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Digitale Zukunft in Kappeln : Breite Front für Breitband-Internet

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Stadt und Amt Schlei-Ostsee wollen Zweckverband gründen. Verlegung von 271 Kilometern Glasfaser geplant.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2015 | 07:30 Uhr

Die Zukunft gehört dem schnellen Breitband-Internet. Ein zügiger Daten-Austausch, sei es in Form von Fotos oder Mails, das Surfen im Netz oder das Herunterladen eines Films ist für Bürger in größeren Städten kein Problem – wohl aber für Einwohner auf dem Land. Das gilt auch für die Halbinsel Schwansen und Kappeln. Genau das soll sich ändern. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Kappeln plant das Amt Schlei-Ostsee im Auftrag der Gemeinden den Ausbau der Breitbandversorgung. Ziel ist es, jeden Haushalt mit einem Glasfaseranschluss (Fiber To The Home; FTTH) zu versorgen, der eine Übertragungsrate von 50 Megabyte pro Sekunde   (Mbit/s) ermöglicht. 215 Kilometer Glasfaser müssten in Schwansen verlegt werden, in Kappeln rechnen die Ingenieure mit 56 Kilometern.

Am Mittwochabend wurde ein großer Schritt in Richtung Ausbau getan. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung im Gasthof Blumenthal, zu der der Amtsdirektor des Amtes Schlei-Ostsee, Gunnar Bock, und der Bürgermeister der Stadt Kappeln, Heiko Traulsen, die Bürgermeister und Vertreter der Gemeinden eingeladen hatten, wurden die Grundlagen für die Gründung eines Breitbandzweckverbands vorgestellt. Dazu gehörten die Infrastrukturvorplanung, eine Wirtschaftlichkeitsermittlung und Entwürfe eines Vertrages. Einzige Aufgabe des Verbands: die Schaffung und Bereitstellung einer qualitativ hochwertigen Breitbandversorgung. Die Repräsentanten der Stadt Kappeln und des Amtes Schlei-Ostsee, Dagmar Ungethüm-Ancker und Rainer Röhl, nahmen ebenfalls an der Sitzung teil.

Entscheiden sich die Gemeinden und die Stadt Kappeln für die Errichtung eines Breitbandzweckverbands nach einer Beratung in ihren Gremien, könnte dieser bereits im November gegründet werden. Anfang 2016 würde das EU-Vergabeverfahren gestartet werden, danach würden Gespräche mit Banken zwecks Darlehn erfolgen und Ende 2016 könnte ein Pachtvertrag mit einem Netzbetreiber geschlossen werden. Die Netze würden dann stückweise von 2017 bis 2020 ausgebaut werden.

Jan Schmöckel, Geschäftsführer der das Amt beratenden Ingenieursgesellschaft Marxen & Schmöckel aus Henstedt-Ulzburg, stellte die Aufgaben des Zweckverbands vor. „Sie errichten ein komplettes passives Netz, das Sie für 25 Jahre an einen Netzbetreiber verpachten“, erklärte er. Die Festlegung der Trasse, die Verlegung der Leerrohre samt entsprechender Glasfaser sowie der Bau aller Schächte und POP-Standorte (regionale Anschlusspunkte an das Netz) ist Aufgabe des Zweckverbands. In den POP-Standorten ist die Einspeisung vorgesehen. Im Amtsbereich sind fünf Standorte, von Karby über Loose, Rieseby, Fleckeby und Kochendorf, geplant. In Kappeln sollen in den Straßenzügen Reeperbahn, Barbarastraße, Loitmark, Fröbelweg und Mehlbydiek POP-Standorte entstehen.

Das komplette finanzielle Risiko liege beim Netzbetreiber, der das Netz vom Zweckverband pachtet, so Schmöckel. In dem Pachtvertrag wird festgelegt, dass die Höhe der Pacht 1:1 an die Höhe der Ausbaukosten gekoppelt ist. Das bedeutet bei 20 Millionen Euro Ausbaukosten, die für einen Erschließungsgrad von 90 Prozent anfallen, und fünf Prozent Pacht einen jährlichen Ertrag von einer Million Euro für den Zweckverband. Um eine Insolvenz des Netzbetreibers von Beginn an auszuschließen, müsse jeder Bewerber seine wirtschaftliche Kraft nachweisen und eine Bürgschaft hinterlegen, sagte Jan Schmöckel.

Gunnar Bock wies darauf hin, dass hinsichtlich der Finanzierung mögliche Fördergelder vonseiten des Landes, das einen flächendeckenden Ausbau der Breitbandversorgung bis 2030 weit oben auf seiner politischen Agenda platziert hat, oder des Bundes in der Wirtschaftlichkeitsberechnung noch gar nicht berücksichtigt worden sind.

Bei allen Planungsschritten spielt nach Ansicht des Amtsdirektors die Wirtschaftlichkeit und damit eine hohe Anschlussquote eine große Rolle. Ulrich Bendlin vom Kappelner Bauamt appellierte daher an die Bürgermeister und Gemeindevertreter: „Wichtig für den Betreiber ist, dass Werbung in den Gemeinden gemacht wird.“

Gunnar Bock erklärte, dass zwar ein minimales Haftungsrisiko für den Zweckverband bestehen bleibe. „Aber die Chance, eine tolle Infrastruktur für Schwansen und die Stadt Kappeln zu bekommen, überwiegt dieses Risiko“, sagte er. Unterstützung erhielt er vom Kappelner Bürgermeister Heiko Traulsen. „Wir haben jetzt die Chance, eine schnelle Datenautobahn zu etablieren und so nachhaltig unsere Wirtschaft und unseren Standort zu fördern“, erklärte er.

 

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