"Buchstützen" feiern gelungene Premiere

Die renommierte Autorin Monika Fagerholm beeindruckt das Publikum mit dem Klang schwedisch gelesener Texte.
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Die renommierte Autorin Monika Fagerholm beeindruckt das Publikum mit dem Klang schwedisch gelesener Texte.

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18. November 2009, 10:09 Uhr

Kappeln | Für die "Buchstützen" - den Förderverein der Stadtbücherei Kappeln - ist dieser Abend eine Premiere. Zum ersten Mal organisieren die Buchstützen eine Lesung mit renommierten Autorinnen in der Stadtbücherei. Im Rahmen der nordischen Autorentournee, die vom Nordisk Informationskontor und dem Kulturbüro der Stadt Flensburg veranstaltet wird, lesen die Schriftstellerinnen Monika Fagerholm und Henriette E. Møller in Kappeln.

Anja Tolkmitt vom "Buchstützen"-Vorstand und Büchereileiterin Sabine Haase-Henkel haben die Lesung vorbereitet. Ein Einsatz, der sich gelohnt hat: Es ist ein nasskalter Novemberabend mitten in der Woche. Dennoch füllt sich der Lesesaal mit etwa 40 Gästen, die die beiden verschiedenen Autorinnen und ihre Werke kennen lernen wollen.

Den Anfang macht die 33-jährige dänische Autorin Henriette Møller. Sie sitzt neben der Übersetzerin Sigrid Engeler auf dem festlich dekorierten Podium und beginnt mit sanfter, leiser Stimme auf dänisch zu lesen. Ihr Debütroman "Jelne" ist ein Buch über Einsamkeit. Eine junge Frau wird von ihrem Freund verlassen. Ihre nächsten Verwandten sind schon seit vielen Jahren tot. Sie ist ganz allein. Ihr Name "Jelne" ist die verkürzte Form des dänischen "Jeg er ensom" - "Ich bin einsam". Bei der anschließenden Lesung des deutschen Textes hören die Besucher, wie Jelne die Fotos der gemeinsamen Zeit mit ihrem Freund aus dem Fenster ihrer Wohnung kippt und langsam auf den schneebedeckten Bürgersteig trudeln lässt. Henriette Møller lehnt sich in ihrem Stuhl zurück, während Sigrid Engeler liest und wirkt ein wenig verloren, beinahe traurig, als habe Jelnes Traurigkeit sich auf sie übertragen. "Ich hätte gern noch viel mehr von Henriette Møller auf dänisch gehört", sagt Manon Arp, die eine dänische Schule besucht. Mutter Petra Arp stimmt ihr zu: "Es ist schon toll, wenn man Romane auch in der Original-Sprache hören kann."

Nach Henriette Møller kommt die 1961 geborene Autorin Monika Fagerholm auf das Podium zu Sigrid Engeler. Fagerholm wurde 1995 mit "Wunderbare Frauen am Wasser" bekannt. Für "Das amerikanische Mädchen" erhielt sie den renommierten August-Preis. Sie ist eine finnisch-schwedische Autorin und liest in der besonderen Sprache der schwedischen Minderheit in Finnland. Vor allem der Klang ihrer Sätze ist ihr wichtig: "Das amerikanische Mädchen" handelt von Tönen und Stimmen", sagt sie. "Das klingt melodramatisch, und das soll es auch sein", lässt sie die Zuhörer augenzwinkernd wissen. Sigrid Engeler liest einige Abschnitte und führt auf dem Podium ein Gespräch mit Fagerholm, das den Zuhörern Einblicke in die Eigentümlichkeiten ihres Stils gewährt. Zwischendurch liest Fagerholm immer wieder auf schwedisch. Im Publikum wird gekichert, wenn sie ihre Texte mit dramatischen Gebärden und in düsterem Ton, aber stets mit einem hintergründigen Lächeln vorträgt.

Henriette Møller und Monika Fagerholm haben bei ihrem Kappelner Publikum an diesem Abend ein großes Interesse an skandinavischer Literatur geweckt. So nutzen viele Zuhörer zum Schluss die Chance, am Tisch der Buchhandlung Gosch ein Buch zu erwerben und signieren zu lassen. "Das war ein richtig spannender Abend", gibt Friederike Lang die Stimmung der Bücherei-Besucher wieder.

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