihn überwunden zu haben. Ute Hörcher sagt dazu: "Eine Auflösung war zu diesem Zeitpunkt wirklich denkbar. Die Lage war sehr ernst."

Thorsten Schacht jedenfalls sagt noch heute: "Es ist schwer, darüber zu reden, ohne Bitterkeit aufkommen zu lassen." Auch er spricht von unterschiedlichen Auffassungen über die Pflichten eines ersten Vorsitzenden, die zwischen ihm und Schmeckthal geherrscht hätten. Er selber habe nach der Rücktrittserklärung Schmeckthals - die dieser am Ende der Sitzung schriftlich vorgelegt haben soll - die Konsequenz gezogen und dasselbe getan - "damit nicht wieder die ganze Arbeit an mir hängen bleibt". Immerhin habe Schacht bereits lange vor der Versammlung im März deutlich gemacht, dass er seine Kraft künftig für andere Ziele benötige. Persönlich habe er sich allerdings vorzuwerfen, dass er es bis zur April-Sitzung versäumt habe, einen Notartermin auszumachen, um den Wechsel beim Vorsitz anzuzeigen.

Volker Schmeckthal, der einstimmig gewählte letzte Vorsitzende, war somit rechtlich noch gar nicht im Amt, als er von seinem Posten zurücktrat. Auf die Frage nach seinen Beweggründen für diesen Schritt sagt er: "Zum Schutz des Vereins und der Mitglieder sowie dem Ansehen aller inklusiver meiner eigenen Person sowie im Sinne gesellschaftlicher Ethik will ich das nicht kommentieren." Schmeckthal macht aber deutlich, dass er Vereinsmitglied bleibt und darüber hinaus die Lesedamen für ihren weiteren Bestand und ihre Arbeit nach seinen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten unterstützen will.

Bei allen Problemen ist derweil eine Sache in den Augen des Vorstands deutlich geworden. Ute Hörcher: "Die Mitglieder haben erkannt, worum es geht. Und es sind Interessenten da, die den Vorsitz übernehmen wollen." Und so könnte mit der avisierten Wahl im Sommer die Krise schnell ein Ende finden und der Verein wieder das tun, was er tun will: der Bücherei eine Stütze sein.

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