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Schlei-Bote

20. Oktober 2017 | 12:58 Uhr

Gelting/Kappeln : Boule baut Barrieren ab

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Spaß am Boccia ähnlichen Spiel vereint Einheimische und sechs Flüchtlinge aus Eritrea.

Ein freundliches Moin, ein kräftiger Händedruck und das Boulespiel im Geltinger Bürgerpark beginnt. Mit von der Partie sind Mahari, Haben, Zemikiel, Mihreteab, Mebrihit und Awelket – fünf junge Männer und eine Frau aus Eritrea, die in Gelting und Kappeln leben. Wenn es mit der sprachlichen Verständigung auch schwierig ist, das gemeinsame Boulespiel überwindet diese Hürde. Man versteht sich und hat Spaß miteinander.

Die Geltinger Boule-Gruppe gibt es seit 2006, damals von Piet Nissen, Klaus Krüsmann, Jochen Prasse und Johannes Erichsen ins Leben gerufen. Die Gruppe zählt ein gutes Dutzend Mitglieder. Wer möchte, darf mitmachen – so wie die sechs jungen Eritreer.

Zunächst stellten sich zwei von ihnen als Zaungäste ein. Als man sie fragte, ob sie mitspielen wollten, lautete die Antwort: Ja. Und so sind es mittlerweile sechs junge Leute, die regelmäßig kommen. Sie leben seit vier beziehungsweise sechs Monaten in Angeln. Dass sie gerne in den Bürgerpark kommen, freut ganz besonders Johannes Erichsen. Der 72-Jährige ist im Amt Geltinger Bucht als Asyl-Lotse tätig. Warum er sich betreuend ehrenamtlich engagiert und den Asylbewerbern hilft, sich in ihrem neuen Leben zurecht zu finden, liegt für ihn auf der Hand. „Mir geht es gut, und deshalb will ich etwas abgeben“, sagt Erichsen. „Wir haben sie in unsere Runde integriert.“ Da wird gelacht, sich aber im Wettkampf nichts geschenkt, denn jeder will gewinnen. Am Rande merkt Asyl-Lotse Johannes Erichsen an, dass drei von jungen Leuten seit Montag das Berufsbildungszentrum in Kappeln besuchen: Deutsch als Zweitsprache. Wie schwierig die deutsche Sprache für die Eritreer ist, hat Erichsen in einem Sprachbuch „Tigrinisch-Englisch-Deutsch“ gesehen, aber er ist zuversichtlich, dass die jungen Leute sich bald auf Deutsch verständlich machen können.

Hinter den sechs Leuten aus Eritrea liegt eine lange und höchst strapaziöse Flucht aus ihrem Heimatland im nordöstlichen Afrika. Sie haben den langen Weg nach Europa, teilweise zu Fuß durch die Sahara, auf sich genommen, um militärischer Willkür zu entkommen. Von Libyen gelangten sie mit Fischkuttern nach Italien. Weiter ging es nach Neumünster und schließlich ins Amt Geltinger Buch. Dass sie in den Freizeitspaß der Boule-Gruppe mit einbezogen worden sind, ist für sie eine Abwechslung, für die sie dankbar sind.

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