Kappeln : Brückenbauer mit Überzeugungskraft

Das alte Packhaus der  Firma H.B. Lorentzen, das später abbrannte.
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Das alte Packhaus der Firma H.B. Lorentzen, das später abbrannte.

Kappelns fünfter Ehrenbürger: Konsul Emanuel Bonnevie Lorentzen (1875 - 1960) gilt als "einer der treuesten Söhne" der Schleistadt

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03. September 2011, 08:34 Uhr

Kappeln | Er war ein verlässlicher Motor der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in Kappeln: Emanuel Lorentzens nimmermüdes Engagement bewegte sich zwischen Stadtpolitik und Männergilde. "Mit allen Fasern seines Herzens hing er an dem Geschick seiner geliebten Stadt Kappeln, die er wesentlich mitgeprägt hat", ist in einer frühen Würdigung seines Lebens und Wirkens zu lesen. Die Stadtvertreterversammlung verlieh dem Holzkaufmann, Kommunalpolitiker und Honorarkonsul am 3. Juni 1955 "als einem der treuesten Söhne unserer Heimatstadt für seine wertvollen Verdienste um die Entwicklung der Stadt" das Ehrenbürgerrecht. Lorentzen ist damit als fünfter und bisher letzter Ehrenbürger in die Stadtgeschichte eingegangen.

Emanuel Bonnevie Lorentzen, so sein kompletter Name, wurde am 3. Juni 1875 in eine Kappelner Unternehmerfamilie hineingeboren. Sein Großvater Honoratus Bonnevie Lorentzen stammte aus Norwegen, war Leutnant bei der in Eckernförde stationierten Ruderflottille und wurde, nachdem er 1815 seinen Militärdienst quittiert hatte, Teilhaber einer Holzhandlung, die sein Schwiegervater in Kappeln betrieb.

Damit hatte er den Grundstock gelegt für seine eigene Firma, die über drei Generationen in Familienhand bleiben sollte: H. B. Lorentzen. Über die Art des Geschäfts gibt eine Firmenchronik Auskunft, die 1940 zum 125-jährigen Bestehen erschien: "Die Holzeinfuhr erfolgte meistens im Wege des Warenaustausches. Die Waren, wie z.B. landwirtschaftliche Produkte, wurden von Kappeln nach Norwegen gesandt und dafür Holz eingeführt. Später bahnten sich auch Geschäfte mit Schweden und Finnland an. Die finnischen Kapitäne brachten Sparren mit alten Schiffen nach Kappeln und boten diese zum Verkauf an. Man wurde immer schnell handelseinig. Zur Besiegelung des abgeschlossenen Handels überreichte der Kapitän dem Käufer ein Drittel finnischer Butter."

Die Folgen kriegerischer Ereignisse und Sturmfluten beeinträchtigten zwar vorübergehend die Entwicklung des Unternehmens, "doch keine Schicksalsschläge waren imstande, den Mut der Lorentzens zu beugen". Nach dem Tode des Firmengründers führte dessen jüngster Sohn Immanuel Törries Andreas Lorentzen das Unternehmen fort, das er nicht weniger als 62 Jahre leitete. Sein Sohn wiederum, Emanuel Lorentzen, stand 47 Jahre an der Spitze der Firma.

Emanuel Lorentzen hatte nach dem Besuch der Oberrealschule in Kiel eine Lehre als Holzkaufmann in Apenrade und Neumünster absolviert und nach ersten Jahren der Berufspraxis in Schweden 1913 die Firmenleitung übernommen. Er baute das Unternehmen mit Augenmaß aus und avancierte bald zu den Honoratioren der Stadt. "Der Konsul" - so wurde er mit wohlwollendem Respekt von vielen Kappelner Bürgern genannt, nachdem er 1908 zum königlich-schwedischen Vizekonsul ernannt worden war.

Eine Vielzahl weiterer öffentlicher Ämter kam hinzu. 23 Jahre engagierte er sich als Stadtvertreter für die Belange Kappelns, viele Jahre davon als stellvertretender Bürgermeister. In der Industrie- und Handelskammer Flensburg hatte seine Stimme Gewicht, ebenso im Schleswiger Kreistag, dem er als Abgeordneter angehörte. Er saß im Vorstand der Kreissparkasse Schleswig, später in deren Verwaltungsrat. Die Männergilde in Kappeln wählte ihn zu ihrem Ersten Ältermann. Viele Jahre leitete der passionierte Sänger den Quartettverein, der ihn zum Ehrenvorsitzenden ernannte.

Vor allem auf seine Initiative geht der Bau der 1927 fertiggestellten Schleibrücke zurück, die den alten Pontonübergang ersetzte. Auch der Neubau der Landwirtschaftsschule 1939/30 wird im wesentlich seinen Bemühungen zugeschrieben. Dies trifft ebenfalls für die Gründung einer Aufbauschule in Kappeln 1923 zu, die spätere Klaus-Harms-Schule. Für dieses Schulprojekt hatte er - unter Umgehung aller unteren Instanzen - wiederholt direkt im preußischen Kultusministerium vorgesprochen und geworben, bis eine Abordnung aus Berlin anreiste und der Stadtvertretung den fertigen Vertrag vorlegte. Auch hat er 1928 an der Überzeugungsarbeit mitgewirkt, den Weltkonzern Nestlé dafür zu gewinnen, in Kappeln ein Milchwerk zu übernehmen und selbst zu betreiben.

Anlässlich seines 80. Geburtstages wurde Emanuel Lorentzen auf Grund eines einstimmigen Beschlusses der Stadtvertretung das Ehrenbürgerrecht verliehen. Fünf Jahre später, am 29. Oktober 1960, starb er in seiner Heimatstadt, die ihm so viel bedeutete.

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