Nordschwansen : Brodersby als Windkraft-Vorreiter

Insgesamt drei Windkraftanlagen mit 0,6 Megawatt Leistung wurden im Juni 1994 in Brodersby errichtet. Die Nabe liegt in 50 Metern Höhe.
Insgesamt drei Windkraftanlagen mit 0,6 Megawatt Leistung wurden im Juni 1994 in Brodersby errichtet. Die Nabe liegt in 50 Metern Höhe.

Vor 20 Jahren entstand in Nordschwansen der erste Windpark iin Schleswig-Holstein. Am Sonntag wird Jubiläum gefeiert.

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12. Juni 2014, 14:48 Uhr

Rein rechnerisch haben die drei Windkraftanlagen in Brodersby seit ihrer Inbetriebnahme im Juni 1994 den Strombedarf für rund 22 000 Haushalte innerhalb eines Jahres erzeugt. Für Siegfried Panzer und seinen Geschäftspartner Hans-Herbert Wamser von der Schwansener Energieanlagen oHG ist das ein Grund zu feiern. Am Sonntag, 15. Juni, beginnt die Jubiläumsfeier um 13 Uhr im Gasthaus „Victoria“ in Winnemark.

Wenn Siegfried Panzer (74) heute zurückschaut, dann war es genau die richtige Entscheidung, die ihn und seinen ein Jahr jüngeren Geschäftspartner Wamser bewogen hatte, den ersten Windpark in Schleswig-Holstein zu errichten und zu betreiben. Den Bauantrag hatten sie am Küchentisch ausgefüllt, und innerhalb eines halben Jahres lag nicht nur die Baugenehmigung vor, die drei Windkraftanlagen der Marke Tacke TW 600 waren errichtet und produzierten schon im Sommer 1994 Strom. Die Vorbereitungszeit allerdings dauerte rund vier Jahre, so Panzer. „Die Suche nach einem Standort und den richtigen Maschinen war nicht so einfach“, erinnert er sich. Zunächst hatten sie vor, die Anlagen auf Nordstrand zu installieren. Die Pläne waren auch schon weit gediehen, aber dann fehlten die letzten Zusagen. „Dass wir schließlich an der Ostsee landeten, war eher Zufall. Die Nordseeküste ist wegen ihres Windes an sich besser“, sagt Panzer.

In Brodersby fanden sie drei Standorte, zwei erwarben sie, einen pachteten sie. Innerhalb von drei Tagen wurde jede der Anlagen mit 50 Meter Nabenhöhe und einem Rotorradius von 43 Metern errichtet. Ein Vergleich zu den Anlagen heute sei kaum möglich, so Panzer. Mit seinem Sohn betreibt er weitere Anlagen in Sachsen, die rund 200 Meter Höhe erreichen und für deren Bauanträge sie zwei Pkw zum Transport und viele Jahre der Planung benötigten. Er sei damals von seinem Freund Hans-Herbert Wamser vom Windkraft-Virus infiziert worden. Panzer: „Unsere Motivation war ganz klar: Weg von Atomkraft und der Verfeuerung fossiler Brennstoffe. Zu fossilen Brennstoffen gibt es keine bessere Alternative als Windenergie.“

Anlagenlieferant Franz Tacke versprach ihnen damals eine Laufzeit von 20 bis 25 Jahre für die Windkraftanlagen. Die Anlagen seien stets gut gewartet worden und würden recht zuverlässig laufen. Bei einer musste in diesem Frühjahr das Getriebe ausgetauscht werden. Panzer rechnet damit, dass die Anlagen noch rund zehn weitere Jahre arbeiten. Die Betriebserlaubnis ist für 25 Jahre gültig, er hofft, diese verlängern zu können.

Zunehmend Probleme bereiten den Technikern die häufigen Abschaltungen der Anlagen durch die Stromabnehmer. Das belaste Getriebe und Bauteile stark. Im vergangenen Jahr geschah das 30 Mal. Ärger mit Anwohnern oder Beschwerden habe es in den Jahren wegen der Anlagen nicht gegeben, sagt Panzer. Die Bürger hätten Ausflüge zu den Anlagen unternommen und sich über sauberen Strom gefreut.

Für den kommenden Sonntag sind Bürger ab 13 Uhr im den Gasthof „Victoria“, Dorfstraße 3, willkommen. Es wird Musik geben, außerdem zeigen die Verantwortlichen Fotos vom Aufbau der Windkraftanlagen. Ab 15 Uhr sind Besichtigungen der Anlagen geplant.

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