Musik am Noor : Boogie Woogie bis Dixieland

Ein entspanntes Publikum genießt die Stimmung vor der Werfthalle. Fotos: Bürger
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Ein entspanntes Publikum genießt die Stimmung vor der Werfthalle. Fotos: Bürger

Musik am Noor in Arnis lockt viele neue Zuhörer am Freitagabend.

shz.de von
13. August 2018, 12:00 Uhr

Es ging um Jazz, manchmal um Folk, bisweilen um Rock’n’Roll, spätabends um Boogie Woogie und um die Mittagszeit um Dixieland – es ging um Musik. Zwei Tage stand in der Halle von M & P in Arnis nicht der Schiffsbau im Mittelpunkt, sondern Gitarren, Posaunen, Schlagzeuge oder Stimmen. Und auch die achte Auflage von „Musik am Noor“ erfüllte die Erwartungen: Volle Halle, zufriedene Gäste und alles umsonst.

Jens Matthiesen, Organisator und Taktgeber bei der Auswahl der Bands, kommentierte bereits am Freitagabend: „Ich sehe heute ganz viele Zuschauer das erste Mal.“ Auf eine „Mengenangabe“ wollte er sich zunächst nicht einlassen. „Dafür kommen und gehen zu viele während des Tages.“ Am späten Sonnabendabend allerdings schätzte er die Besucherzahl in der Spitzenzeit auf 1500. Neben den „Einheimischen“ säumten zahlreiche Touristen das Gelände am Wasser. Die parkenden Autos (Kennzeichen von OH, OD, KI, RD, NF, PI bis HH und FL) standen abends an der Straße bis zum Ortsschild von Grödersby Stoßstange an Stoßstange. Ein eiliger Radfahrer rief einem Autofahrer noch schnell zu: „Es wird eng in Arnis“, um flugs ins Hafengebiet abzubiegen.

Bereits vier Tage vor dem Festivalstart hatten die Helfer von „Musik am Noor“ ordentlich in die Hände gespuckt, die Schiffe aus der Halle geräumt und das Werkzeug anderweitig verstaut. Sonntagmorgen ging es übrigens sofort wieder in die andere Richtung. Matthiesen: „Alles musste wieder zurück, es ist ja eine Werfthalle.“ Klaus Koch, der für die ganze Technik, den Sound, das Licht und die Betreuung der Bands zuständig war, wusste zum Publikum eine Einschätzung beizusteuern: „Dankbar, man applaudiert, auch wenn die Band den eigenen Musikgeschmack nicht hundertprozentig trifft.“ Alle neuen Gruppen wurden im Vorfeld „gecastet“, Matthiesen ließ sich mindestens eine CD schicken. Bei den „Wiederholungstätern“, etwa Dona Oxford am Sonnabendabend, reichte die gehörte Qualität aus 2017. Die US-Sängerin und Pianistin (spielte bereits mit der Legende Van Morrison) hatte noch von wenigen Tagen in London gerockt und war extra nach Arnis weiter geflogen, um beim Festival dabei zu sein. Übernachtet wurde übrigens im Hotel in Süderbrarup.

Dass ein Großteil der Zuhörer, gerade beim Dixieland, aus der Altersgruppe 50plus bestand, war keine Überraschung. Koch ließ nicht unerwähnt, dass einige Bands vom Namen her möglicherweise eher unbekannt seien, aber keine Hobbymusiker wären. „Jan Mohr oder Dona Oxford leben von der Musik.“ Die dänische Jazzband „Vestre Jazzvaerk“ wurde bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten in New Orleans zu Ehrenbürgern ernannt und sind natürlich selbst „in die Jahre gekommen“. An dem Konzept, das ganze Festival durch Sponsoren und die Vermarktung der Getränke- und Essensstände zu finanzieren, will das Noor-Team nicht rütteln. Matthiesen: „Es war nie unser Bestreben, an den zwei Tagen Geld zu verdienen.“ Gleiches gilt, so Koch, für die Maxime, möglichst auf Coverbands zu verzichten. Wer nach Arnis kommt, soll eigene Songs mitbringen.

Das taten die elf Bands natürlich auch. Neu dabei waren Folk-Klänge von „The Golden Creek“, die eher an Singer-Songwriter erinnerten, bekannt hingegen die Marchingband „Jazz oder nie“, die Sonnabendmittag über das Kopfsteinpflaster wanderte und ihren Dixieland spielte. Und letztendlich schlüpfte ein Mann an den zwei Tagen sogar in beide Rollen: Vor der Bühne war Klaus Koch der Techniker und Bandbetreuer, Sonnabendnachmittag setzte er sich ans Schlagzeug und spielte mit „Coast to Coast“ zwei Stunden eigene Kompositionen. Tourist Thomas Krüger aus Viersen, derzeit im Urlaub an der Küste in Schönhagen, fasste das Feedback auf das Jazz-Angebot in Arnis passend zusammen: „Große Spielfreude bei fast allen Bands, feine Soli und ein beherztes Engagement auf dem ganzen Gelände. Ohne Eintritt gibt’s so was nur sehr selten.“

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