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Tourismus : Brodersby fürchtet um seinen Ruf

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Seit neun Jahren steht das einzige Restaurant im Ostsee-Feriendorf Schönhagen leer. Bürgermeister Christian Schlömer wirft dem Investor fehlende Information vor.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2014 | 07:15 Uhr

Ein langer feiner Sandstrand vor der Tür, die blaue Ostsee nur wenige Meter entfernt: Das Ostsee-Feriendorf Schönhagen ist Idylle pur und lädt Erholungssuchende zu jeder Zeit zu einem familienfreundlichen Urlaub ein. Quartiere, auch im gehobenen Segment, sind reichlich vorhanden. Dem sehr guten Sommer hat Schönhagen gute Übernachtungszahlen zu verdanken. So ist die Zahl der Ankünfte in diesem Jahr nach Auskunft von Johanne Gaipl, Teamleiterin der Tourist-Information, auf 16.227 gestiegen (2013: 14.364, ein Plus von 11,48 Prozent). Die Zahl der Übernachtungen stieg von 115.186 auf 123.361 (ein Plus von 6,63 Prozent). Also alles eitel Sonnenschein in Schönhagen? Keineswegs.

Brodersbys Bürgermeister Christian Schlömer ist verärgert. Das einzige Restaurant im Ostseebad, das „Seestern“, ist geschlossen – und das schon seit 2005. Sehr zum Ärger der Urlauber und der Gäste. Das hat die Auswertung der Gästebefragung in Bezug auf das Gastronomie-Angebot ergeben. In Schulnoten ausgedrückt liegt das Ostseebad, nach den Worten von Tourismus-Expertin Gaipl, zwischen vier und sechs. Zwar bieten drei Imbissstände Fischbrötchen, Woknudeln, Hot Dog, Döner und Pommes für den Hunger zwischendurch an – aber eine Restauration im gehobenen Segment fehlt. Christian Schlömer sagt: „Das fehlende Restaurant-Angebot sorgt für ein negatives Image für Schönhagen und fällt auf die Gemeinde zurück.“ Viele Gäste hätten den Wunsch, am Ende des Tages gemeinsam mit der Familie im Ort ein Restaurant besuchen zu können, ohne lange Anfahrtswege in Kauf nehmen zu müssen.

Eigentümer des „Seestern“-Gebäudes ist die deutsch-dänische Planet-Gruppe, die bereits mehrere Investitionen in Schönhagen getätigt hat. „Mit dem Geschäftsführer Sven Hollesen hatten wir fünf Jahre eine gute, fruchtbare Zusammenarbeit, die das Ostseebad international auf dem Ferienhausmarkt verankert hat“, erklärt Schlömer. Diese Zusammenarbeit sei seit einiger Zeit nachhaltig gestört. Seit Jahren wird ein neuer Pächter für den „Seestern“ gesucht. Bislang ohne jeden Erfolg.

Nachfragen bei der Planet-Gruppe hätten nichts ergeben. Der letzte offizielle Besuch von Sven Hollesen sei beim Richtfest der Eigentumswohnungen im Obergeschoss des „Seestern“-Gebäudes im November vor zwei Jahren gewesen. Seitdem habe die Gemeinde nichts Offizielles mehr gehört. „So kann mit einer Kommune nicht umgehen“, empört sich der Bürgermeister.

Selbst könne die Gemeinde nicht aktiv werden, da sie mit Steuermitteln kein Eigentum erwerben könne. Schlömer vermutet als Hindernis einen zu hohen Pachtzins oder Kaufpreis. „Ich hätte seit Jahren gern gewusst, was das kostet“, so Schlömer. Die Planet-Gruppe lasse die Gemeinde seit Jahren im Unklaren – ihr lägen weder ein Exposé noch andere Unterlagen vor. Schlömer: „Diesen Zustand kann ich mittlerweile den Gemeindevertretern und den Bürgern nicht mehr vermitteln.“

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt Sven Hollesen, vertretungsberechtigter Vorstand der Planet-Gruppe, dass mehrere Faktoren für den lang anhaltenden Leerstand des „Seesterns“ verantwortlich seien. Zunächst habe ein zahlungsunfähiger Pächter aus den Verträgen entlassen werden müssen, was einige Zeit in Anspruch genommen habe. Wegen interner Firmenprobleme 2007 habe man die Immobilie „Seestern“ vernachlässigt. Dann sei man mit mehreren potenziellen Interessenten im Gespräch gewesen. „Keiner war in der Lage, das wirtschaftlich zu stemmen“, so Hollesen.

Jetzt ist nach Auskunft von Hollesen aber Bewegung in die Sache gekommen. Seit rund einem Jahr steht die Planet-Gruppe mit zwei potenziellen Investoren in Verhandlungen, die an „Multikonzepten“ zur Nutzung der Immobilie arbeiten. Für die Indoor-Spielhalle und den „Seestern“ soll ein gemeinsamer Investor gefunden werden. „Unsere Zielsetzung ist es, so zügig wie überhaupt möglich eine Lösung zu finden“, skizziert Hollesen den Zeitrahmen der Verhandlungen. Seiner Ansicht nach bestehe Aussicht auf Erfolg der Verhandlungen. Einen genauen Zeitpunkt wollte er aber nicht nennen – dafür sei es noch zu früh.

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